Frühlingserwachen 2016/Teil 2: Magische Momente

Es gibt sie. Diese Tage. Es gibt Tage, da wachst du morgens auf, du spürst ein unangenehmes Ziehen in der Magen Gegend. Es folgt ein Seufzer. Er kommt von Herzen. Ein kurzer Blick auf die Uhr und du rollst dich trotzig wieder zusammen, ziehst die die Bettdecke über den Kopf. Am liebsten möchtest du für immer hier, in der Geborgenheit der Kissen, versinken. Zumindest bis Montag. Der Sonntag macht’s möglich!
Dieser eine Sonntag machte es unmöglich! Es fand das Frühlingserwachen im Vorgebirge und auf unserem Hof statt und ich sollte Smoothies mixen und verkaufen. Also hieß es sämtlichen Bedürfnissen zum Trotz, aufstehen! Nein, aufspringen. Ich hatte den Wecker mal wieder über eine halbe Stunde klingeln lassen. Eigentlich war das ganz gut so, denn so blieb kaum Zeit jenes flaue Gefühl zu beachten, das sich zunehmend in meiner Magen Gegend ausbreite. Smoothies zubereiten. Für Menschen. Für viele, fremde Fremde Menschen…Ich war so aufgeregt.

Kurz darauf eilte ich auch schon durch das verschlafene Städtchen, Richtung Straßenbahn. Immerhin. Draußen war es trocken. Das Wetter schien mitzuspielen. Die Ruhe, die draußen, auf den Straßen herrschte, beruhigte mich zusätzlich ein wenig. Sobald ich in der Linie 4, Richtung Köln saß, kramte ich Rezept-Zettel und Stift hervor. Ich blickte aus dem Fenster, begann zu überlegen und ab da war für Aufregung gar fast kein Platz mehr…

Ich hatte nämlich versprochen den Smoothies neue Namen zu geben. Es war ein kleiner Spaß gewesen, im Rahmen der  Rezept Verkostung, um das Ganze etwas aufzulockern, um nicht bloß stur irgendwelche Zutaten runter zu rattern. Die Idee kam an, doch ich selber fand Namen wie „Rumble Dschungle feat.Rübstiel (Rheinland Edition)“ nicht sehr Familienfest geeignet. Ich wollte lieber Namen haben, die kleine und Große Besucher gleichermaßen ansprechen und die zur Farbe des jeweiligen Smoothies passen sollten. Auf der Fahrt war nun genug Zeit, sich drei Namen zu überlegen. Nummer vier stand bereits bei der Verkostung fest und durfte ausdrücklich nicht mehr geändert werden: Howard Carpendale. Er war leuchtend Orange und schmeckte wie die Sonne von Capri, beziehungsweise wie Capri Sonne und irgendwie hat mein Kopf von da aus eine Brücke zu Howard Carpendale geschlagen.

Howard Carpendale entwickelte sich an diesem Tag jedenfalls zum absoluten Dauer Renner. Den fruchtigen Howie mochte wirklich jeder gern. Doch so weit sind wir ja noch nicht.

Der Hof kam immer näher. Mein Magen…

Von der Straßenbahn Haltestelle der Linie 18, Bornheim Waldorf aus, führt ein circa fünf minütiger, höchst inoffizieller, Trampelpfad direkt auf den Hof. Und weil diesen Weg bereits unzählige Menschen vor mir, höchst inoffiziell, gegangen sind, kann man den Pfad mittlerweile, selbst als Laie, recht gut finden. Vielleicht sollte man mal über eine offizielle Namensgebung nachdenken…Während man da so gemütlich an der Straßenbahn entlang läuft, querfeldein trottet und die frische Luft einatmet, spürt man regelrecht, wie man vom Großstadt Lärm in eine ganz andere Welt hinein tritt. Eine, in der die Uhren vielleicht tatsächlich ein wenig langsamer ticken. Es als würde man hinter einen magischen Vorhang treten. Es ist ein Gefühl, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Dieser Moment beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue…Sobald ich, aus der Ferne, den ersten Mitarbeiter erblickte, der mir freudig zuwinkte, machte sich endlich die erhoffte Vorfreude breit. Es regnete nicht. Ein zartes Pflänzchen keimte auf. Das könnte heute wirklich was geben. Vielleicht muss ja hinter her niemand enttäuscht sein. Vielleicht wird es wirklich schon schief gehen…

Frau Wioletta, die später noch eine entscheidende Rolle spielen sollte war natürlich auch vor Ort. Ich betrat ich die Halle, die ich lieber Scheune nenne. Dort herrschte bereits emsige Betriebsamkeit. Sicher ist sicher. Man wollte lieber drinnen aufbauen.

