Maskerade.

Maskerade

Es war exakt 21.21 Uhr, als Dieser mich damals zum ersten und auch zum Letzten Mal geschlagen hatte. Kein traumatischer Moment. Ein besonderer. Damals habe ich ihn natürlich gehasst. Für immer und ewig… Bestimmt drei Wochen lang. Rückblickend denke ich eher, Er war ja Da. Er wollt ein Guter sein. Ich erinnere mich nicht einmal mehr an den Grund…Ich war nicht soo schlimm, damals. Aber ich war halt auch nicht all zu leicht, zu Handhaben. Wie so viele von uns, denke ich. Vögel wollen halt lieber fliegen.

Die Uhrzeit hingegen. Die weiß ich noch. Die ist irgendwie hängen geblieben. Und dieser eine Satz, den er dabei sagte, dass ich aussähe wie ein Clown, mit all dem Scheiß Zeug im Gesicht. Das ist ebenfalls hängen geblieben…

Dienstagmorgen.

Der Wecker geht um 4.04Uhr. Eigentlich…Die Sonne kitzelt mich wach. Scheiße! Der Bus. Weg. Seit drei Stunden! Neun Uhr, verdammt. Das Telefon… ist aus. Ausgegangen, scheiße! Ich greife nach den Klamotten von gestern, versuche zu retten was zu retten ist. Zwölf Minuten bis zum nächsten Bus…Machbar!

Sitze dreizehn Minuten später keuchend im Bus, presse meine glühenden Wangen an die kühlende Fensterscheibe, fluche innerlich, dass das doch nicht gesund sein kann. Immerhin. Ich denke. Wische mir den restlichen Schweiß aus dem Gesicht und versuche gleichzeitig den Schwindel wegzublinzeln. Werde argwöhnisch beobachtet. Ignoriere es. Keine Zeit für Peinlichkeit. Krame ich  meiner Tasche nach dem Telefon…Vergessen. Schon wieder Scheiße!

Leere in fünf Minuten anderthalb Liter Wasser, denke dabei sehnsuchtsvoll an Kaffee, schließe die Augen und versuche mir krampfhaft vorzustellen, es sei Kaffee. Wünsche mir zum ersten Mal in meinem Leben ich wer…Wer, wie Uri Geller. Oder Barista oder einfach tot. Merke, dass ich noch immer beobachtet werde, frage mich ob es denn wirklich soo schlimm sein kann.

Lehne mich dann im Sitz zurück und versuche so etwas wie Entspannung zu erlangen, indem ich mich die restliche Fahrt über voll und Ganz auf meine Atmung konzentriere. Spreche flüsternd Brot, weil Wörter mit „O“ entspannend auf den Körper wirken sollen. Merke, kurz darauf, dass ich dringend mal aufs Klo müsste. Höre sofort auf mich entspannen zu wollen. Toll!

Komme endlich am Marktstand an, renne jedoch vorbei, winke aber freundlich, während ich Tut mir Leid brüllend, Richtung Toilette davon eile…Schaue dort zum ersten Mal in den Spiegel! Denke wieder, dass DAS nicht! gesund sein kann. Auf dem Klo kommt mir der Gedanke, beim nächsten Mal auf jeden Fall langsamer zu machen, Selbstachtsamer zu sein. Schüttle den Kopf…Wie jedes Mal.

Binde achtlos die wirren Haare zu einem Knoten. Die Frau im Spiegel streckt mir amüsiert die Zunge entgegen. Entschlossen zeige ihr entnervt den Stinkefinger und eile zurück zum Stand…

Erst jetzt, hinterm Stand, tausend Entschuldigungen stammelnd merke ich, dass bereits Ersatz da ist. Wir konnten dich nicht erreichen. Umsonst abgehetzt. Oh, man.

Meine Kollegin reißt mich sofort an sich und presst mich eine gefühlte Ewigkeit lang energisch an ihre Brust. Hauptsache es geht dir gut. Du musst am Hof anrufen. Liebe… Mein Puls normalisiert sich schlagartig. Sie drückt mir ihr Telefon in die Hand und schickt mich weg. Kaffee. Danke. Rufe am Hof an und gebe durch, dass ich noch lebe. Ich könne wieder Heim fahren. Aha. Denke an alles, was ich in den letzten Neunzig Minuten durch gemacht habe und lehne dankend ab. Hole mir endlich beim Bäcker DEN ersten Kaffee. Gemeinsam suchen wir noch einmal Zuflucht in der miefigen, engen Kabine. Auf dem Klodeckel sitzend trinke ich ihn, den ersten Kaffee und fühle mich wie eine Königin. Entspannung.

Ich wasche mir das Gesicht. Die Frau im Spiegel zwinkert mir zu. Ich grinse zurück. So ist es. Warum nicht genießen. Gehen wir den Leuten ihr Gemüse geben. Das tun wir. Und wie. Es ist wie beinahe wie immer nur irgendwie Besser und als Einer sagt, sie sehen heute aber gut aus, da ist alles zu spät…

Zu Hause, im Bad. Ich betrachte den wirren Knoten auf meinem Kopf. Der Vogel macht es sich darauf gemütlich. Beide blicken wir neugierig auf das nackte Gesicht im Spiegel…Vielleicht, sage ich schließlich, vielleicht hat der Clown jetzt erst einmal Pause…Er nickt.

Es ist 16.16 Uhr


11 Kommentare zu „Maskerade.“

    1. Ja, manchmal… Das ewige Dilemma zwischen Authentizität und Reiz 😉
      Ich mache weiter, so oder so. Trotzdem denke ich gerade, dass dein Kommentar das Herzklopfen und die unruhige Nacht wert war.
      Es geht ja gar nicht darum, dass es jemandem gefällt, eher darum, dass es Einem gefällt den und dessen Meinung ich sehr schätze…
      Man, dafür habe ich jetzt ganze zehn Minuten gebraucht. Sagenhaft.
      Eigentlich will ich ja auch nur, Danke, ich freue mich sehr, sagen 😉
      Vogelbunte Grüße

      Gefällt 1 Person

      1. Ok … Sagenhaft .. Sprachlos, oder doch nicht. Schreib einfach weiter hinter, hinter oder vor der Maske. Ich freu mich drauf. Lieber Vogel bunter. 🙂
        Auch wenns mal 10 Minuten braucht 🙂

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  1. Geliebte Jeniffer,

    Lachend aha Schadenfreude bha die reine Egoregung
    Triumpf der Königin der Unterwelt Gremelin mit Name erheitert na ja
    Stimm klar durchschaut Er redet viel und gern
    Bei so viel Sprachlosigkeit in der Welt
    Ihm Offenheit Vertauen wohl gefällt
    Der Täter hat ein Recht auf das Nein des Opfers
    So
    Du hasts getan Glückwunsch
    Ich auch
    Joachim einst von einer Ihr sprachlich Geschlagener

    Gefällt 1 Person

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