Geständnisse einer Marktfrau…Von Pendlern und Apfel Befühlern.

 

„Entschuldigung? Darf ich mal anfassen?“ Hä? Ich blicke auf.

Aus einem Reflex heraus, halte ich dem Kunden den Apfel hin. Den wollte ich eigentlich eben meiner letzten Kundin schenken. Die Frage irritiert mich ein wenig aber hier treten immerhin Leute an unseren Stand, die ziehen kleine Anhänger hervor,  mit denen sie den Biologischen Gehalt ausländischer Waren auspendeln. Rechts Dreh: „GUT“ –  links Dreh: „Kontaminations-Stufe ROT“. Ungenießbar. Vielleicht war es auch anderes herum. Ich habe es vergessen. Hauptsache der Kunde weiß es. Als vergangene Woche einer so an den Stand trat, sein Pendel zückte und damit die spanischen Bio Paprika, auf ihren Kontaminationsgehalt überprüfte, da reagierten einige der umstehenden Kunden leicht pikiert. Manche verstummten, andere starrten betreten in die Luft und rückten ein Stück vom Pendler ab. Mich rühren solche Aktionen eigentlich nicht mehr. Doch, hier ergriff mich eine leichte Panik. Das lag am Wetter. Es war an jenem Tag recht windig. Wind Böen fegten unablässig über unseren Marktstand hinweg. Das beunruhigte mich. Würde der Wind, an dieser Stelle, das Pendel Ergebnis nicht verfälschen? Konnte man an einem solchen Tag überhaupt zuverlässig, außer Haus, pendeln? Diese Fragen bewegten mich, doch ich hielt mich schweigend zurück, verfolgte den Vorgang mit stummer Besorgnis. Es folgte ein Links Dreh. „Gut“. Erleichterung, auf allen Seiten. Das Thema ließ mich trotzdem nicht los.

Am Ende des Marktages versuchte ich unter meinen Kollegen eine Diskussion anzuregen. Was sie denn meinen, wie es um den Wind Faktor bestellt sei, beim Pendeln? Müsse man den nicht in die Drehberechnungen miteinbeziehen? Verfälsche der Wind sonst nicht stark das Pendel Ergebnis? Über die Physikalischen Faktoren beim Pendeln wurden wir uns daraufhin leider nicht einig. Meine Kollegin Anne interessierte viel eher ob sich das Pendeln auch auf Menschen anwenden ließe? Das würde die Dinge ja bedeutend vereinfachen. Kurz über den Kopf gehalten: Links herum, „Gut“, rechts herum, „Ungenießbar“. Zack. Fertig. Besonders In der ersten Kennenlernphase wisse man schließlich nie genau, auf was für einem Charakter man sich da gerade einlasse. Da wehe es aus den Erzählungen gerne mal Heldenhaft herüber, doch hinter her rümpfe man die Nase, weil es schlicht nicht mehr als heiße Luft gewesen sei, die da herüber geweht kam. Der Kürbis nach zwölf. Verschwendete Lebenszeit. Ärgerlich. Ein vorbeugendes Pendel erscheine ihr da durchaus sinnvoll…

Generell gewann ich den Eindruck, dass meinen Kollegen hier die Dringlichkeit und der Ernst der Sache ein wenig abhanden gingen. Gut, mit der Physik ist nicht jedermann lieb Kind. Doch ich fand, meine Kollegen sollten an diesem Punkt, bitte schön, etwas mehr Anteilnahme  zeigen. Allein schon im Interesse des Kunden. Nicht auszudenken, wenn sich solch eine links drehende Paprika, im heimischen Nach-pendeln doch noch als rechts kontaminiert erweisen sollte. Nachher bringt uns der Kunde die Paprika noch erbost zurück, wirft uns gar vor, Wir  hätten die Pendel Situation absichtlich manipuliert. Da stünden wir  dann mit unserer Unwissenheit schön doof da. Außer Sprachlosigkeit hätten wir seinen Vorwürfen folglich nichts entgegen zu setzen. Unangenehm, solch eine Situation. Deshalb. Bezüglich der Pendel- Rahmenbedingen werde ich das nächste Mal auf jeden Fall noch mal nachhaken. Sicher ist sicher…

