The sound of music…Eine Liebeserklärung mit Playlist.

 

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Sonntag. 03.14Uhr. Es könnte genauso gut 23.12Uhr sein. Es könnte Regnen oder auch nicht. Die Waschmaschine könnte im temporären Stakkato immer wieder, an das Fenster trommeln. Erst laut, wieder still. Nichts könnte geschehen. Dem Fenster wäre es schnurz. Ob 05.18Uhr oder 18.10Uhr. Sonntags. Zeit misst sich hier nicht. Hier misst sich nur der träge Geruch von Kaffee, an der gähnenden Leere der Straßen. Vögel singen in das Blau der Stunde hinein. Wohlige Geräusche erklingen. Kein Geplärre. Kein Gehupe. Stattdessen. Der Klang von Farbe. Blau. Eine ruhige Farbe. Kühl und doch einladend. Weit und Raum gebend. Die Gedanken, hier haben sie Platz. Sie können sich beliebig strecken und ausdehnen oder sie können still da sitzen und lauschen. Nun ist es Herbst. Das leise Singen der Vögel erhebt sich. Es mischt sich mit den letzten Klängen der herabschwingenden Blätter. Vertrocknetes Laub, der Wind und ein paar verirrte Vögel. Ein Tageskonzert im Herbst, denn ansonsten bleibt es ruhig. Ob 03.14Uhr oder 14.03Uhr. An einem Sonntag im Herbt bleibt’s einerlei.

Die ruhigen Klänge locken mich an diesem Sonntagmorgen. Ich gehe laufen. Tatsächlich. Ich tue es zum ersten Mal, seit langer Zeit und ich tue es ohne Player. Ich mag die Stille dieses Morgens nicht durchbrechen. Der Lauf fällt natürlich unsagbar schwer, nach so langer Drückebergerei . Mein keuchender und fluchender Atem stört alsbald das Stimmungs- Konzert. Sei’s drum. Ich laufe einfach immer weiter. Der Gesang der Vögel, das plätschern des Baches, meine raschelnden Schritte auf dem trockenen Laubboden. Das Konzert wird lauter. Es fängt mich ein. Volltönend überdeckt es das Ächzen und Keuchen. Ein Paukenschlag. Dann das große Finale. Schwer asthmatisch breche ich schließlich vor meiner Haustür zusammen doch ich bin glücklich und auch ein bisschen stolz. Nun gut. Jeden Sonntag brauche ich diese Erfahrung jetzt nicht. Aber an diesem Morgen hab ich mich halt packen lassen, von den Herbst Klängen.

Musik. Dieses seltsam zeitlos, schöne Ding. Sie bewegt, sprichwörtlich, wortwörtlich. Bei einem guten Song, da kann man nicht lange still sitzen. Der Fuß beginnt zu wippen, da, ein leichtes Nicken. Ein kleines Fingerschnippen. Es folgt, nichts weiter. Doch oftmals, hat sie ihre energetischen, kleinen Fingerchen erst einmal nach einem ausgestreckt, packt sie  sogleich kraftvoll zu und wirbelt einen gehörig durcheinander. Entweder packt einen der Rhythmus oder der Text, die Stimme, manchmal elektrisiert alles zusammen und dann folgt die ganz große Tanznummer, ein Staubsauger Duett. Ein, im Supermarkt, unauffällig, nach rechts und links spinksender Blätterteig Tango… oder eine herzzerreißende Bügelbrett Arie. Das Spülbürstenphon, da ist es wieder. „Keep talking, whoa, keep talking“. Die Küchenschaft rastet aus. Tosender Applaus. Grande Finale und dann, ist es so plötzlich vorbei, wie es begonnen hat. Die Musik verebbt und das Bürstenphon verwandelt sich  wieder in einen ollen Putzlappen. Nur das Lächeln, das bleibt noch einige Zeit… Den Thekenhockern mag das gar fremd klingen, den Thekentänzer hingegen wohlbekannt.

