Frühlingserwachen 2016/Teil 3: Von kleinen Hexen und großen Zauberern

 

Der Mann erwies sich als äußerst geduldig.

Er fragte ob er in fünf Minuten noch Mal wieder kommen solle ob ich dann soweit sei? Ich nickte dankbar und flizte los, denn mir fehlten noch Agavendicksaft und Eis für die Smoothies. Unterwegs traf ich auf Frau Wioletta. Ich berichtete von dem Rübstiel Problem. Rucola? antwortete sie prompt, worauf hin ich ihr glücklich und dankbar in die Arme fiel. Ja, Rucola war eine tolle Idee.

Fünf Minuten später bekam der Mann seine grüne Ladynun mit Rucola statt mit Rübstiel. Wider aller Gewohnheit gab ich den Smoothie raus, ohne ihn vorher probiert zu haben. Es war eine Sekunden Entscheidung. Ich dachte, nein, wenn du das jetzt probierst wirst du eh nicht zufrieden sein, egal wie gut er schmeckt. Tatsächlich probierte ich meinen ersten Smoothie erst nachmittags um fünf. Da waren die Besucher bereits gegangen. Es war natürlich die grüne Lady. Die, mit der alles angefangen hatte. Und, was soll ich sagen!? Sie hat mir geschmeckt. Der geduldige Mann fand seinen Smoothie jedenfalls lecker, was mein ursprüngliches Lächeln zu einem breiten Grinsen anschwellen ließ. Und es hielt an, das Grinsen, nicht bloß bei mir.

Überall auf dem Hof sah man fröhliche Gesichter. Das Hoffest und die einzelnen Stände waren gut besucht. Das ein oder andere Mal sind wir mit der Smoothie Produktion kaum hinterher. Ich sage wir, denn ohne meine Pausenvertretung und Schnippel Hilfe Katharina hätte ich den Andrang definitiv nicht bewältigen können. Sie war so fleißig! Unablässig hat sie Obst klein geschnitten, Gläser und Eis nachgeholt und das Ganze hat sie mit einer enormen Ruhe und Gelassenheit erledigt, die definitiv auf mich abgefärbt hat! Richtig toll. Wir waren echt ein super Team. Danke.

Hier mal ein paar Fotos Das war nachmittags. Da war der Drops (beinahe) gelutscht. Hinter dem Stand war alles, im Umkreis von einem Meter, mit bunten Farb-Kleksen gesprenkelt. Das muss man aushalten können. Sämtliche Anspannung fiel von uns ab. Ein schöner Moment. Fotografiert von Helmut, der die gute Katharina zum Nachmittag hin als abgelöst hat.

Ich habe den guten Helmut wohl ganz schön herum gescheucht, so dass er kaum dazu kam sein Stück Kuchen zu genießen. Er hat das wirklich ganz toll gemacht und für viel charmante Unterhaltung an unserem Stand gesorgt.

 Der Tag verging viel zu schnell. Wir bekamen kaum etwas mit von dem was nicht unmittelbar vor unserem Stand passierte. Die Spargel Königin fiel uns nur auf, weil sie mit ihrem blitzenden Krönchen und dem schicken cremefarbenen Kleid wirklich deutlich aus der Masse hervorstach. Der Bürgermeister ging komplett an uns vorbei, obwohl auch er den ein oder anderen Smoothie probiert haben soll.

Zwischendurch traten immer wieder Mitarbeiter an uns heran und fragten ob wir nicht mal eine Pause einlegen wolle. Nicht nur wir waren überrascht von dem Andrang an unserem kleinen Stand. Doch, Katharina und ich, wir waren dermaßen im Flow, dass wir gar nicht an Pause dachten. Ein Smoothie hieß der Zauberer. Das war der rote Smoothie mit Roter Bete. Der kam besonders bei den Kindern gut an. Ein kleiner Junge trank ihn. Zehn Minuten später stand er wieder vor unserem Stand, streckte beide Hände aus, sah mich vorwurfsvoll an und sagte: „Aber ich kann jetzt gar nicht zaubern!“, wobei er mit seinen Händen sichtlich darum bemüht war die Funken nur so sprühen zu lassen. „Tja, was machen wir da?“ überlegte ich laut. „Vielleicht musst du einfach noch einen trinken?“ Worauf hin wir ihm einen Zauberer gratis spendierten… Die Situation war wirklich zuckersüß.

