Grüner Spargel mit karamellisierten Aprikosenstückchen, dazu kleine Kartoffelplätzchen aus italienischen Frühkartoffeln und eine fruchtig, pikante Variante der veganen „mac ’n’cheese“ Sauce. Eine Dekonstruktion.

Wo flinke Kinderhände neugierig walten, da geht gerne mal etwas zu Bruch. Sei es das herumeiernde Feuerwehr Auto, die einbeinige Barbie, mit Kurzhaarschnitt in Edding-Couleur oder der Teppich mit bunter Kneteinlage. So ist das halt und ich finde so muss das auch! Denn, wo neues voller Freude und Elan ausprobiert und auf alle erdenklichen Arten durch- gemixt, geschüttelt und gerührt wird, da darf ruhig ordentlich herumgesaut werden und da darf auch mal etwas zu Bruch gehen. Spätestens, wenn es Mamas Kaschmir Pullover oder Nachbars Scheibe ist wird das Kind schon lernen, was Worte wie Achtsamkeit und weitreichende Konsequenzen bedeuten. Zumal die Dekonstruktion der Dinge ja nicht immer etwas schlechtes bedeuten muss. Denn, genau so schnell wie Kinder etwas zerstören können, besitzen sie ja meist auch die Fähigkeit aus den herumliegenden Bruchstücken, spielerisch, etwas Neues entstehen lassen. Ein Baumhaus aus Sperrmüll und Teppichresten, eine eingestürzte Legoburg, die sich kurz darauf, als mehrstöckiges Schlachtschiff aus den Ruinen erhebt, der Flugdrache, den man  zwar nicht mehr steigen lassen kann, der sich aber prima zum spontanen Superhelden Kostüm umfunktionieren lässt. Alles ist möglich und manchmal braucht es nicht viel mehr als einen alten Stoff-Fetzen, einen großen Baum und ein wenig Fantasie.

Etwas zerstören, es verändern, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Der Gedanke gefällt mir. Darum geht es doch beim Kochen oder? Es wird geschält, geschnippelt, gewürfelt und gebrutzelt, es wird getrennt, verrührt und neu kombiniert. Genau das ist hier passiert. Ich esse Kartoffeln wirklich sehr gern. Man könnte sagen wir pflegen eine sehr innige Beziehung. Wie in jeder guten Beziehung muss man da ab und an für etwas Abwechslung sorgen, damit es nicht langweilig wird. Deshalb habe ich mich hier für eine Kartoffeldekonstruktion entschieden. Ich kochte sie und anschließend zerstampfte ich sie und machte herzhafte Plätzchen aus ihnen.

Hier mal eine kleiner Ausflug in die wundersame Welt der Kartoffeln.

Diese Plätzchen zuzubereiten entbehrte eigentlich jeder Logik, denn Frühkartoffeln eignen sich hier, wegen ihres hohen Feuchtigkeitsgehalts, gar nicht für solche Kartoffel Spielereien. Vorwiegend-festkochende oder mehlige Kartoffeln, die sich einen viel höheren Stärkegehalt besitzen würden sich viel besser eigenen, sind um diese Jahreszeit aber kaum noch zu bekommen, zumindest nicht, wenn man Wert auf regional und Bio legt. Lager Kartoffeln werden nämlich nur einmal im Jahr geerntet und das ist im Herbst. Eigene Frühkartoffeln werden wir wohl schon ab Juli im Sortiment haben, allerdings sind diese Kartoffeln nicht zur längeren Lagerung geeignet. Nach der Haupternte im Herbst werden die Kartoffeln dunkel und kühl eingelagert und nach und nach verkauft, so lange bis sie entweder abverkauft sind oder bis sie zu schrumpelig, zu grün oder zu fleckig geworden sind, um sie zu verkaufen. Das ist nun bereits seit einiger Zeit der Fall, was vorwiegend festkochende und mehlig kochende Kartoffeln betrifft.