Als Kind habe ich in meiner Freizeit oft Stundenlang einen Volleyball an die nahe gelegene Schulwand geschmettert. Sogar im Regen. Unaufhörlich schepperte dabei die Titelmelodie von Mila Superstar durch meinen Kopf. Das war mein Ansporn. Da war dieser Ehrgeiz. Ich wollte nicht aufgeben. Ich wollte diesen verfluchten! Ball unsichtbar werden lassen, genau wie Sie… Hat nicht funktioniert! Doch, den Ball will ich heute noch gegen die Wand schmettern, sobald ich den  Song höre.

Ich mich, wie ich, damals, auf dem Wohnzimmerboden sitze, um mich herum herrscht das reinste Chaos an Schallplatten und CDs. Ich setze die hässlichen, übergroßen, gelben Kopfhörer auf und dann ab dafür. Stundenlang: „Ute, Schnute, Kasimir“, „Lollipop“, „Verdammt ich lieb Dich.“, „Black Velvet“. Da wurde durch die Wohnungen getwisted und geshoutet als gäbe es nichts schöneres auf der Welt. Musik. Auf Schulfahrten, bei Nachtwanderungen, In den Ferienfreizeiten. „Von den blauen Bergen kommen wir.“ Immer wurde gesungen. Früher hat meine Oma jeden Abend an meinem Bett gesessen. Sie hat in der Dunkelheit gesessen, meine Hand gehalten und sie gestreichelt, während sie mir „Heile, heile Gänschen“ vorgesungen hat. Kindern singt man etwas vor, um sie zu beruhigen und um sie in den Schlaf zu wiegen… Morgen wird alles wieder gut. Solche Frühkindlichen Erfahrungen prägen. Nicht nur mich. Vielleicht spielt die Musik deshalb eine so dominante Rolle im Leben vieler. Die Klänge sind da, von Anfang an. Sie begleiten uns ein Leben lang. Selbst, wenn wir gehen.

Auf der Arbeit singen und summen meine Kollegen und ich oftmals schon während des Aufbaus. „Ein schöner Tag“, „Du bist nicht allein“, „Tell me quick. Ain’t that a kick…“. Ja, seltsam. Manchmal hat man einfach diese Ohrwürmer. Man weiß nicht woher sie kommen aber sie sind uns, in jedem Fall, sehr willkommen. Mit Musik im Kopf arbeitet es sich  leichter. Die Musik beruhigt uns, während wir die schweren Kisten schleppen und uns vielleicht doch noch ein wenig nach Bettwärme sehnen. Wir singen und summen uns gegenseitig Mut zu. Das verbindet. „Die Gedanken sind Frei.“ Die Stimmung ist gut. Wir sind ein Team. Aus dem anfänglichen „Leidenssummen“ wird im Laufe des Tages meist ein „Genuss Singen“. Wir haben schlicht Spaß.  Wenn ein Kunde übertrieben meckert, singt mein Kollege mir oft, grinsend, entgegen: „Du bist immer so negativ, machst alles kaputt.“ Ja, da kommt Freude auf!

Eine Kundin hat tatsächlich einmal unseren Stand besungen, gemeinsam mit einem meiner Kollegen. „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“. Es entstand einfach so, aus des Moment heraus. Einer fing an und der andere stimmte mit ein. Herrlich. So etwas erlebt man nicht jeden Tag und nun ist dieses Musikstück für immer mit dieser charmanten Kundin verbunden…

Ja, Musik schafft Verbindungen. Erinnerungen. Da sind singende Kundinnen. Da ist Freundschaft, Selbstmitleid,Liebeskummer. Da sind Gemeinsam durchzechte Nächte. Wir singen und wir tanzen. Es sind Nächte, die niemals enden. Verschwitzt und versunken steht man auf der Tanzfläche, selbst dann, wenn alle anderen bereits gähnend, nach Hause wollen. „Are you gonna be my girl?“. Die Musik lässt dich nicht los. Die Woche entlädt sich. Jeder Frust verwandelt sich in solchen Momenten in pure Lebenslust. Klänge. Leidenschaft. Ausdruck. Andere stricken oder hauen gegen Sandsäcke…Jedem das Seine.