Es Atmosphäre war wuselig, allerdings auf eine Art, die einem sofort ein kleines Lächeln entlockt. Denn, wo Wuseligkeit auf gemütliche, ländliche Gelassenheit trifft, da entsteht eine ganz einzigartige Atmosphäre, eine für die mir tatsächlich das passende Wort fehlt. Es ist ein gemütlicher Stress, einer von dem man sich gerne anstecken lässt. Namen schallen von allen Seiten über das Hofgelände. Eigentlich ist immer Wer gerade auf der Suche nach Irgendwem. Unablässig sieht man Leute von a nach b flitzen. Sie rufen sich Dinge und Fragen zu. Manchmal Lächeln sie dich schlicht aufmunternd an und dann lächelt man ebenso aufmunternd zurück. Jeder gibt sein Bestes. Jeder hilft wo er kann. Teamarbeit halt.

Um halb zehn bildeten wir einen großen Kreis. Es gab es ein kurzes Mitarbeiter Briefing. Die Motivation wurde nun wirklich greifbar. Das Wetter war gut. Wir hatten Lust. Um halb elf war so weit alles fertig. Die Tische waren geputzt. Die Kuchentheke glänzte. Der Kaffee lief. Es gab einen kleinen Stand mit Honig und Bienenprodukten, einen mit Wein im Hofladen. Die Mädels und Jungs von der Reibekuchen-Theke waren bereit und schwangen energisch ihre Zangen. Draußen wartete das Folientunnel Labyrinth auf die ersten kleinen Besucher. Und dann gab es da ja auch noch das Glücksrad. Mein Stand sah ebenfalls hübsch dekoriert aus. Die Rezept Tafeln waren beschriftet. Nur der Feinschliff fehlte noch. Es würde zwei Grüne Smoothies, einen roten und Howard Carpendale, den in Capri Color geben.

 

Ich machte mich gerade daran das Obst vor zu schnippeln, da stand auch schon der erste Kunde vor mir und wollte einen grünen Smoothie probieren. Um halb elf. So früh! Und ausgerechnet den Rübstiel Smoothie… Es gab keinen Rübstiel. Der war noch zu klein gewesen, um ihn zu ernten. Ich hatte das Problem morgens erst einmal beiseite geschoben und es bis zu jenem Moment schlicht vergessen. Oh je! dachte ich. Und nun?…


-Ende Teil 2-

 

 

 

 

 

 

 

 

6 Kommentare zu “Frühlingserwachen 2016/Teil 2: Magische Momente”

  1. Guten Morgen liebe Jenny, nun habe ich Deine drei Beiträge zu Frühlingserwachen gelesen. Es ist wirklich interessant, das Fest aus Deiner Perpektive zu „sehen“! Als Gast erlebt man ja nur die Seite vor den Kulissen. Während das ganze Biohof-Bursch-Team noch umherwuselt, überlegen wir entspannt, welchen Hof wir diesemal zuerst besuchen. In der Regel sind wir zu viert, mein Mann, unser Sohn und meine Mutter. Mein Mann liebt das Gemüse Pak Choi….. Und Es stimmt, das Vorgebirge ist wirklich schön! Klein aber fein….*klimper. Wenn ich in der ersten Etage aus dem Fenster unseres Hauses schaue, sehe ich fast das ganze Vorgebirge und zusätzlich das Siebebgebirge, wie z.B. den Drachenfels. Wenn sich dann die Abendsonne über das Vorgebirge legt und laaaaange Schatten wirft, dann legt sich ein besonderer Zauber über die gesamte Landschaft! UND, natürlich kenne ich den inoffiziellen Trampelpfad, höchstens fünf Autominuten von mir entfernt….*grins Ohjeeee, jetzt habe ich völlig die Zeit aus dem Auge verloren! Liebe Jenny, jetzt Eile ich schnell in meine Küche und backe noch flott einGeburtstagsküchlein, bis bald und liebe Grüße, Gaby
    P.S.: Uns gefallen und schmecken die Hoffeste auf Biohof Bursch immer sehr gut!

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