Drei Positive Dinge und ein Lächeln für Jedermann

Neulich lud mich ein Arbeitskollege und Freund dazu ein gemeinsam mit ihm ein Spiel zu spielen. Er nannte es „Drei positive Dinge“.

Eine Woche lang würde er mir jeden Abend eine Mail schicken, in der er mir von „Drei positiven Dingen“ berichten würde, die er den Tag über erlebt habe. Ich sollte es ihm gleichtun und ihm meinerseits Drei solcher Erlebnisse schildern.

Warum eigentlich nicht, dachte ich. „Oh, ja!!“ fiepste mein treuer Begleiter, der Vogel und wurde dabei ganz hibbelig. „Das machen wir. Das wird Spaß machen.“  Das Spiel konnte also losgehen.

Wir starteten an einem Donnerstag. Abends erhielt ich die erste Mail. Er schrieb.

  1. Der Morgen begrüßte mich mit diesem wunderschönen Sonnenaufgang. (Foto)
  2. Ich hegte ein paar liebevolle Gedanken, an einen besonderen Menschen.
  3. Ich habe heute die Inschrift auf einem Grabstein fertig stellen können.

Ich antwortete:

  1. Ich hatte heute viel Spaß auf der Arbeit.
  2. Nach der Arbeit entdeckte ich einen ganz zauberhaften neuen Heimweg, jenseits des Straßen Lärms, mitten durch den ruhigen Wald hindurch. Echt schön.
  3. Eben habe ich die Weltbeste Tomatensoße gekocht.

Das Spiel gefiel uns. Uns fiel direkt auf, wie wohlig es sich anfühlte den Tag noch einmal positiv Revue passieren zu lassen und den Fokus auf die kleinen Nettigkeiten zu lenken. Soll ja Tage geben an denen man tatsächlich mit unangenehmen Menschen und Geschehnissen konfrontiert wird. So Sachen wo man sich dann manchmal über Andere, häufiger aber noch über sich selbst und seine eigene Reaktion auf das Geschehnis ärgert. Manchmal erlebt man am Morgen Dinge, die einen bis Abend begleiten. Man kann sie nicht loslassen. Vielleicht nimmt man sie sogar mit ins Bett, mit in den Traum, mit in den nächsten Tag. Das kostet Kraft. Zorn und Ärger in sich zu haben zehrt enorm an den eigenen Kräften, gerade wenn man etwas sensibler Natur ist, was man ja sein muss, wenn einen so ein Ärgernis so lange begleitet. Macht Sinn oder? Jedenfalls, ja wie das halt so ist. Vom Erkennen, übers Verstehen bis hin zur tatsächlichen Verinnerlichung und Umsetzung ist es ein weiter Weg. Immerhin.  Gelassenheit ist kein Gott gegebenes Talent. Man kann das tatsächlich trainieren. Ob man da allerdings jemals die 100% erreichen kann…fragwürdig. Manchmal sinnieren der Vogel und ich, während wir rauchend auf dem Balkon sitzend darüber ob nicht selbst der Dalai Lama manchmal…es sei denn, er ist da wirklich ein Naturtalent…könnte ja sein…ja könnte sein…hm.

Um zu dem Spiel zurück zu kommen. Sich am Ende des Tages auf die Positiven Dinge zu konzentrieren, nimmt den Negativen Dingen den Raum, im Kopf. Charmant rausgemobbt, sozusagen. Die Nachhaltigkeit ist dann wieder Traingssache. EINE Strategie macht ja leider noch keinen Buddha aber immerhin.

Jedenfalls, geschah, in dieser einen Woche, in der wir uns abendlich unsere Drei Dinge hin und her schickten etwas ganz feines. Zum einen wurden die Mails von Tag zu Tag länger und ausführlicher. Es macht ziemlich viel Spaß, sich gegenseitig von schönen Dingen zu schreiben und sie bis ins Kleinste zu Schildern. Der Vogel war da besonders aufmerksam. Ihm fiel so viel Schönes auf, sodass es zunehmend schwieriger wurde, sich auf ledigliche drei Punkte zu einigen. Kurios, wenn man einmal damit beginnt, wirklich darauf zu achten, was einem Tagtäglich für Nettigkeiten über den Weg laufen, egal ob empfangen oder selber in die Welt gegeben, dann stellt man fest: „Mensch, das ist ja gar nicht mal so wenig. Wo kommt das denn plötzlich alles her? Ist Vollmond?“ Man fühlt plötzlich ganz heiter. Am ersten Tag des Spiels schrieb man sich noch drei Drei Dinge, in drei Sätzen. Nun erwischt man sich dabei wie man, sieben positive Dinge, in drei nette kleine Geschichten, äh, Punkte schummelt, weil man sich einfach nicht entscheiden kann.