Egal ob man gerade manisch beschwingt, durch die Welt schreitet oder ob man in seinem eigenen Elend liegt, sich die Bettdecke über den Kopf zieht und ungewaschen dahin siecht. Musik hilft. Meistens. Manchmal braucht man die Stille, den leeren Raum. Manchmal braucht man die Musik, selbst, wenn sie zu Tränen fließen lässt, selbst wenn sie schmerzhaft an unser kleines Herzchen fasst. In Momenten, in denen die Tränen, in Sturzbächen, das Gesicht nur so runter kullern und auf die Schokoladen verschmierte Bettdecke tröpfeln, gerade da, hat Musik auch etwas befreiendes. Ein Druck entlädt sich. „Don’t stop believing“ Die Musik spricht, wo eigene Worte fehlen. Manche Lieder bewegen so tief, wie es kaum ein anderer Mensch zu tun vermag. Lachen. Weinen. Tanzen. Von einem Moment auf den nächsten. Plötzlich geht es los und du kannst nichts dagegen tun. Ab und an ist es ein langsamer Tanz oder einer den man gar nicht sehen kann, einer der sich nicht in Tanzschritten misst. Schumanns Träumerei. Klänge die tief in das Herz hinein greifen. Ein Schalter legt sich um.  Das Klavier erklingt, zart, die Zeit, scheint still zu stehen und man weiß gar nicht recht, warum? Doch es geschieht etwas. Mir erschließt sich diese Kraft nicht. Muss sie auch nicht. Ich weiß um ihre Existenz. Das reicht mir. Nicht jede Musik kann man jederzeit hören. Beim Waldlauf habe ich mich einmal beinahe überschlagen als nach Rammsteins, „Du hast“plötzlich Mozarts „Kleine Nachtmusik“ in meinem Ohr erklang. Der Übergang war einzigartig. Beschwingten Schrittes wollte ich den nächsten Spaziergänger an mich reißen und leichtfüßig mit ihm über den Waldboden hopsen. Herrlich. Manchmal ist es nicht lustig. Lieder, die unangenehme Erinnerungen wecken, die will man nicht hören, nicht, während man gerade die passende Margarine aussuchen will und auch nicht, während man sich gerade, mit den Mädels für die beste Party seines Lebens zu Recht macht. Schumann würde ich da wohl auch nicht hören wollen. Manche Musik will halt wohl dosiert sein und gerne auch bewusst genossen werden. Manch einer mag das anders sehen. Über Geschmack besteht kein Konsens, auch nicht in der Musik. Was den einen rührt, klingt dem anderen fremd. Ich habe eine Freundin, die hört grundsätzlich nur Karnevalsmusik und Kölsche Lieder. Diese Lieder sind für sie quasi Schumann, „Heile, heile Gänschen“ und Rammstein in einem…Es kann nur mit der Biografie zusammenhängen. Jeder hat seine eigene Musikbiografie. Jeder hat eine Musikgeschichte.

 

Jeden Freitag verlasse ich morgens um vier das Haus. Vor mir liegt die ein dreißig Minütiger Fußmarsch, hoch zur Straßenbahn Linie 4. Niemand beneidet mich darum. Warum eigentlich nicht? An keinem anderen Tag in der Woche, fließen die Gedanken so frei und lebendig wie an jenem Tag, an dem ich bereits morgens, die Arme ausbreitend, inbrünstig nach „Mama“ rufe und meinem Speck Richtung Bahn schüttele oder, an dem ich schweigend durch die schlafenden Straßen husche. Die Gedanken. Hier haben sie Platz. Sonntags Stille. Auch an einem Freitagmorgen ist  sie spürbar und sie setzt eben soviel Energie frei, wie ein gutes Livekonzert. Die Musik. Ein Abenteuerland. Ganz so, wie das Leben selbst.