Ja. Die einen pendeln, die  Anderen liegen in kindlich, grotesker Kraul Pose über die halbe Theke gestreckt, wobei sie sich beinahe den Arm aus-kugeln, nur um selbst Hand anlegen zu können. An die Ware meine ich. Nur unter den bisweilen scharf beobachtenden Blicken des Kunden und unter Darbietung all seiner Körperkraft kann der Kunde sicher gehen, dass er auch wirklich das Beste vom Besten erhält. Sicher ist sicher… Ein wenig SB Leistung muss da schon sein. Ohne Fleiß kein Preis, sagt man ja auch. So ist es. Ohne Fleiß gibt es nämlich, von unzulänglich geschulten Verkäufern, nur Schund ins Gemüse Tütchen gepackt. Tatsächlich. Mit dieser Strategie stellen wir sicher, dass der Kundenfluss nicht unser selbstauferlegtes Arbeitspensum übersteigt. Immerhin werden nur zufriedene Kunden zu Stammkunden. Die kommen dann immer wieder. Der Stand füllt sich unübersichtlich mit Menschen. Keiner hat mehr Zeit auch nur kurz, in sein Brötchen zu beißen, geschweige denn in Ruhe zur Toilette zu gehen. Die Kundenschlange wird immer länger. Keiner weiß mehr so recht, wer als nächstes dran ist. Gemecker kommt auf. Plötzlich meint jeder der erste in der Reihe zu sein. Handgreiflichkeiten sind die Folge. Unerträglich so etwas. Solch eine Situation überfordert sowohl den Kunden als auch den Verkäufer. Wir müssen dem irgendwie Einhalt gebieten. Also packen wir, schweren Herzens, regelrechten Gemüse Mist in die Tüten. Das hält den Kundenfluss überschaubar. So kommen nur die wieder, die wirklich an Bio glauben. Das versteht sogar der Chef… So mancher Kunde behauptet zwar, dass die Verkäufer einen besseren Blick für die Ware hätten als er selbst und das immer nur das Beste in seinem Tütchen landen würde. Das ist bloß ein Gerücht. Es stimmt nicht. Solche Ergebnisse resultieren schlicht aus einer Unachtsamkeit des entsprechenden Verkäufers heraus. Einmal nicht richtig hingesehen und schon landet unverhofft, makellose Ware im Tütchen. Ärgerlich so etwas. Den Verkäufer nehmen Wir uns dann hinterher noch einmal ordentlich vor. Fehler passieren. Keine Frage. Doch dürfen sie nicht die Überhand gewinnen. Wir sind ein Team. Jeder von uns hat sich an den Plan zu halten. Sonst funktioniert es nicht. Sonst ist Chaos…Sollen die Kunden ihre SB Arbeit leisten. Die Verkäufer lehnen sich derweil entspannt zurück, beißen in ihr Brötchen und genießen die Show. Schnell wird noch ein Nümmerchen notiert. Nach Marktende vergleichen wir dann die Bewertungen. Meist gewinnen die, die es beim Wühlen schaffen selbst mit den Füßen vom Boden abzuheben und dabei eine mehr oder weniger gerade Linie zur Theke zu bilden. Ich würde zu gerne ein Foto zeigen aber ich bin ja leider immer mit Essen beschäftigt, wenn so etwas passiert…

