Wie ich lernte den ordinären Smoothie zu lieben

Smooothies. 

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Eine tolle Erfindung. Als Marktfrau aus Leidenschaft bin ich ja meistens schon ziemlich früh auf den Beinen. Der Wecker klingelt normalerweise zwischen vier und fünf. Ich müsste nicht immer so früh aufstehen aber ich mag es nun mal entspannt in den Tag zu starten und nicht direkt vom Bett zur Arbeit hetzen zu müssen. Da stehe ich gerne etwas früher für auf. Allerdings bekomme ich um diese Uhrzeit keinen Bissen runter. Ich habe das tatsächlich mal versucht aber es gibt wenig ekelhafteres als sich selbst Zwangs zu füttern. Wo bleibt denn da der Genuss? Ausprobiert und schnell wieder abgehakt. Ich brauche erst meine paar Tassen Kaffee und mindestens nen Liter Wasser, um in Schwung zu kommen. Bis ich dann mal annähernd so etwas wie Hunger verspüre, sitze ich entweder bereits im Bus oder bin schon mitten bei der Arbeit. Dort ist es meist von Anfang an ziemlich wuselig. Wir treffen uns auf dem Marktplatz und fangen direkt damit an unseren Stand aufzubauen. Da fehlt mir die Zeit und vor allem die Ruhe um ausgiebig zu Frühstücken. Meine Kollegen fänden das wohl auch nicht so witzig, wenn ich mich da erst mal ins Eckchen setzen würde (aber die Gesichter möchte ich gerne mal sehen)…Ja, Schande über mein Haupt aber tatsächlich, da brauche ich dann halt „Energy to Go“ und kein entspanntes Frühstücksbuffet. Da will ich einfach nen richtig leckeren Smoothie…

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Ananas, Zitrone, Minze

Vor und zu Beginn meiner Marktkarriere habe ich wegen meiner morgentlichen Essens Unlust, oftmals bis zum Abend, wenig bis gar nichts gegessen und mich den ganzen Tag über mit Kippen, Kaffee, Milch und Zucker über Wasser gehalten. Da ist man immer irgendwie gesättigt, zumindest unterdrückt man so sein Hungergefühl. Ich bin da oftmals nicht raus gekommen. Ich konnte mich zwischendurch einfach nicht entspannen und mir fehlte über den Tag die innere Ruhe, um etwas Richtiges zu Essen. Also snackte ich nur. Und natürlich nur vom besten, wie man lesen kann.  Zwischendurch gab es außerdem vielleicht mal ein Stück Apfel oder Birne, eher Schokolade oder Kaffeekekse. Abends habe ich dann natürlich ordentlich rein gehauen, aufzuholen. Danach war ich tot und bin vollgefressen ins Bett gefallen. Kein Wunder das man da morgens keinen Hunger hat. Aus dem Bett kommt man da meistens auch nicht so gut. Bock zur Schule, Uni oder Arbeit zu gehen hat man da auch nicht so richtig Plus unzähliger anderer, unangenehmer kleinerer und größerer Begleiterscheinungen, die solch eine „Ernährungsweise“ mit sich bringt. Wenn ich so darüber nachdenke… ging das wohl zehn Jahre so… Man könnte sagen, meine kompletten Zwanziger hindurch habe ich mich tagsüber echt scheiße ernährt. Dabei war ich immer trotzdem schlank. Wahrscheinlich weil ich mir Abends, anders als tagsüber oft richtig Zeit genommen habe mir oder Phasenweise auch mal uns, was richtig leckeres zu kochen und, das dann sogar mit Salat und Gemüse. Immerhin. Zum Dessert gab es dann trotzdem ein bis zwei Tafeln Schokolade oder kennt ihr diese XXL Tafeln von Milka, mit Keks. Die hab ich auf einmal geschafft. ja, ja. So war das damals.

Dann ging mein damaliger Freund. Mein Held, dachte ich. Alles wurde noch schlimmer. Die Welt wurde zunehmend düsterer. Kurz um, Alles war Kacke. ich war Kacke aber so richtig. Ja, und dann, ja dann kam der BioHof. Zufall? Wer weiß. Meine kleine BioFamilie, von der ich soviel lernte und noch immer lerne. Neue Menschen, neue Ansichten, neue Lebensentwürfe. Das Leben veränderte sich. Nicht von heute auf morgen aber nach und nach…Aber ich merke, ich schweife ab.