Alle Links auf einen Blick
Die Playlist: 
Johnny Cash - Get Rhythm
Nina Simone - Don't Let Me Be Misunderstood
Tina Turner - Proud Mary
Chicago The Musical - Cell Block Tango
Die Muppets - Habanera
Grease - Greased Lightning
Bryan Adams - Summer Of 69
Mila Superstar - Intro
Ute, Schnute, Kasimir
Chordettes - Lollipop
Matthias Reim - Verdammt Ich Lieb' Dich
Alannah Myles - Black Velvet
Chubby Checker - Let's Twist Again
The Isley Brothers - Shout
Kinderlieder Sternschnuppe - Von Den Blauen Bergen Kommen Wir
Roy Black & Anita - Heile, Heile Gänschen
Joan Baez - Hush Little Baby
Etta James - At Last
Diebels Intro - Ein Schöner Tag
Roy Black - Du Bist Nicht Allein
Dean Martin - Ain't That A Kick In The Head
Cinderella - The Work Song
Trude Herr - Morgens Bin Ich Immer Müde
Die Gedanken sind Frei
Jürgen Von Der Lippe - Du Bist Immer So Negativ
Das Dschungelbuch - Probier's Mal Mit Gemütlichkeit
Herbert Grönemeyer - Selbstmitleid
Usher - Yeah!
Jet - Are You Gonna Be My Girl
Westernhagen - Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz
Michael Sembello(Flashdance O.S.T.) - Maniac
Lady Gaga - Gypsy
3Doors Down - Kryptonite
Lady Gaga - Hair
From Bridget Jones - All By Myself
Journey - Don't Stop Believin'
Die Ärzte - Zu Spät
Robert Schumann - Träumerei, Kinderszenen (Op.15)
Camille Saint-Saens - Karneval Der Tiere (Schwan)
Rammstein - Du Hast
Mozart -  Eine Kleine Nachtmusik
Aretha Franklin - I Never Loved A Man
Magic Mike XXL - I Want It That Way
Brings - Superjeilezick
Bläck Föös - Du Bes die Stadt
Whitesnake - Here I Go Again
Queen - Bohemian Rhapsody
Peter Fox - Schüttel Deinen Speck
Feder feat. Lyse - Goodbye
Deichkind - Remmidemmi
Pur (Live Auf Schalke) - Abenteuerland
Frank Sinatra - That's Life
Elvis Presley - Always On My Mind
Bonustrack: Ladies Special

Auf dem Bild oben zu sehen: Andreas Lehner. Einer der Welt besten Elvis Imitatoren, der bereits seit Jahrzehnten die Herzen der Ruhrpott Damen zum schmelzen bringt. Mein Onkel.

 

 

 

15 Kommentare zu “The sound of music…Eine Liebeserklärung mit Playlist.”

  1. Erstmal Glückwunsch zu deinem Onkel Elvis. Ich finde, du könntest ihm bei Gelegenheit mal einen Wikipediaeintrag widmen. Der fehlt nämlich noch. Dein Text voller Musik ist eine hübsche Idee. Es hat dich sicher viel Zeit gekostet, all die Musik herauszusuchen und zu verlinken. Entsprechend lange war ich heute in deinem Text unterwegs. Der letzte Abschnitt hat mich besonders angesprochen. Dein unfassbar früher Aufbruch freitags und dass du dann schon von Musik erfüllt bist. „Schüttel deinen Speck!“ – dabei erinnere ich mich gern an eine Kur am Starnberger See, wo ich im schönsten Sommer nach einem Infarkt mit den Liedern von „Stadtaffe“ meine Zuversicht und Lebensfreude wiederfand. Auf einer Liegewiese oberhalb des Sees, mich faul im Liegestuhl fläzend, die Ohrstöpsel meines mp3-Players im Ohr, hörte ich Peter Fox Debüt-Album rauf und runter.
    Dass ihr während schwerer Arbeit gemeinsam singt, erinnert mich irgendwie an eine Sprachentwicklungstheorie, die davon ausgeht, dass man als Ursprung der Sprache gemeinsam rhythmisch sang, um etwas zu wuppen wie etwa einen Baumstamm.
    Derweil ich am Rechner sitze, höre ich fast immer Radio per Computer. Als ich noch kiffte aber nicht. Da hörte ich beim Schreiben eine magische Musik in meiner Tastatur und glaubte fest daran, sie gerate mir in meine Texte. Inzwischen glaube ich, das war Quatsch.
    Herzliche Grüße, du liebe Frühstaufsteherin!