Jedenfalls. Zurück zum Apfel Befühler. Gegen Pendler und SB Kunden wirkt der ja eher harmlos. Doch, wie ich ihm den Apfel so unvermittelt hinhalte, da blickt er amüsiert, da blickt er vom Apfel zu mir. Sein Blick wandert liebevoll an mir herauf und  „Nein…“ sagt er gedehnt und beugt sich mir ein Stück entgegen. Mit gedämpfter Stimme fährt er fort „Ihre Haare. Ich meine doch ihre Haare. Dürfte ich die mal anfassen? Sie haben so schöne Haare. Ich musste jetzt einfach mal…“ Schweigen. Damit habe ich nicht gerechnet. Unwillkürlich greife ich mir ans Haar. Meine Haare. „Moment.“ sage ich schließlich „Da muss ich nachfragen.“ Das haben sie uns in den Verkaufsseminaren immerhin nicht beigebracht. Ich eile also den Stand entlang, gelange zu meiner Tasche, fische das Telefon heraus und wähle die Nummer vom Hof. „Jenny. Was gibt’s?“ Judith, meine Vorgesetzte. Ungeduld klingt zu mir herüber, also komme ich direkt zur Sache. „Ja…“ sage ich. „Richtig. Hallo Judith. Ich bin es, Jenny. Entschuldige, wenn ich störe aber ich hab da mal eine Verkaufs-strategische Frage. Hier ist ein Kunde, der fragt ob er mal meine Haare anfassen dürfe, weil die so schön seien und ehrlich gesagt… Also ich weiß da gerade nicht, wie ich reagieren soll. Generell mag ich es überhaupt nicht, wenn mir jemand an die Haare fasst. Selbst meine Mutter würde mir nie ungefragt ins Haar fassen. Doch, mir ist durchaus klar, dass ich mich hier in einem professionellen Rahmen bewege. Ich werde schließlich dafür bezahlt Kundenfreundlich zu sein. Der Kunde ist König… Also, ich wollte einfach mal wissen: Wo ist hier die Grenze? Muss ich, als gute Verkäuferin, es zulassen, dass dieser Mensch mir an die Haare fasst? Gehört das mit zum Service? Ich bin da gerade ein wenig Ratlos“ Kurze Stille. Meine Kollegen schauen immer wieder fragend zu mir herüber. Dann: „Sieht er denn gut aus?“ Ach, bitte. Ich blicke auf den älteren Herrn, der sich am anderen Ende des Standes verlegen am Kopf kratzt. „Na ja.“ Antworte ich wahrheitsgemäß. „Eher älteres Semester.“ Die jüngeren würden so etwas nie fragen. Die trauen sich nicht. Sollte das Aussehen hier wirklich eine Rolle spielen? Na ja, sie meint es wohl nur gut. „Stammkunde?“ hakt sie nach. „Nö. Kenne ich nicht.“ – „Dann sag: Anfassen erst ab einem Warenwert von Fünfzig Euro.“ Es tutet. Aufgelegt. Nun denn. Damit kann ich arbeiten. Ich eile zurück. Teile ihm sachgemäß die Anweisung von oben mit. Er lacht verschämt auf und zuckt entschuldigend mit den Schultern. „Also. Soviel wollte ich jetzt nicht kaufen. Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen. Ich warte ja hier nur auf meine Frau. Die steht noch drüben beim Metzger an. Ich beobachte sie und ihr prachtvolles Haar bereits seit ein paar Minuten und da dachte ich, ich frag sie jetzt einfach mal…“ Der Mann regt mein Mitgefühl. „Ach, wissen sie was? Bitte nehmen sie wenigstens den Apfel. Er gehört ihnen.  Ich danke ihnen sehr für das nette Kompliment. Glauben sie mir, so toll sind die Haare gar nicht. Im Sommer schwitzt man darunter und im Winter bekommt man keine Mütze drüber gezogen und sobald es windet sieht man nix mehr. Der Wasserverbrauch beim Duschen ist ebenfalls enorm und bis man die Haare erst einmal trocken geföhnt hat…Das dauert eine Ewigkeit.“ Er lacht. Das ist gut. Er bedankt sich für den Apfel, wünscht mir einen schönen Tag und tritt zur Seite. Neben ihm steht noch immer Nicole, die Kundin, die ich zuletzt bedient hatte. Die Kundin, der ich eigentlich den Apfel schenken wollte. Sie hatte schon gezahlt. Wir waren eigentlich fertig. „ Bekommst du noch was?“ Strahlend hält sie mir ihren Kassenzettel entgegen: 68, 21 Euro! „Also, darf ich jetzt?“ fragt sie keck und lockert erwartungsvoll die Finger. “ An deine griechischen Locken…?“

 

 

25 Kommentare zu “Geständnisse einer Marktfrau…Von Pendlern und Apfel Befühlern.”

    1. Kopfkino ist gut! Du weißt ja, bei deinen leckeren Zaubereien schmelze ich gerne mal regelrecht dahin 😉 Auch, so eine Art Kopfkino meinerseits… Von daher freue ich mich besonders, dass ich gerade dir ein wenig Entspannung schenken konnte. Vielen, lieben Dank und
      Lieben Gruß zurück
      oder, wie Arno sagen würde:
      „Bitte, bleiben sie lecker.“ 😉

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  1. Ach wie hherrlich schön und skurril ist so ein Arbeitsplatz unter Menschen. Ich verpasse da wohl so einiges, denn wenn ich den Markt besuche mache ich das morgens um 8 Uhr, nicht weil da die Welt noch in Ordnung ist, aber weil ich dann nicht gedrängelt werde. Nicht, dass ich da noch keine Erfahrungen gesammelt hätte, denn beim Drängeln sind gerade die älteren Semester handfest und ohne Benehmen unterwegs. Ich lasse diese meistens gewähren, da mir mein Adrenalin für so etwas zu schade ist. Übrigens, fast genauso auffällig wie die Drängler sind die Leute mit Hundeblick, die unheimlich gerne fragen würden ob sie mit der Tüte Chips und einem Sixpack Bier an der Kasse vor dürften, anstatt sich hinter drei vollen Einkaufswagen anzustellen, aber kein Wort über die Lippen bringen. So lasse ich denn Frauen immer vor und denke bei Männer, sie sollten sich endlich emanzipieren und einfach fragen 😉 Mein Geständnis zu dem wundervollen und witzigen Beitrag ist …, ich bin Apfelschnüffler, denn nur Äpfel die gut duften, schmecken auch gut. Mit der Bitte um Vergebung (und du hast tolles Haar, keine Frage) gebe ich dir einen Rat. Solltest du dich jemals von deinen Kopflieblingen trennen wollen, heb‘ sie auf und befestige eine goldene Schleife daran, wie im Märchen – liebe Grüße, Arno 🙂