Wir haben auf dem Biohof zwar noch Lager-Kartoffeln. Die sehen auch noch ganz gut aus. Sie keimen kaum und sind noch schön fest, doch eben, es sind festkochende Kartoffeln und die sind für das Rezept ebenfalls ungeeignet, da sie so unbarmherzig Schnittfest bleiben.

Ich persönlich mag die feste Konsistenz nicht oder nicht mehr. Lustigerweise schmecken mir mehlig kochende Sorten erst seit ich mich pflanzlich ernähre, wobei ich natürlich nicht weiß ob da ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.

Zurück zum Tellerchen:

Letztendlich habe ich mich beim Rezept für die milderen, italienischen Frühkartoffeln entschieden, denn Kartoffeln zu kaufen, die mir gar nicht schmecken macht ja auch keinen Sinn. Und weil ich manchmal ein Dickkopf bin wollte ich auch noch unbedingt Herzoginnen Kartoffeln auf das Blech zaubern. Eigentlich dämmerte mir bereits vorher, dass dies, einhergehend mit dem Anspruch möglichst wenig zusätzliches Bindemittel zu verwenden, nicht funktionieren würde. Einen Versuch war es dennoch wert. Die Herzoginnen schmolzen, kurze Zeit später, vor meinen Augen, dahin. Eine nach der anderen kippten sie im Ofen aus den Latschen. Nichts desto trotz. Ich probierte Und:

Die Herzogin ist tot. Es lebe das Kartoffelplätzchen! Das Ergebnis war geschmacklich top. Außen leicht knusprig, innen schön cremig und so gut. Frischer Thymian und ein wenig Muskatnuss werteten die milden Kartoffeln ordentlich auf. So muss das. Die Sauce habe ich da, zu den Kartoffeln, eigentlich gar nicht mehr gebraucht.

Den grünen Spargel habe ich mit Aprikosenstückchen belegt und mit ein wenig Agavendicksaft beträufelt. Den Rest hat der Ofen erledigt. Spargel und Aprikosen habe ich bisher noch nie in Kombination gegessen. Die beiden sind ein richtiges, kleines Traumpaar, und dann auch noch karamellisiert. Zu gut!

Zuletzt noch zur Sauce. Ja! Ich hab die Sauce kaputt gemacht! Und das mit voller Absicht. Marlies vegane Mac Cheese Sauce. DIE Sauce. Ich habe sie zerstört. Pfui. Ja, ich weiß.

Für mich ist Marlies‘ Sauce zwar auch die beste „Mac cheese aller Zeiten“ aber ich wollte diesmal eine etwas weniger gehaltvolle, dafür fruchtigere Sauce als Beilage haben, die aber dennoch den käsigen Grundgeschmack der Ursprungssauce transportieren sollte. Ich finde das ist mir gelungen. Einige Esslöffel landeten da in meinem Bauch, noch bevor sie auf dem Teller landeten. Etwas Curry und ein paar herrlich süße Aprikosen landeten in der Sauce, denn diese Woche hatten wir die ersten Aprikosen, die wirklich aromatisch waren. Ich hätte direkt die ganze Kiste kaufen können.

Das ganze ist quasi eine fruchtige pikante Currysauce- Käse Sauce geworden, was ganz wunderbar zum süß herben Geschmack des grünen Spargel passte.

Aber hier nun die genauen Rezepte: 


 

Grüner Spargel mit karamellisierten Aprikosenstückchen,

dazu kleine Kartoffelplätzchen aus italienischen Frühkartoffeln und ein fruchtig, pikante Variante der veganen „Mac n cheese“ Sauce.

 

Zunächst zu den Kartoffelplätzchen (Für 1 bis 2 Personen)

  • 600g Frühkartoffeln
  • 1 EL vegane Butter oder Margarine
  • 2EL Kartoffelmehl
  • ein paar Zweige frischer Thymian
  • Salz, Pfeffer Muskatnuss und Hefeflocken nach belieben
  • 1EL Öl zum bestreichen

Kartoffeln kochen, noch heiß pellen, durch eine Kartoffelpresse drücken oder mit dem Kartoffelstampfer zusammen mit der Butter/Margarine zu einer homogenen Masse stampfen. Kartoffelmehl unterrühren, mit den Gewürzen abschmecken. Ich hab noch 1 EL Hefeflocken hinzugefügt. Masse ausdampfen lassen.