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    1. Hallo, Du Lieber Jules. Guten Morgen. Einen Infarkt hast du gehabt? Wann war das denn? Du faszinierendes Wesen. Mir scheint, du hattest bisher ein durchweg bewegtes Leben. Menschen, die Peter Fox rauf und runter hören, während das Leben seine Wellen schlägt, gegen die wir machtlos sind…Es muss eine intensive Zeit gewesen sein. Wie schade, dass wir uns damals noch nicht kannten. Ich hätte dir gerne ein paar Lieder geschickt und mit dir gemeinsan „Hau – Ruck“ gerufen. (Tatsächlich habe ich vor kurzem über die Sprachtheorie gelesen, auch über die Spirituals der Sklaven, deren Leid damals, natürlich oftmals, in keinem Zusammenhang mit unseren heutigen „Leiden“ steht.)
      Ich entnehme deinen Worten, dass die Musik auch in deinem Herzen einen festen Platz hat? Hier ist Musik und Tanz alles. Egal ob morgens um vier oder abends um zehn. Ja, der Beitrag hat mich einige Zeit gekostet aber ich war so lächelnd und laut lachend versunken, dass es mir wie Sekunden schien. Alle Lieder, die ich verlinkt habe bedeuten mir viel.
      Dass du magische Musik gehört hast fasziniert mich, Jules. Es amüsiert mich beinahe ebenso wie die Tatsache, dass du gelegentlich „Hack“ gegen Wände schmeißt und es kuriert mich endgültig davon, jemals Kiffen zu wollen 😉 Erschreckend! Ich glaube auch, dass das „Quatsch“ war.
      Ach, toll. Danke, dass du dir soviel Zeit genommen hast für meinen Beitrag. Dein, mit Erinnerungen gespickter Kommentar, scheint mir ja glatt einen eigenen Beitrag wert, spannend. Du.
      Bitte, fühl‘ dich herzlich umarmt.
      Ich danke dir.
      Schönen Tag!