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    1. Ha! Ich rieche ja auch gerne an den Äpfeln. Der Elster riecht momentan besonders verlockend. Innerhalb der Rohkostbewegung ist es Gang und Gebe zuerst an den Lebensmitteln zu riechen, um zu schauen ob der Körper auf das Lebensmittel anspringt, im Form von Speichelfluss oder ähnlichem. Ja. Soviel zur Fachkunde…
      Tatsächlich verpasst du als Nicht – Markt Mann so einiges! Doch anderes magst du vielleicht sogar gern verpassen 😉
      Ich verstehe, dass es dich so früh auf den Markt treibt. Das Gedrängele und Geschubste ist mir auch zuwider. Normalerweise geht es sehr gesittet an unserem Stand zu aber es gibt immer mal wieder Ausreißer, insbesondere vor den Feiertagen und zur Spargel und Erdbeerzeit. Ich finde es groß, dass du dem Gedrängel mit Gleichmut begegnest. Tatsächlich versuche ich unseren Kunden sooft wie möglich zu vermitteln, wie bewundernswert ich es finde, dass sie sich wöchentlich, mit solcher Geduld und Ruhe in die lange Schlange einreihen. Ich persönlich bin da jedes mal dankbar, dass ich sicher hinter der Theke stehe 😉
      Im Supermarkt versuche ich mich auch immer in Geduld zu üben, doch ist es wohl eine Lebensaufgabe zu begreifen, wie Menschen so distanzlos sein können, mir in die Hacken zu fahren oder mir ihren Knoblauch Atem regelrecht ins Ohr zu hauchen. Das macht mir Angst!! 😉
      Arno! Höre ich da etwa sexistisches Verhalten an der Kasse heraus? Die armen, hilflosen Hunde…Menschen in der Schlange…Das wäre ja durchaus mal einen eigenen Beitrag wert. Hmm.
      Danke jedenfalls für deinen langen und charmanten, Kommentar. Es war mir mal wieder eine Freude.
      Die Haare sind übrigens mein Sparbuch. Ich spare seit Jahren. Sollte es hier mal so richtig knapp werden, kommen sie ab 😉
      Leckeren Abend, du Lieber!

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      1. Ein gewisser Sexismus lässt sich wohl nicht von der Hand weisen, immerhin wollen ja viele Männer zum starken Geschlecht gehören, also sollten sie zumindest reden können. Ich frage höflich, wenn ich nur wenige Dinge kaufe und darf dann immer vor. Ich finde es schön sich gegenseitig einen kleinen Vorteil zu gewähren, weil das am Ende des Tages oft positiv in Erinnerung bleibt und ich liebe Holsteiner Cox, die es leider nur Im Herbst/ Winter gibt 😉

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  2. Auf so eine Geschichte habe ich gewartet. Wunderbar! Ich schätze mich glücklich, solch schöne Texte von dir zu lesen. Denn das Treiben an einem Marktstand zu beobachten und zu beschreiben, ist doch die perfekte Ethnologie des Alltags. Dass Leute ihren Blumenkohl auspendeln, hätte ich nie gedacht. Ich werde wohl nächstens ein bisschen besser beobachten, wenn über den Lindener Markt stromere. Ach und wie schade, dass dein Marktstand nur im Kölner Raum steht und ich so weit weg bin. Eine Marktfrau wie dich, liebe Jenny, gibt es keine zweite, da bin ich sicher. Und deine Lockenpracht! Ich bin hin und weg. Man sah ein Foto und dachte so für sich: Ein glutvoll schönes Weib.
    Liebe Grüße
    (Dein Text gelesen zu haben, würde zu den drei schönen Dingen meines Tages gehören.)