Der Vogel setzte dem Ganzen jedoch die Krone auf, als er mich eines Morgens recht unsanft aus dem Schlaf riss, indem er mir auf dem Kopf rumpickte, weil er die Eingebung hatte, dass es doch ganz nett sei, nicht mehr bloß drei oder sieben erlebte Dinge aufzuschreiben sondern aktiv selber etwas Positives zu produzieren und in die Welt zu geben. Etwas woran sich Andere dann am Abend erinnern könnten… Nachdem sich der Vogel mir wieder mehr als zwanzig Schritte nähern durfte, stimmte ich noch immer streng dreinblickend zu. Voraussetzung. Kein rum gepicke mehr. Gut. So, entstand kurzfristig die Smiley Idee: Heute, auf der Arbeit, möchte ich, jedem Kunden ein Lächeln schenken. Aber so richtig,… Zum Mitnehmen. Wir könnten eine Smileykarte kaufen und sie ganz oft kopieren lassen, überlegten wir ,während wir nach der Arbeit im Heimat Bus saß. Die könnte ich einzeln ausschneiden und jedem Kunden mitgeben, sagte ich. Der Vogel nickte eifrig. Auf der Suche nach einem Lächeln und mit der losen Idee im Kopf, lustwandelten wir nachmittags durch ein paar Lädchen, hier bei uns im Dorf. Und plötzlich fanden wir etwas, dass noch viel besser war als EIN lächelndes Gesicht,

nämlich, ganz viele lachende Gesichter:

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„Toll!!“ Kreischte der Vogel begeistert. „Die können wir den Kunden auf den Kassenzettel kleben!“ Ich nickte eifrig. Und so kam es dann auch. Am nächsten Tag nahmen wir die Sticker mit zur Arbeit. Meine Kollegen waren ebenfalls einverstanden mit der Idee. Zwei von ihnen fingen sogar im Laufe des vormittags an mitzumachen, also mitzukleben. Das fanden wir natürlich besonders toll. So bekam dann jeder Kunde, nach dem Einkauf einen Lächeln geschenkt. Wir hatten Spaß.

Ich war mir anfangs unsicher ob die Kunden die Aktion so gut annehmen würde aber das Feedback war durchweg positiv. Viele freuten sich sichtbar und meinten, das sei mal eine nette Abwechslung. Eine Kundin, die von meinem Kollegen bedient wurde und mitbekam, wie ich zu meiner Kundin, während ich ihr den Bon reichte, sagte: „Heute gibt es noch ein Lächeln gratis dazu.“, meinte sogar, dass sie bitte auch so einen Aufkleber haben wolle. Total schön.

Lediglich ein Kunde meinte er wolle keine Bonuspunkte haben…ihr wisst schon, einer von den Trainingskunden…aber nachdem wir es ihm nochmal erklärt hatten, ging der Aufkleber doch klar für ihn. Ich glaube. Aus der Ferne. Ich habe ihn sogar lächeln sehen…

Ausgesehen hat das Ganze übrigens so:

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Abends gab es dann ordentlich was zu schreiben.

Der Vogel und ich, wir waren ganz verzaubert. So einen beschwingten Tag hatten wir schon lange nicht mehr erlebt. Und das Schönste daran war. DAS ist uns nicht passiert sondern wir haben es  produziert. Aktiv.

Vogel, du hast recht. Sagte ich ein wenig müde. Man kann es sich schon nett machen im Leben, gerade jetzt wo wir wissen, dass man Glück selber machen kann. Und hinsehen muss man. Ab jetzt wollen wir mehr auf die schönen Dinge im leben achten und uns nicht mehr soviel über das andere ärgern, ja?

Aber der Vogel war schon seelig eingeschlafen und träumte von lächelnden Menschen…

 

6 Kommentare zu „Drei Positive Dinge und ein Lächeln für Jedermann“

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