Neulich im Wald…Pfingstsalat mit Maiwirsing und Goldnessel

Andere grillen nen Ochsen. Hier gibt es ein Salätchen. Die Ärmste, mag so manch einer denken. Wir glücklichen, fiepst der Vogel und knufft mich liebevoll mit dem Schnabel ins Ohr. Ja, wir glücklichen, sinniere ich, während ich ihm gedankenverloren das Köpfchen streichle.

Fleisch essen wir zwar keines. Wie das kam, das ist jedoch eine andere Geschichte. Dafür waren wir aber heute morgen Mittag im Wald auf Wildkräuter Jagd. Das treibt das Adrenalin genau so in die Höhe, vor Anspannung, weil man ja nie so genau weiß, was man da so neues entdeckt und vor allem vor Freude, weil es wirklich ein einzigartiges Gefühl ist raus zu gehen und sich sein Essen selber aus der Natur zu pflücken. Ja, das hat was, definitiv. weil wir uns mittlerweile ein Mittlerweile sind der Vogel und ich bereits ein paar Mal gemeinsam los gezogen. Zu Anfang haben wir alles geplückt, was uns irgendwie essbar vorkam. Bärlauch kannten wir schon vom Marktstand her. Den mussten wir nicht erkennen, nur finden. Da haben uns ganz lieben Kunden einen Tipp gegeben, wo wir ihn ganz bei uns in der Nähe pflücken können und das haben wir dann auch gemacht. Ab da hat es uns so richtig gepackt. Das große Sammelfieber brach aus. Bald schon war es mit dem Bärlauch vorbei. Er fing an zu blühen. Damit einhergehend wurden seine Blätter immer härter und ungenießbar, irgendwie metallisch schmeckten sie nun. Wir mochten ihn nicht mehr essen. Besser war das wohl. Also war kein Bärlauch mehr. Hm. „Dann gehen wir halt was anderes sammeln. Da draußen wächst schließlich mehr als genug.“ bemerkte der Vogel lakonisch. Ich nickte zustimmend und hörte sofort auf zu schmollen. Bald darauf durchstreiften wir erneut den Wald und ernteten verstohlene Seiteneblicke von Gassi Herrschaften und Spaziergängern. Muss ja auch komisch aussehen, wenn eine Frau mit nem Vogel in den Büschen hockt, Blätter zwischen ihren Fingern zerreibt und an ihnen riecht, bevor sie sich die Blätter in den Mund steckt und plötzlich „Ui.“ oder „Ääh.“ oder „Vogel! Das musst du probieren!“ ausruft. Ja, ich sehe; Das kann einem schon mal komisch vorkommen. Uns war es egal. Immerhin lernten wir auf die Art Gundermann, Storchenschnabel, und Giersch kennen. Später kamen noch erbsig schmeckende Zaunwicke, Ehrenpreis, Waldsauerklee und Vogelmiere hinzu. Das erste allerdings, dass wir zu jener Zeit pflückten und das uns allein vom Geruch her bereits in Verzückung geraten ließ, war: Knoblauchsrauke! So was feines. Riecht wie sie heißt und schmeckt auch so. Allerdings auf eine zart liebliche und besonders milde Art und Weise. Wir waren begeistert. „Ach, Vogel“ sagte ich „Es wächst alles da draußen. Kostenlos von der Natur zur Verfügung gestellt und keiner will es. Dabei ist doch von allem mehr als genug da.“ Ich wurde ganz traurig. „Weißt du“ antwortete der Vogel. „Sei nicht traurig. Sie wissen es doch nicht. Sie wissen nicht, wie viel von allem da ist. Sie wissen ja nicht einmal, dass es da ist. Wir könnten es ihnen zeigen oder? Wir könnten darüber schreiben. Dann wüssten sie es und vielleicht bekommen sie ja dann auch Lust raus zu gehen und zu sammeln. Vielleicht werden wir ganz bald schon noch viel mehr Menschen da draußen treffen. Menschen, mit einem Vogel. Menschen, die wie wir in Büschen hocken und Blätter zwischen ihren Fingern zerreiben und daran riechen und „Ui.“ und „Ääh.“ rufen, während sie sich die Blätter in den Mund stecken. Keiner würde uns dann mehr komisch angucken.“ Der Vogel hatte recht.  So machen wir es.