Den Ofen auf 200ºC /Umluft vorheizen.

Kartoffelmasse in einen Gefrierbeutel füllen, , zu einem Spritzbeutel drehen, anschließend eine der unteren Spitzen abschneiden und, in nicht zu kleinen Abständen, kleine Kartoffelkreise auf das Blech klecksen. (Zur Not tut es hier auch ein Teelöffel.) Mit einem Tee- oder EL die Kartoffelmasse ein wenig flach drücken.

Abschließend die Kreise nacheinander mit Öl bepinseln in den vorgeheizten Ofen schieben.

In ca. 15-20Min. auf mittlerer Schiene fertig backen.


 Nun zur Sauce (ergibt ca. 600ml+):

Hier geht es zum Grundrezept, an dem ich mich orientiert habe: www.homestead-notes.me

  • 250g Kartoffeln
  • 1 Möhre
  • 1 rote Zwiebel
  • 1TL Senf
  • 4-5EL Hefeflocken
  • 1 EL vegane Butter oder Margarine
  • Saft einer Orange/ oder ca. 150ml Orangensaft
  • 4 frische vollreife Aprikosen /oder getrocknete (dann aber die gelben, sonst wird die Sauce braun. Die gelben sind allerdings geschwefelt)
  • 2TL Jalapeño Lake/ alternativ Zitronensaft
  • 1 ½ TL Curry
  • Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer, Kurkuma
  • 1TL Agavendicksaft zum marinieren

(Wenn ihr getrocknete Aprikosen oder sehr feste Aprikose nehmt: Zuerst den Orangen- und den Agavendicksaft miteinander mischen und die Aprikosen mindestens sechzig Minuten darin marinieren. (Zum Beispiel während man die Kartoffelplätzchen Zubereitet.)

Kartoffeln kleinschneiden, zusammen mit der gehackten Zwiebel, der Möhre in soviel Wasser weich kochen, dass gerade alle Zutaten bedeckt sind.

Die übrigen Zutaten hinzufügen. Alles miteinander zu einer cremigen Sauce aufmixen. (Ich hab den Pürierstab genommen)


Für den karamellisierten Spargel (Für eine hungrige oder zwei Personen)

  • 500g grüner Spargel
  • 4 aromatische frische Aprikosen/ oder getrocknete (die gelben sind geschwefelt)
  • ca. 2EL Agavendicksaft

Von den Spargelenden den holzigen Teil abschneiden, ggf. das untere Drittel des Spargels schälen.

Ofen auf 180ºC / Umluft vorheizen.

Spargel auf ein leicht mit Öl bepinseltes Backblech geben, die in Stückchen geschnittenen Aprikosen gleichmäßig darüber verteilen, Spargel- Aprikosenmischung mit Agavendicksaft beträufeln und ab damit in den Ofen.

In ca. 20 Min., auf mittlerer Schiene fertig backen (bis die Spitzen zu bräunen beginnen)

Guten Appetit.

 

14 Kommentare zu „Grüner Spargel mit karamellisierten Aprikosenstückchen, dazu kleine Kartoffelplätzchen aus italienischen Frühkartoffeln und eine fruchtig, pikante Variante der veganen „mac ’n’cheese“ Sauce. Eine Dekonstruktion.“