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      1. Ach, du liebes junges Weib! Leider leben wir nur scheinbar in der gleichen Zeitzone, so dass wir uns vor 3 ½ Jahren nicht hätten kennen können. Ein Jahr später erwischte es mich nochmal. Ich sollte also eigentlich längst tot sein, mache aber einfach weiter, jetzt wesentlich gelassener. Vor allem bin ich inzwischen bereit, gewisse Grenzen zu akzeptieren. Ich genieße den Gedankenaustausch mit dir über Zeit und Raum hinweg und finde ein gemeinschaftliches digitales Hau-Ruck und derlei Umarmungen in der Vorstellung wunderschön, ohne zu wünschen, das zu toppen. Jetzt also der „eigene Beitrag“:
        Tatsächlich war mein Leben bewegt, nachdem ich den geschützten Bereich von Familie und Schuldienst hinter mir hatte. Mit etwa 48 dachte ich bereits, jetzt käme nichts Neues mehr. Ich hatte mich geirrt. Fünf reichlich schräge Beziehungen in zehn Jahren sprengten nach und nach mein beschauliches Leben und ließen viel Neues entstehen. Nachdem ich 25 Jahre als Sportler nicht geraucht hatte, fing ich wieder an, auch erst dann zu kiffen. Die Quittungen dafür habe ich schon bekommen. Darum fang du erst gar nicht damit an, liebe Jennifer. Tatsächlich dachte ich eine Weile, dass ich kiffen müsste, um schreiben zu können, um meine Kreativität anzuregen und meine Selbstkritik zu zügeln. Ich hätte zu dieser Zeit nie lange nachdenken müssen, um etwa diesen Kommentar zu schreiben. Er wäre einfach aus der Musik meiner Tastatur entstanden, aber auch unwägbar eigenwillig gewesen. Inzwischen weiß ich, dass es auch anders geht – mit mehr Überlegung und Musik – des flämischen Senders Studio Brussel.
        Ich muss schmunzeln, dass du dir unseren HACK-Wurf angeschaut hast. Die Akteure kennst du ja aus meinen Texten. In Hannover lebe ich schon immer in der falschen Zeitzone. Als auch meine zweite Beziehung in Hannover gescheitert war, stand ich da und kannte hier niemanden. Damals hatte ich gerade ein Buch über meine Lesereise mit dem Rad von Hannover nach Aachen herausgebracht. Da schrieb mir jemand, er wolle sich das Buch bei mir abholen, um das Porto zu sparen. Er wäre nämlich Student, habe wenig Geld, aber Zeit herumzulaufen. Das war Herr Leisetöne. Seither sind wir befreundet und über ihn kenne ich viele andere, beispielsweise den Musiker Filipe d’Accord, der eigentlich Doktor der Quantenphysik ist, mit dem ich schon dreimal gemeinsam aufgetreten bin. All diese jungen Männer könnten meine Söhne sein. 😉 Auf der Silvesterfete im letzten Jahr, wurde ich bereits als der Alterspräsident begrüßt (von etwa einhundert Leuten). Soweit mein „Kurzbericht“

        Ich drücke dich herzlich und wünsche dir einen beschwingten Feierabend voller Musik,
        Jules

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      2. Oh, Du Lieber. Wie viel Zeit du dir genommen hast,mir zu antworten. Vielen Lieben Dank, für diese „kurze“ Zeitreise. Krankheit als Chance, darüber hatten wir uns ja bereits kurz unterhalten. Du verstehst es wohl nur zu gut, wenn du sagst, dass du nun gelassener durch den Tag schreitest. Der Mensch hat Grenzen. Sie überhaupt zu kennen, zu akzeptieren und auszuloten, halte ich für eine hohe Kunst. Ich hab da schon so einige, stursinnige, Zwiegespräche geführt 😉
        Selbstkritik ist hier wohlbekannt. Ich halte keinen meiner Texte für wirklich gut aber was ist schon „gut“? Für einen Tipp, der jenseits des Kiffens liegt wäre ich durchaus offen 😉
        Die verrückte Geschichte deiner Lesereise, sowie die
        amüsante Geschichte deiner Begegnung mit Herrn Leisetöne kannte ich bereits und fand sie im ersten lesen ganz zauberhaft originell. Als ich 2012 nach Schlebusch zog kannte ich fast niemanden hier. Doch, da ich heute (Donnerstag) den Luxus habe quasi direkt vor meiner Haustüre zu arbeiten kenne ich mittlerweile das halbe Dorf, was ich an den meisten Tagen als sehr angenehm empfinde. Doch, ich kann nachvollziehen wie schwer es ist, wenn man erst einmal niemanden hat, bei dem man spontan rein schneien kann…Gleichzeitig birgt die Anonymität einen gewissen Reiz, besonders, nachdem man 80-100 Kunden bespaßt hat.
        Mich würd ja noch interessieren, was so schräg an deinen Beziehungen gewesen ist aber ich weiß nicht ob das vielleicht zu weit geht…? Wie gesagt, hier müssen die Grenzen bisweilen noch ausgelotet werden. Sei es der überschwänglich, neugierigen Jugend geschuldet, die es noch nicht gelernt hat sich in ihren Worten zurückzuhalten.
        Ich verneige mich schmunzelnd vor dem „Alterspräsidenten“, drücke ihn herzlichst zurück und wünsche ihm einen Tag, der voller Kreativität sein möge.
        Herzlichst,
        Jung Jennifer