Heute war es schließlich soweit. Wir gingen in den Wald und wir hatten ein Ziel. Goldnessel. Sieht in etwa aus wie Brennessel hat allerdings ganz hübsche gelbe Blüten. Vor ein paar Wochen entdeckten wir sie zum ersten Mal. Das kann doch keine Brennessel sein, dachten wir. „Fass mal an.“ fiepste der Vogel. „Fass doch selber an.“ fiepste ich zurück. „Na, jetzt mach schon!“ drängte der Vogel. „Hach.“ stöhnte ich, die Augen verdrehend.“ Ja, ja. Der allseits bekannte HasenVogel. Eine besonders selten vorkommender kleine Spatzen Art.“ „Spatz?“ Jetzt guckte er ganz böse und wandte sich beleidigt ab. Vergnügt schürzte ich die Lippen, konzentrierte mich wieder auf die Goldnessel. Ich überlegte, wog den Kopf dabei abschätzend hin und her und dann griff ich einfach zu. Ich schnappte nach einem Blatt, bis die Lippen zusammen. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass der Vogel heimlich guckte. Da brannte nix. Erleichtert atmete ich aus. ich zerrieb das Blatt und roch daran. Roch gut. Der Vogel war mir mittlerweile wieder auf die Schulter gehüpft. „Probieren, probieren.“ „Jaha.“ Ich probierte. Lecker. “ Schmeckt irgendwie süß aber auch ein bisschen herb. Ui. Die Blüte. Schmeckt ganz süß. Tooll.“ “ Ich will bitte auch mal.“ Der Vogel war genauso begeistert. Echt lecker diese Nessel. Der Streit war vergessen und nun war Pfingsten und wir waren gemeinsam unterwegs zu der bekannten Stelle im Wald, an der sie blühte. Wir plückten ganz viel. Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die Stille des Waldes und als wir wieder zu hause ankamen, da hatten wir dann auch richtig Hunger auf unsere große Beute. Der Vogel machte es sich auf dem Balkon bequem, während ich mich in die Küche zurück zog um einen einfachen

Pfingstsalat mit Maiwirsing und Goldnessel zuzubereiten:

IMG_20150525_162827_0

Ich nahm, was der Kühlschrank bzw. der Vorratsschrank noch so her gab. Das war:

  • ein kleiner Maiwirsing
  • ein Fenchel
  • ein Fingerrettich
  • eine Zwiebel
  • ein paar grüne Oliven
  • Goldnessel Blätter und Blüten

Maiwirsing ist ganz zart. Den kann man wunderbar als Salat essen. Das schmeckt herrlich frisch und mild Würzig. Der Fenchel wurde ganz fein geschnitten, die Zwiebel wurde noch feiner gewürfelt. Den Rettich habe ich geraspelt. Der ist ansonsten schon ganz schön scharf, wenn man den so kompakt,im Ganzen, isst. Zumindest, wenn er frisch ist. Leider hatte ich kein Rettich Grün mehr. Das kann man nämlich ebenfalls mit den Salat geben. Eignet sich ganz toll zum drunter mischen. So, für sich allein genommen schmeckt es uns allerdings zu intensiv. Geschmackssache. Dafürg ab es jetzt ganz viel von der Goldnessel mit dazu. Die Oliven habe ich hinterher mit drunter gemischt. Das Dressing war unsere universal Salat Sauce. Die wird nicht extra angerührt. Da gibt man die einzelnen Zutaten Pi mal Daumen über den Salat. Die Kräuter variieren meist von Salat zu Salat und hinterher wird dann einfach alles gut durchgemengt. Fertig. So gerät jede Sauce zum Unikat.

Dressing:

  • Hefeflocken, eine Zitrone plus Abrieb, ein Schuss Apfelessig, Agavendicksaft

Das sind die Grundzutaten. Die werden schlicht nach Gefühl über den Salat gegeben. Wir nehmen gerne einen großzügigen Schuss vom Agavendicksaft und von den Hefeflocken kann man eigentlich auch nicht zuviel nehmen…

Dann kam noch dazu:

  • getr. Thymian, getr. Oregano und etwas gemahlener Anis, sehr lecker

das Ganze ebenfalls nach Gefühl verwenden. Anis verwenden wir eher sparsam, weil es so intensiv ist. Wohldosiert ist das Geschmackserlebnis jedoch einzigartig. Nun alles gut vermengen, mit dem Löffel, dem feinen Salatbesteck oder ganz ordinär Handwerklich mit den Händen.

Das war es schon. Kreative Resteverwertung zum Feiertag, plus selbst erlegtem Wildkraut = Leckere Pfingsten.

 

Beim nächsten Mal würde ich die Blüten allerdings zum Schluss drüber streuen und nicht einfach wild mit dem Rest vermengen. Das Augen ist schließlich auch mit.

Dem Vogel und mir hat es trotzdem geschmeckt, sehr gut sogar.

zum Ausklang gibt es nun noch eine kleine Wildkräuter Galerie. Leider vorerst ohne Goldnessel, denn die ist ja nun bereits im Magen.

 

3 Kommentare zu “Neulich im Wald…Pfingstsalat mit Maiwirsing und Goldnessel”

    1. Oh, auf dem eigenen Grundstück…aus eigenem Anbau, sozusagen 😉 Na, da wünsche ich einen ganz vorzüglichen Appetit mit dem Goldstück 😀

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s