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    1. Ich freue mich, dass sich das Warten für dich ausgezahlt hat! Danke, für die netten Komplimente. Tatsächlich gibt es eine Marktfrau wie mich kein zweites Mal, denn jeder Verkäufer bringt ja seinen ganz eigenen, individuellen Qualitäten mit an den Stand. Ich bin halt die mit den glutvollen Locken. Wie wunderbar 😉
      „Der Pendler“ ist tatsächlich ein Stammkunde. Viel mehr als die Tatsache, dass er die Ware auspendelt (was er nicht immer tut) fasziniert mich, dass er im ersten Moment durch sein harsches und sehr rationales Auftreten, aus der Masse, hervorsticht. Das ist fernab von jedweden Hippie Esoterik Gehabe…Sehr seltsam. Ach, ja. Spannende Menschen sind es, an so einem Marktstand.
      Stromere du mal weiter über den Lindener Markt. Ich bin sicher auch dort wird sich die ein oder andere Gemüse Perle auftun. Man muss bloß genau hinsehen.
      (Der Text freut sich, dass er es in die Top drei geschafft hat!)
      Schönen Abend.

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      1. Eigentlich wollte ich nur freundlich sein. Das geriet mir wohl zu überschwänglich und ich ließ mich hinreißen. Ich gehe so gut wie nie auf Wochenmärkte, weil mir die Leute da zu versnobt sind, das Publikum wohlgemerkt, auf die Marktverkäufer habe ich nicht so geachtet. Woher soll ich wissen, wer von denen schöne Texte verfassen kann.

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      2. Lieber Jules,
        Ich weiß, dass du nur freundlich sein wolltest…Es war auch eher scherzhaft von mir gemeint. Ich weiß deine Komplimente sehr zu schätzen. Natürlich weiß ich um meine anderen Qualitäten, jenseits glutvoller Locken…Ich weiß nicht, wie ich es anders formulieren könnte: Manchmal nimmst du, was ich sage, zu wörtlich. Das ist mir bereits ein paar Mal aufgefallen. Ich kann es sogar nachvollziehen. Deshalb werde ich versuchen es zu ändern… Natürlich würde ich mich freuen, wenn du einmal „Hier“ über den Wochenmarkt geschlendert kämst. Gerade auf den kleinen Bauernmärkten sind die Kunden alles andere als versnobt. Da herrscht eher eine sehr bodenständige, Familiäre Atmosphäre. Wer regelmäßig Wochenmärkte besucht baut zwangsläufig eine Beziehung zu „seinen“ Verkäufern auf. Viele Kunden kommen ja bereits seit Jahren, manche seit Jahrzehnten. Da entdeckt man die Perlen irgendwann 😉
        Ach, Du Lieber. Tut mir leid, dass ich dir auf die Füße getreten bin. So war es wirklich nicht gemeint.
        Lieben Gruß

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      3. Was du nicht wissen konntest. Linden Mitte, wo ich lebe, ist ein stark gentrifizierter Stadtteil, und am Samstagvormittagf triufft sich auf dem Lindener Markt die Latte- Macciato-Fraktion, die mir Unbehagen bereitet.Und wie Paarung bekanntlich auf die Partner wirkt, sind auch viele Marktverkäufer von oben herab, wenn ein bescheiden auftretender Mensch wie ich kommt. Was ich manchmal zu wörtlich genommen habe, lässt mich rätseln. Ich dachte immer das Schwarze sind die Buchstaben 😉
        Lieben Gruß

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      4. Früher arbeitete ich mittwochs mitten in der Kölner Innenstadt. Der Markt war den Öffnungszeiten der Geschäfte angepasst und ging bis achtzehn Uhr.
        Tatsächlich brach ich da einmal auf dem nach Hause Weg in Tränen aus, was unter anderem am Verhalten der großstädtischen Latte Macciatio Fraktion lag. Deren Psychosen und Unfreundlichkeiten konnte ich nämlich so gar nicht gelassen entgegen treten….
        Ich verstehe also was du meinst und ich kann nachvollziehen, dass du dich da lieber fernhälst.
        Doch es gibt auch andere Märkte. Ganz andere. Da wird viel gelächelt und respektvoll miteinander umgegangen. Die Atmosphäre ist dort sehr heimelig 🙂
        Von überheblichen Marktarbeitern weiß ich hingegen nichts. Im Gegenteil. Bodenständig, bescheiden und gern mal zu Scherzen aufgelegt! Das trifft es wohl eher. Auch, wenn die Späße gelegentlich etwas flach daher kommen 😉
        Und Ja.
        Das Schwarze sind die Buchstaben. Doch nehmen wir meinen Beitrag „Halten.“ Da hast du mich zu wörtlich genommen. Du hast nur gesehen, dass ich mich nackt an meinen Freund drücke und befandest, es sei zu nah. Doch mir ging es ja gerade darum diese Nähe zu erzeugen, um spürbar zu machen, dass das sich gegenseitig halten und das Fühlen, das da jemand ist, egal was ist, wichtiger sind als Worte und Versprechungen… Egal ob zwischen Mann und Frau oder zwischen Eltern und ihren Kindern… Ach. Da könnte ich ja jetzt noch Stunden lang…Mache ich aber nicht 😉 Das schwarze sind die Buchstaben. Dazwischen ist manchmal der Magic Marker. Doch wann? Das bleibt wohl manchmal ein Rätsel 😉
        Guten Nachmittag