Ja. Es war ein riesen Fest. Nicht nur für die Besucher. Alle Anwesenden hatten richtig viel Spaß. Heinz betonte hinter auch noch einmal, wie die Leute gewesen seien und wie toll er es fand, dass er überall nur strahlende Gesichter gesehen habe.

Manche Besucher fragten nach genauen Rezept Angaben und ob sie Rezept Tafel abfotografieren dürften. Natürlich durften sie. Auf meinen Blog zu verweisen, daran dachte ich in dem Moment gar nicht. An diesem Tag war ich irgendwie in einem anderen Modus. Die Leute waren jedenfalls wirklich sehr nett zu uns und niemand beschwerte sich, wenn er mal ein paar Minuten warten musste. Im Gegenteil. Trotz des riesen Andrangs war zwischen drin immer wieder Zeit sich mit den kleinen und Großen Besuchern auszutauschen und ein bisschen was über Smoothies und Namens-Findung zu erzählen. Die Kinder fanden natürlich den Mix-Vorgang an sich besonders spannend, unser kleines Hexen Labor. Einmal ist der Mixer von allein angegangen, weil ich aus versehen auf den Startknopf gekleckst hatte. Der Deckel lag nicht richtig auf. So kam es zu einer kurzen, heftigen Obst Eruption, was die Kinder natürlich sofort mit tosendem Beifall quittierten. Ja, so einen Obstausbruch erlebt man nicht jeden Tag.

Die Zeit verflog. Das Wetter hielt. Der Mixer verrichtete geduldig seine Arbeit und auch an allen anderen Ständen herrschte emsiges Treiben. Irgendwann brauchten wir beide dann doch Mal eine Pause, um mal kurz abzuschalten und ein bisschen zu entspannen. Ich verzog mich mit meinem Kaffee hinter die etwas abseits vom Trubel gelegenen Markt Anhänger und LKWs und tat eigentlich nichts, außer zufrieden vor mich hin zu blicken und meinen Kaffee zu genießen. Schön, dachte. Einfach schön.

Schließlich näherte sich das Fest dem Ende. Einige ließen sich noch ein paar Smoothies für zu hause einpacken. Schließlich waren jedoch die letzten Besucher gegangen. In Windeseile bauten wir alles wieder ab. In der Spülküche war hinterher kaum noch ein durchkommen. Nur das Küchenbuffet und die restlichen Reibekuchen. Die blieben noch stehen. Die ein oder andere Flasche Wein und Apfelschorle ebenfalls. Kurz bevor wir uns noch einmal im Kreis zusammen fanden, diesmal sitzend, gab es einen ganz besonderen Moment. Mitten in der Scheune thronte plötzlich dieser große hölzerne Block, der nach und nach alle restlichen Anwesenden magisch anzog. „Bursch Gestern und Heute.“

Es war eine riesige Collage,

bestehend aus alten Zeitungsausschnitten und ganz vielen Fotos, von den Feldern, vom Hof, von den verschiedenen Wochenmärkten und von den Mitarbeitern. Es waren Jahrzehnte in Bildern, die dort hingen. Neugierig betrachteten wir die einzelnen Fotos und lauschten Heinz, der ein wenig erzählte…Da lag etwas ganz besonderes in der Luft. Ein bisschen Melancholie. Vielleicht. Vor allem aber war es ein ganz heimeliger Moment. Einer, in dem man sich richtig einkuscheln möchte, weil man sich so wohl fühlt. Das war für mich fast noch schöner als, der eigentliche gemütliche Abschluss im Stuhlkreis, bei Kuchen und Wein.