  1. Eine kulinarische Philosophie Stunde um unser täglich Brot. Zwar hatte ich mir über das Zusammenwirken von Kindheit, Zerstörung und Erneuerung noch nie Gedanken gemacht, aber es passt tatsächlich in meine kreative Kochweise, denn ich nehme regelmäßig meine gewohnten und geliebten Speisen auseinander um unbekanntes Land zu betreten. Zu sehen bekommt jeder natürlich nur die Leckereien, aber ich lerne mehr aus den Fehlversuchen, die mich der perfekten Geschmacksrichtig wieder ein Stück näher bringen. Also bedanke ich mich artig und verbeuge mich tief vor der Queen of Leckerness und ihrem unentdecktem Schlaraffenland – Merci liebste Rohnifer 🙂 ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. Das innere Kind in uns lebendig zu halten ist doch der Schlüssel zu jedem kreativen tun, oder? Egal ob in der Küche oder generell im Leben. Dieser Gedanke kam mir beim schreiben. Ursprünglich hatte der Text, thematisch, einen ganz anderen Inhalt…Unbekanntes Land zu betreten. Dieser Gedanke beschäftigt mich zur Zeit sehr. Lieber Arno. Ich danke dir sehr für deinen ganz wundervollen Kommentar.. Ich sehe es so wie du, Fehler sind wichtig, denn nur wer Fehler begeht, lernt auch mit ihnen umzugehen.
      Irgendwann geht bei jedem Mal etwas schief. Da ist es gut innerlich vorbereitet zu sein. 😉 –
      Danke für die Verbeugung. Ich knickse ebenfalls und bringe ein paar Kekse mit.
      Liebe Grüße,
      Rohnifer ❤ 😉

      Gefällt 1 Person

  2. Schööööön!!!! Jeny!!!! Ich liebe Kartoffelplätzchen und habe auch oft das Problem der Sortenwahl, bzw. ich habe hier keine Wahl und muss nehmen, was gerade halbwegs passt. Generell mag ich auch lieber die glatten, aber Du hast Recht, auch ich esse seitdem ich vegan lebe ab und zu gerne die mehlige. ????? und die Sauce kann man gar nicht zerstören, ich finde man hat einfach ein paar Basics und dann wird die Kreativität gefragt, Abwechslung muss sein und ich werde auch jeden Fall auch mal Aprikosen und Curry versuchen, denn das klingt sehr verführerisch.
    Lieben Gruß ( ich komme mal wieder direkt aus Berlin mit Stau und muss mal sehen, was mein Kühlschrank noch her gibt)
    Marlies

    Gefällt 2 Personen

    1. Daaanke Marlies! 🙂
      Dieses Essen war so köstlich. Von den Kartoffelplätzchen bis zur Sauce. Es war einfach perfekt.
      Ohne deine Vorlage hätte es dieses Essen nicht gegeben und es hat wirklich einen riesen Spaß gemacht, sich an der Sauce auszutoben.
      Ich freue mich wirklich sehr, dass dir das Rezept gefällt. (Ein bisschen erleichtert bin ich auch ;-))
      Wenn du wirklich mal Zeit findest, die Sauce zuzubereiten, lass mich wissen, wie es dir geschmeckt hat.
      Danke nochmal für die kreative Anregung.
      (Ach, du bist da doch routiniert wie Macgyver. Ich bin mir sicher du könntest selbst aus einer Möhre, einem Blatt Petersilie und einem Glas Senf noch ein spitzenmäßiges Drei-Gänge Menü zaubern)
      Lieben Gruß,
      Jenny 😉

      Gefällt mir

      1. Liebe Jenny, da ist zuviel der Ehre!!!! Momentan sieht es bei mir recht spärlich aus, Zeitmangel und irgendwie ist der Kopf auch nicht frei fürs kreative Kochen, es geht also spartanisch zu, mal frisch – mal TK ( da habe ich zuviel im letzten Jahr gehortet und nun habe ich den Salat, bzw. den Spinat). Ich hoffe auf bessere Zeiten, bin aber zuversichtlich.
        Lieben Gruß Marlies

        Gefällt 1 Person

    1. Ach herrje. Da erzähl ich dir wohl lieber gar nicht erst von meiner scharfen Bananen Erdnusssauce! Doch, was verstörend beginnt, kann manchmal ganz wundervoll Enden, besonders, wenn es um karamellisierte Aprikosen, in Kombination mit grünem Spargel geht.
      Also, immer ran an das gute Gemüse. 😉
      Und lieben Dank für das Kompliment!
      Ver(z)ückte Grüße,
      Jenny

      Gefällt 1 Person

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