        Gefällt 2 Personen

      3. Eines frag ich mich und jetzt auch diuch, meine Liebe: Wenn du direkt vor deiner Haustür arbeitest, warum musst du freitags so früh zur Bahn laufen?
        An deiner Schriftsprache ist nichts zu meckern. Ich fand sie anfangs in den ersten Texten, die ich gelesen habe, etwas zu hermetisch, jetzt aber nicht mehr. Tipps gebe ich nicht. Du musst mich schon konkret fragen. Ichbin ja soweieso kein Sprachpurist, sondern glaube an das Konzept des semantischen Schreibens, dass nämlich wer schreibt sich geistig emanzipiert. Bessser erklärt in diesem langen Text ziemlich weit unten, der am 15. verschwindet, weil Blog.de dann abgeschaltet wird: http://abcypsilon777.blog.de/2009/05/20/ohnmacht-federkiels-macht-tasten-6142736/
        Schreib du nur weiter so frisch und wohlgemut, ohne dich beeinflussen zu lassen. Dann ist es sowieso prima.
        Lieben Gruß
        Jules

        Gefällt 2 Personen

      4. Lieber Jules,
        Vielen lieben Dank für den Link.
        Ich arbeite auf verschiedenen Wochenmärkten. Freitags fahre ich mt der Straßenbahn einen Bogen über Köln, um auf den Refrather Wochenmarkt zu gelangen. Deshalb schrieb ich „(Donnerstag)“ in meinen Kommentar.
        Lieben Gruß zurück.

        Gefällt 2 Personen

      5. Lieber Lu,
        Wie schön, dass du eine persönliche Verbindung zu meinem Text herstellen konntest. Ich habe gerade dieses herrliche Verbundenheitsgefühl zu dir. Du verstehst mich, denn du weißt ja anscheinend selbst, um die Kraft der Musik, wie sie jede einzelne Zelle des Körpers durchdringen und in Bewegung versetzen kann. Ab und an schließe ich in auf dem Markt oder in im Bus einfach die Augen und lausche den Geräuschen. Da entstehen manchmal ganz einzigartige Klangfarben.
        Ich habe dir ja bereits geschrieben wie einzigartig ich die Beschreibung deiner Geburt fand.
        Ich hinterlasse dir hier mal schmunzelnd die Beschreibung meiner Geburt, im Sinne meines aller ersten Beitrags. Bei dem ging es nämlich, passender Weise, auch um Musik.
        https://rohvasbird.wordpress.com/2015/03/07/insalata-di-bruno-marso-fobstsalat-mit-karamellisierten-brotstuckchen/
        Danke, für deine ermutigenden Worte, Lieber Lu.
        Schönen Sonntag.

        Gefällt 1 Person

    1. Ja, Du Lieber. Die Playlistlist neu, entstammt aber der ursprünglichen Idee zum Beitrag. Zu einem Beitrag über Musik gehört doch eine Playlist oder? So sind die Links etwas strukturierter dargestellt. Ich hatte es vor der Arbeit nicht mehr geschafft sie zu erstellen. Geduld ist hier nicht die erste Tugend. Aber ich schätze, der Jugend verzeiht man so etwas 😉
      Schönen Tag!

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  2. So lange habe ich ja ewig nicht mehr an so einem kurzen Text gelesen. Ich glaube, es war „Die kleine Hexe“, die mich ebenso viel Zeit gekostet hat. Danke dir für diesen wunderschönen musikalischen Exkurs! 🙂

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    1. Marcus, du Lieber 🙂
      Ich freue mich, dass dir gerade mein kleiner musikalischer „Exkurs“ so gefallen hat. Hätte ich mir ja beinahe denken können. 😉
      Bitte fühl dich herzlichst von mir gedrückt (und von den anderen beiden Donnerstags Damen auch)

      Gefällt 1 Person

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