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Mir reichte mein Feierabend Kaffee. Der, und die Umarmung von Irene. Das war mein schönster Lohn. Den Kuchen, den hab ich mir mit nach hause genommen. Ein riesen Stück veganer Apfel-Streusel. Und als ich schließlich zu hause ankam, da hab ich mich im Wohnzimmer, vor die Couch, auf den Boden gesetzt. Schuhe aus. Füße hoch! Und dann gab es den Kuchen, der für mich in dem Moment das beste Stück Kuchen war, das ich jemals gegessen habe.

 

Den Smoothie verschmierten Zettel mit den Rezepten, den habe ich aufgehoben. Dort stehen auch die ungefähren Mengenangaben drauf, doch die sind bloß Richtlinien.

Denn, ich habe ich fest gestellt, dass Konsistenz und Geschmack stark von der Qualität des verwendeten Mixer abhängen. Ich durfte hier einen richtig tollen Mixer verwenden, einen blendtec. Das besondere bei diesem Mixer ist, dass er das Obst und Gemüse nicht zerschneidet sondern zerschlägt. Die Messer sind stumpf. Das Teil hatte einfach eine Mega Power. Der hat unerbittlich alles klein und cremig geschlagen. Dadurch schmeckten die Smoothies viel intensiver, als bei mir zu hause und deshalb kommen fast alle Rezepte ganz ohne Banane aus. Mein Mixer kann diese Qualität gar nicht leisten, wobei ich auch mit meinem Mixer sehr zufrieden bin. Aber das hier war wirklich…die High End Version. Wir mussten neben Wasser immer noch Eis mit in den Mixer geben, damit die Smoothies nicht warm liefen, so viel Power steckte da drin. Durch das Eis bekamen die Smoothies zusätzlich eine schöne und cremige Konsistenz. Ich muss gestehen. Ein wenig verliebt bin ich schon…

Wie dem auch sei, man kann auch für kleines Geld gute Smoothies machen. Wichtig ist, dass man viel reifes, weiches Obst verwendet. Mango, Banane oder Avocado geben eine schöne Konsistenz oder Nussmus. Bittere Zusätzen, wie Gurke oder Rucola, sollte man vielleicht etwas sparsamer dosieren. Es sei denn man mag es gerne kräftiger. Man muss da halt ein bisschen rum experimentieren. Der süß fruchtige Howard Carpendale war zwar der absolute Renner. Doch insgesamt betrachtet gingen alle Smoothies gleichermaßen gut. Viele haben sich auch einfach durch das Sortiment getrunken und die Smoothies ntereinander getauscht. Der kleine Zauber Junge hat insgesamt, glaube ich, fünf Smoothies getrunken. Wahnsinn. Vielleicht kann er ja nun wirklich zaubern.  

Der Zettel hängt nun jedenfalls in meiner Küche, am Kühlschrank. Er hängt dort schief. Ich finde das muss so sein.


-Ende-


Die Rezepte:

Die Kleine Hexe (grün):

½ Ananas; 1 Birne; 1 Banane; ¼ Gurke; Eine Handvoll Spinat; 1Stange Sellerie; ½ Zitrone; Agavendicksaft + Wasser

Die Grüne Lady (leuchtend grün):

½ Ananas; ½ Mango; 1 Apfel; Eine Handvoll Rucola; Eine Handvoll Spinat; Zitronenschale; Agavendicksaft + Wasser

Howard Carpendale (orange):

½ Ananas; ½ Mango; ½ Zitrone; 3 Orangen; 2-3 Karotten; Agavendicksaft + Wasser

Der Zauberer (rot):

1 mittlere Rote Bete; ½ oder mehr Mango; 3 Orangen; 1 Birne; (Agavendicksaft) + Wasser