Um es auf den Punkt zu bringen. Heute mache ich mir am Abend zuvor oder wenn die Zeit es zulässt auch morgens frisch ( ganz zur Freude meiner Nachbarn) einen bis anderthalb Liter Smoothie und den trinke ich dann auf dem Weg zur und bei der Arbeit. Zwischendurch halt. Das funktioniert wunderbar. Ich bin den ganzen Arbeitstag über fit, auch geistig. Ich trinke weniger Kaffee, rauche viel weniger, Zucker und Kuh-Milch brauche ich eh nicht mehr und ausgeglichener und beschwingt bin ich meist sowie so. Das klingt jetzt nach „Mal eben so. Alles ändert sich“. Das stimmt nicht. Tatsächlich war es langer Lernprozess Prozess, der einige Sommer und Winter lang gedauert hat, bis es vor allem im Kopf klick gemacht hat, bis ich mir gesagt habe: Ich will! auf mich achten. ich will! diesen Job hier fünf Tage die Woche, zu jeder Jahreszeit, nicht nur durchziehen können sondern ich will! hundert Prozent geben können mit Freude und Energie, und das auch über die Arbeit hinaus. Ich will nicht mein halbes Leben Müde und depressiv im Bett liegen nachdem ich mich gerade so durch den Tag geschleppt habe. Von der Erkenntnis bis zur Umsetzung hat es auch nochmal einiges an Geduld und wildem rumprobieren gebraucht…Aber wenn es einmal läuft, dann läuft’s. Dann gibt es Schlenker und Sackgassen aber mit dem Ziel vor Augen geht es stetig voran. Sobald man die ersten Verbesserungen an sich spürt und merkt das die Freundlichkeit auf der Arbeit nicht nur professioneller Natur ist sondern, dass sie echt ist und von Herzen kommt, da gerät es zum Selbstläufer. Ich würde das mal Selbstmotivation nennen.

Das Schöne ist: Niemand ist perfekt. Auch heute gibt es immer wieder mal Tage an denen ich keinen Bock oder keine Zeit habe zu frühstücken, sei es flüssig oder fest und ja, dann esse ich bis Mittag mal nichts oder viel zu wenig. Das wundervolle jedoch ist. Wenn man generell anfängt auf sich zu achten, wenn sich selbst und den eigenen Körper mit Liebe behandelt, dann ist es egal. Der Körper, wie auch der Geist, sind mitfühlende Wesen. Sie sind nachsichtig und sie verzeihen. Sie gehen trotzdem mit, so dass man auch solche Tage voller Freude und Energie erleben darf. Achtsame Ernährung ist nämlich etwas langfristiges. Klingt komisch, ist aber so.

So manch ein Arbeitskollege mag dem gemeinen Smoothie gegenüber eher abgeneigt sein. Man verlerne das kauen. Hm, essen und essen lassen, denke ich da. Für mich funktioniert die Smoothie Spritze ganz wunderbar und kauen finde ich tue ich trotzdem noch mehr als genug…

 

Am Anfang waren meine Smoothies ganz schön „wild“, wie ein Arbeitskollege einmal anmerkte. Ich hab nämlich einfach alles zusammengewürfelt, was ich gerade so da hatte. Je mehr desto besser. Bananen, Zucchini, Äpfel, Birnen, Orangen, Salat, Agavensirup, Datteln, ein Spritzer Wasser und das alles in Einem! Smoothie. Puh. Egal, ich hab mich großartig damit gefühlt. Immerhin, Frühstück. Lecker war es jedesmal. Klar, war ja immer schön süß. Nach spätestens einer viertel Stunde hatte ich anderthalb Liter gnadenlos verputzt. Hui. Nach und nach änderten sich jedoch auch die übrigen Essgewohnheiten und mit ihnen veränderte sich auch die Zusammensetzung der Smoothies. Ich wollte nicht mehr bloß einen süßen Einheitsbrei, möglichst schnell, in mich hineinkippen. Wo blieb da der Genuss? Ich wollte die einzelnen Komponenten herausschmecken können… Heute mag ich es, von der Mischung her, lieber etwas moderater und von der Konsistenz her eher…fluffig. Manchmal passiere ich den Smoothie, nach dem Mixen, durch ein Feinmaschiges Sieb und dann hab ich nen leckeren Saft. Ich hab zwar eigentlich nen Entsafter…aber der ist irgendwie mehr Deko. Wie war das? Die einfachsten Dinge…und so 😉

 

 

 

 

4 Kommentare zu “Wie ich lernte den ordinären Smoothie zu lieben”

    1. Da stimme ich dir durchaus zu. Allerdings verbrenne ich auf der Arbeit auch jede Menge Kalorien. Das Obst gibt mir da die beste Energie, egal ob als Smoothie oder Pur verzehrt. Zu hause gönne ich mir dann auch gerne Mal einen Möhrchen Saft oder einen grünen Smoothie und abends gibt es dann richtig viel Gemüse. Aber du hast recht. Die Mitte macht’S 😉

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