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      5. Entschuldige bite, liebe Jennifer, ich sollte /wollte deinen langen Kommentar nicht so hau-schnau beantworten. Deine Erfahrungen mit der Latte-Macciatio-Fraktion tun mir leid. Zum Thema Missverständnis: Die scheinbare Nähe im Netz, die fast zeitnahe wechselseitige Kommunikation mittels technischer Schrift birgt in sich immer die Gefahr des Missverständnisses. Sobald sich ein technisches Medium zwuischen die Menschen schiebt, ist die Gefahr gegeben, allein durch das, was die Kommunikationswissenschaft „rauschen“ nennt. Da fällt im Postamt eine Postkarte zu Boden, rutscht in eine Bodenritze und wird erst nach 45 Jahren entdeckt. Die Adressatin hatte lange vergeblich auf eine Nachricht ihres Liebsten gewartet und ist dann vor Gram ins Kloster gegangen. Aber auch im geschrieben Wort steckt diese Falle. Was ich so nassforsch „Das Schwarze sind die Buchstaben“ genannt habe, hast du klug ergänzt um den Magic Marker.Es fehlen ja in einem Internetkontakt wie dem unsrigen alle außersprachlichen Signale. Da ist ehger ein Wunder, dass die Kommunikation meistens gelingt. In diesem Sinne: Möge unsere zukünftig unter einem guten Stern stehen. Ich schätze dich nämlich.

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      6. Was du nicht wissen konntest. Auch ich verspüre eine Art Bildungsauftrag. Der mag sich von deinem unterscheiden, die Schnittmenge ist da wohl eher gering aber was heißt das schon?
        Hesse spricht (und das meine ich jetzt auf eine gänzlich generell soziale Weise): „Es ist nicht unsere Aufgabe, einander näherzukommen, so wenig wie Sonne und Mond zueinanderkommen oder Meer und Land. Unser Ziel ist es, einander zu erkennen und einer im anderen das zu sehen und zu ehren lernen, was er ist: der anderen Gegenstück und Ergänzung.“
        Solange ein Wille zur Kommunikation vorhanden ist, können sich Medien zwischen die Kommunikation schieben, wie sie wollen. Missverständnisse können ja geklärt werden. Wer denkt er verstünde stets alles, der versteht wohl eher wenig oder interessiert sich nicht wirklich…
        Man weiß nie, wann ein Stern verglüht, doch bin ich sehr zuversichtlich, dass wir da noch Zeit haben. Der Stern, gegenseitiger Wertschätzung, kann nur ein Guter sein. 😉
        Ich schätze dich nämlich.
        Guten Morgen.

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  3. Es ist schön bei dir in den Alltag einzutauchen. Ich fühl mich, als würde ich an Deinem Marktstand stehen. Schmunzle über die Kunden. Kauf mir einen Apfel. Esse ihn und wundere mich über Männer, die Haare anfassen wollen. Aber ich verstehe sie fast….es sind herrliche Haare. Das Lächeln auch.

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    1. Ich Liebe es ja auch in deine gefühlvollen und feinsinnigen Geschichten einzutauchen. Danke… Vor allem danke, dass du immer so fleißig ließt. Deine Kommentare kommen von Herzen. Ich merke das. Es ist mir wichtig. Danke du Liebe. Ich kann dir sagen: An so einem Marktstand passieren Dinge…Aus denen muss man einfach Geschichten basteln! Das mit den Haar Befühlen empfinde ich tatsächlich als Phänomen. Gestern hatten wir Weihnachtsfeier. Da wurde auch wieder ein paar Mal ungefragt durch gewuschelt. Na ja… Solange es „nur“ die Haare sind… 😉
      Guten Morgen, du Liebe.