 

17 Kommentare zu „Frühlingserwachen 2016/Teil 3: Von kleinen Hexen und großen Zauberern“

  1. Danke liebe Jenny, für diesen schönen Bericht. Ich war voll und ganz mit dabei, wahrscheinlich hätte ich auch den großen Smoothie-Test gemacht, wenn schon, denn schon. Ich kann mir vorstellen, dass für Euch Mitarbeiter dies wirklich ein ganz besonderer Tag war, den Ihr nicht vergessen werdet. So etwas ist wunderschön und ein klein bisschen habe ich teilgenommen.
    Einen schönen Sonntagabend-Gruß, Marlies

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallöchen Marlies 🙂
      Der Text ist wirklich ein bisschen lang geworden aber ich wollte den Tag so gern für immer fest halten. Schön, wenn ich dich ein Stück weit entführen konnte. Das ist ein ganz liebes Kompliment. Ich hab den Tag beim schreiben irgendwie auch nochmal erlebt.
      Sich die Namen für die Smoothies auszudenken hat mindestens genau so viel Spaß gemacht, wie das Mixen. Allein der kleine Zauber Junge war das allemal wert. 🙂
      Na, dann. Immer ran an den Howie 😉
      Einen guten Start in die Woche wünsche ich Dir. Hier zeigt sich die Sonne von ihrer besten Seite!
      Lieben Gruß
      Jenny

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  2. Hallo Jenny, habe dein dreiteiliges “ Frühlingserwachen “ super gerne gelesen und möchte an Arno`s Kommentar anknüpfen. Er meint Du müsstest immer einen eigenen zauber mitführen. Wo Er recht hat, hat er recht. Du bist einfach ansteckend, deine Begeisterung für das natürliche spiegelt sich in deine Berichte zu 100 %. Ich meine, nur jemanden der zu 100 % diesen Lebensstil vertritt und sich damit wohlfühlt , kann diese Begeisterung und Motivation vermitteln. Super klasse deine Postings, volles Leben und Lebenslust. Respekt. LG Jacob

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    1. Also, deine Komplimente sind wirklich einzigartig. 🙂
      Hallo Jacob.
      Ich finde es immer wieder faszinierend über was für eine feine Beobachtungsgabe du verfügst und das, obwohl du mich nur über meine Texte kennst. Erst einmal vielen lieben Dank für das Lesen der Texte, obwohl es soviel auf einmal war! Danke. für deine lieben Komplimente Danke ich dir natürlich auch. Du hast recht! Ich fühle mich sehr wohl und geborgen mit und in meinem Lebensstil. Es ist schön zu hören, dass ich die Lebensfreude, die ich in gewissen Momenten verspüre ein Stück weit transportieren kann. Ich koche und schreibe, weil es meine Leidenschaft ist. Ich mache das aber auch, weil ich es mag Menschen lächeln zu sehen.
      Nun muss ich selber lächeln. 🙂
      Vielen Lieben Dank,
      auch für deinen ganz eigenen Zauber!
      Lieben Gruß
      Jenny

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  3. Liebe Rohva, du hast soooo wunderbar lebendig geschrieben wie sehr du dich engagierst in deiner Pflanzen- und Obstwelt 🙂 Deine Drinks sind herrlich bunt und bestimmt total lecker 🙂 Ich wünsche dir einen fabelhaften Montag 😀

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    1. Danke dir fürs Lesen lieber Arno.
      Der Text ist soo lang geworden aber…naja du kennst das ja mittlerweile. 😉
      Ich hätte dich gerne alle Smoothies probieren und fotografieren lassen. Dann gäb es jetzt wenigstens ein paar vernünftige Fotos von den Smoothies und ich hätte eine charmante Unterhaltung vor unserem Stand gehabt.
      Lieben Gruß ❤

      Gefällt 1 Person

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