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  4. Jennifer von Lockigem Haar
    Was kann ein größeres Geschenk sein als einander anrühren
    gerührt sein ergriffen das Unbegriefliche“ zieht uns hinan“
    Und das war nun kein Grabscher wie Du beobachtest Jüngere hätten noch nicht den Mut
    Ältere nichts mehr zu verlieren was wert wäre zu behalten und unterdrücktes Entzücken ist ein
    Mir fehlen die Worte
    Ich als Mann kann bestätigen schönes Frauenhaar ist stark energetisch wirkend
    und so hat der Herr Deine Vogelseele singen gehört eben nur im Haar versteckt genial

    danke
    Dir Joachim von Herzen der nen Vogel hat

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    1. Joachim von Herzen,
      Berührungen sind hier gern gesehen, doch,
      dass da ein jeder kommen und zugreifen kann…wohl kaum.
      In der Tat sind ältere Menschen, in ihrem Verhalten oftmals freier als jüngere agieren. Zu sagen sie hätten nichts mehr zu verlieren, amüsiert mich, habe ich selbiges ja bereits mehrfach gedacht. Dachte ich es als Kompliment. Ein erfrischend offenes Verhalten ist’s bei den älteren Herren.
      Meine Vogelseele kämme ich heut‘ Dir, frei singend von Herzen
      Danke.
      Jennifer FederVogel

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  5. Hat dies auf Denkender Stein rebloggt und kommentierte:
    Ja, ja! Mir darf auch keiner mehr an die Haare! Sehr wahrscheinlich sind das all die hässlichen alten Tanten gewesen, die mal eben nicht ihre Grapschpranken von dem „süßen Lockenkopf“ lassen konnten. Und wenn dann später die Frage kam: „sind die echt?“ Habe ich geantwortet: „Ne, das ist ´ne Dauerwelle; die dauert und dauert und dauert …“ Aber dein Anruf bei deiner Chefin war echt der Knaller 😉 Als ich gerade meiner Frau (ebenfalls eine Lockenträgerin) vorgelesen habe, mussten wir beide lautstark lachen. Danke Dir Jenny für die tolle Geschichte.

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  6. Guten Morgen liebe Rohva (ich weiß ja wie du heißt, aber der Name gefällt mir so gut), ich finde ja die Bedeutungsfindung zwischen dir und Jules spannend, rein aus Autorensichtweise, denn dies ist der Unterschied zwischen verstehender nonverbaler Kommunikation als Gedankenaustausch und dem interpretationsfähigen Text eines Buches, wo ja jeder seine eigene kleine Geschichte mitspielt, ohne das diese den anderen gleich sein müsste. Ich war schon auf einigen Märkten in ganz Europa, weil da die Menschen des Landes sehr authentisch sind und ich habe noch nie hochnäsige Käufer oder Verkäufer gesehen, nicht mal, wenn ich mit einer Latte macchiato an den Ständen vorbeigeschlendert bin und die Marktfrauen mir ihre exotischen Waren erklärt haben 😀 Ich habe anscheinend einen Gleichmachermagneten in mir, denn ein Lächeln und ein freundliches Wort haben noch jeden positiv auf mich reagieren lassen und jetzt muss ich zum Markt, bevor die Leute mit dem Chai latte kommen 😉

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    1. Guten Morgen, Lieber Arno 🙂
      Zunächst einmal möchte ich sagen, wie sehr ich mich jedes Mal freue, wenn ich einen Kommentar von dir lese. Um das Bild mit den Sternen noch einmal aufzugreifen: Tatsächlich glaube ich, dass Du und ich, dass wir gut demselben Stern entspringen könnten, denn ich glaube, dass wir beide vorrangig durch unser Herz auf die Welt blicken. Klingt das kitschig? Würdest du nicht im fernen Marburg wohnen, könnten wir glaube ich gute Freunde sein. Auf jeden Fall wärst du ein gern gesehener Gast auf unseren Märkten. Wir würden begeistert Rezepte austauschen, uns über die Drängler amüsieren. Und auch sonst gäb es da, glaube ich, viel zu lachen und viel zu erzählen. Europäische Märkte kenne ich bisher nur aus der Ferne und ich gestehe, da packt mich das Fernweh. Ich würde gerne ein paar deiner Geschichten lauschen. Vielleicht bei einem guten SojaLatte 😉 (Dass du mich konsequent Rohva nennst stützt diese These. Es steckt ja ein fein durchdachtes Wortspiel hinter dem Namen. Da beweist sich dein feines Menschen Gespür und deine Wertschätzung. Damals hatte ich noch weniger Ahnung vom Bloggen als jetzt. So hätte ich damals nicht gedacht, dass es sich beim Kommentieren als schwierig herausstellen würde mit Rohva zu „unterschreiben“. Bei den Texten vermischt sich authentisches mit künstlichem. Da ist ok… Doch bei den Kommentaren…na ja, da habe ich das Gefühl, ich lüge, wenn ich mich als Rohva bezeichne…
      Eine Zeit lang habe ich im Alltag versucht durchzusetzen, dass man mich Jennifer nennt. Normalerweise nennen mich alle Jenny. Irgendwann kam ich auf die absurde Idee, dass dies zu niedlich sei…Daraufhin begannen die meisten mich Jennifer zu nennen, was mir dann plötzlich zu ernsthaft klang…Im Endeffekt habe ich mir am den Kopf geschlagen und gedacht: „Was für ein Blödsinn! Soll mich doch einfach jeder so nennen wie er mag.“ Nun bin ich sehr glücklich damit, dass ich eine Vielzahl an Namen besitze und dass jeder selbst entscheiden darf, wie er mich nennt.)
      Zur Latte Macciato Fraktion: Der Markt über den ich sprach ist ein Großstadt Markt, der wie ich bereits erwähnte, mitten in der Woche liegt und bis Abends geht. Der Platz ist sehr laut, weil er vom öffentlichen Verkehr umkreist wird. Tatsächlich herrscht dort eine sehr hektische, angespannte Stimmung. Zwischen Büroalltag und Kinderkrippe kommen die Leute einkaufen. Es herrscht den ganzen Tag über viel Durchgangsverkehr. Einheimische und Touristenmassen eilen über den Platz hinweg. Das hat wenig mit der gemütlichen schlender Atmosphäre, die auf den Bauernmärkten herrscht, gemein. Einige nutzen da unseren Stand als Ventil für ihre inneren Anspannungen.Viele Kunden sind natürlich auch dort sehr nett. Es ist wie du sagst: Ein Lächeln und ein freundliches Wort wirken Wunder. (Ich glaube dir sofort, dass du da einen „Gleichmachermagneten“ in dir trägst :-)) Herablassendes Verhalten ist ja oftmals bloß ein Schutzpanzer, um sich eigene Gefühle vom Leib zu halten..Ach, ja man erlebt so einiges…Eine Kundin hat einmal ernsthaft meinen Gesundheitszustand in Frage gestellt. Sie tat es mich einer Kälte und einem Lächeln im Gesicht, dass mir jedes Wort raubte. Der Schmerz, in dem Moment. Das kann man sich kaum vorstellen…Nun gut. Das ist Vergangenheit. Doch, der Schale Geschmack, der bleibt.
      Zu den, für dich, spannenden Kommentaren kann ich nur sagen: Wie schön es sich anfühlt, mit einer Handvoll Leute denselben Stern zu besiedeln. Doch auch was fern scheint, leuchtet hell. In der Schule habe ich damals Religion gegen Philosophie getauscht, denn mir gefiel die Grundannahme, dass Wirklichkeit eine Frage von Zeit und Perspektive ist. In der Philosophie gibt es keine EINEN Gott. Da gibt es nur gute Diskussionen und wer kann einer guten Diskussion schon widerstehen? 😉
      Ach, Arno. Ich gratuliere dir, wenn du es bis hier her geschafft hast. Ich esse momentan jeden Abend Zitronen Mandel Kekse. Die beleben ja ungemein 😉
      Ich mag dich sehr gern. Das Bild, dass ich von dir und deiner kleinen Familie habe ist strahlend, hell. ich freue mich wirklich sehr, dass wir uns hier gefunden haben.
      Einen schönen Sonntag Morgen wünsche ich dir.

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      1. Guten Morgen liebe Rohva, ich muss es nicht schaffen deine Texte zu lesen und wir sind Freunde, wahrscheinlich aus demselben Sternenstaub gemacht. In Wien ist die Stimmung auf den Märkten eher gelassen, während in Paris oder Brüssel hektische Betriebsamkeit herrscht. München war freundlich entspannt ohne Drängelei, während auf den Märkten in Oberitalien eine gewisse Neugier auf Neues über den Ständen wabert, ohne sich bei warmen Temperaturen wirklich anstrengen zu wollen 😉 In Osteuropa sieht man selten ein Lächeln, alles scheint nur Notwendigkeiten zu unterliegen und fern von jedem Spaß zu sein und in Hamburg bekommt man immer einen kleinen netten Spruch zu hören, mit einem kleinen Augenzwinkern. Über Religion wurde viel bei uns diskutiert, da mein Vater wissenschaftlich daran gearbeitet hat. Wir würden sicher zusammen kochen, über Rezepte reden und sehr vieles mehr, da du nicht nur interessant, sondern auch interessiert bist 🙂 Einen kuscheligen 4. Advent für dich und meiner allerbesten Grüße zu dir ❤

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