Red Shot. Dornröschen Schlaf

Wie Seelenruhig einschlafen, wenn im Hintergrund die halbe Menschheit ausgerottet wird? Darauf wusste ich keine Antwort. Ich wälzte mich unruhig im Bett hin und her, während hinter mir die Welt zu Grunde ging. Einer um dem Anderen verschwanden sie. Unbarmherzig wurden sie zurück gelassen, fanden letztendlich den ewigen Schlaf, denn es gab kein entkommen. Ein bisschen Schlaf hätte ich auch gern gefunden, doch ich stand ja nicht mal im Drehbuch. Die Marktfrau steht nie im Drehbuch und falls doch, dann taucht sie höchstens im Hintergrund auf, um hoch konzentriert und so natürlich wie möglich am Blumen Arrangement herum zu nesteln oder so. Hätte ich in jener Nacht im Drehbuch gestanden wäre ich wahrscheinlich eine der Ersten gewesen, die zum Zombie mutiert wären und wahrscheinlich hätte ich davor nicht mal ein läppsches Lauf! oder Oh, mein Gott! Wir werden alle sterben! von mir geben dürfen. Ich hätte einfach stumm abtreten müssen. Vielleicht hätte ich ja wenigstens ein bisschen röcheln und/ oder sabbern dürfen… Ich finde das nicht gerecht. Ein schlichtes Frau Stöcker, ist ihnen heute nicht gut?, bevor die alte Frau Stöcker tollwütig, zitternd ihre Gehhilfe zur Seite schmeißt und mit einem Satz erst auf der Theke und kurz darauf an meinem Gehirn hängt, das wäre schon schön. Wenn man denn unbedingt infiziert werden und in Folge dessen mutieren muss, dann doch bitte mit einem Minimum an Stil und hörbarer Artikulation. Ich finde ich hätte da ein Recht auf ein paar letzte Worte .

Warum stehe ich als Marktfrau eigentlich nie im Drehbuch? Die zu Beginn leicht naive Marktfrau die innerhalb von 90Minuten zur furchtlosen Welt Retterin heranreift, weil sie sich plötzlich mit einer, durch ein Gurken-Pestizid mutierten und merklich dezimierten Menschheit konfrontiert sieht, würde sicherlich alle Besucherzahlen sprengen.

Die Marktfrau. Mit Schürze und Chuzpe, und einem ganzen Koffer voller immunisierender, bunter Smoothies, kämpft sie für das Fortbestehen der Menschheit. Biologisch. Dynamisch, gerecht und garantiert ohne Zusätze. Ein B-Movie der nachhaltigen Art eben.

Den anschließenden Boom in den Bio Supermärkten kann man wohl nur erahnen…

Und nebenbei bliebe sicherlich noch Zeit für ein kleines Intermezzo mit einem leicht bedreckten und genau richtig verschwitzten Sixpack Leckerchen in Jeans und Unterhemd, das mir die nötige Durchhaltekraft spendet und nebenbei schon mal die Schluss-Szene vorbereitet, indem es so mobilisierende Sätze sagt wie: Du bist nicht allein! Ich bin immer bei dir. oder Eines Tages werde ich dir dieses besondere Erdnussbuttereis mit Schokostückchen kaufen, dass dich an deine Kindheit und deinen Vater erinnert, und dabei werde ich deine Hand halten und mit dir gemeinsam in den Sonnenuntergang gehen, was natürlich nicht eintritt, weil ich das Leckerchen kurze Zeit später notgedrungen erschießen muss. Er wurde nämlich infiziert. Ich hatte keine Wahl. Ich musst es tun. Er hätte genau so gehandelt.

Am Ende werde ich aber sicherlich noch einmal an ihn denken, spätestens wenn ich Blutverschmiert und schweigend im Sonnenuntergang sitze und erst mal in Ruhe mein wohlverdientes, selbst gekauftes Eis genieße.

Er hätte die beiden Frauen halt nicht erschießen dürfen… Nicht wegen des bisschen Benzins. Das waren gute Christinnen gewesen. Die erschießt man nicht einfach so, nicht wenn amerikanische Flaggen im Hintergrund wehen. Hätte er sich auch gleich denken können der Idiot. Außerdem. Ich hatte es ihm wieder und wieder gesagt. Ich sagte ihm er solle die Finger von diesen billigen, belegten Brötchen lassen. Inverstier lieber einen Euro und ein wenig Zeit mehr und gönn dir ’nen Smoothie. Nein, es sei keine Verschwendung sondern eine Investition in seine Gesundheit. Genau das sagte ich ihm. Dann drückte ich ab. – Red Shot. Du hättest ihn einfach trinken sollen.

Endlich schlief ich ein.


Red Shot

Zur Vermeidung von Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihre Marktfrau oder Biofachverkäuferin…Und hören sie unbedingt auf ihre Frau.

***

350g Sauerkirschen (gefroren)

2 kleine Bananen

1 Medjooldattel

im Mixer mit Wasser auffüllen bis alle Zutaten beinahe bedeckt sind.

Mixen und, nach einem viel zu heißen Markttag,

eiskalt genießen.


9 Kommentare zu “Red Shot. Dornröschen Schlaf”

  1. Endlich einen Moment für mich, morgens, eine große Tasse Kaffee und dein Text. Smoothies trinke ich nun regelmäßig, mit Kräutern oder Gewürzen wie Zimt. Zombies sind wir irgendwie alle, fast täglich und Helden stehen eigentlich nicht in der ersten Reihe, denn da leben sie nicht lange genug um einer zu werden. Helden sind klassische Alltagsmenschen, welche unbeirrt ihren eigenen Weg gehen, ohne missmut, neid und erhobenem Zeigefinger. Dankeschön Heldin und grüße Rohnifer von mir ❤

    Gefällt 1 Person

    1. Und? zeigt der regelmäßige Smoothie Konsum schon Wirkung. Ich habe vor ein paar Wochen auch wieder angefangen und fühle mich seitdem viel fitter, was kein Wunder ist, da ich sonst den ganzen Tag fast gar nichts esse.
      Es ist wirklich schön und sehr aufmerksam von dir, dass du dir immer wieder Zeit für meine Texte nimmst. Du und deine Feine Auffassungsgaben ihr wisst einfach wie wichtig mir das ist. ❤
      Ja. Manchmal fühle ich mich auch wie ein Zombie und dann wird mir alles zuviel. Aber allein die Entscheidung für den Biohof zu arbeiten weist den in eine andere Richtung, nicht in der ersten Reihe stehend, dafür aber gemeinsam mit anderen, in dieselbe Richtung blickend. Den Zeigefinger können andere erheben.
      Wir reichen uns lieber die Hand, nicht wahr?
      Die Grüße umgehend weitergeleit, du Alltagsheld. ❤ 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, es ist erstaunlich. Ich frühstücke und so um 15 Uhr kommt ein kleiner Smoothie (etwa 300 ml), der mir dann Energie bis 19 Uhr gibt und ich damit besser arbeiten kann, anstatt mittags zu kochen oder richtig zu essen, was meine Konzentration stört. Also ist es eine ideale Verlngerung meine Arbeitszeit ohne große Pausen 🙂 Dankeschön für die kulinarische Erziehung ❤

        Gefällt 1 Person

      2. Sehr gern. 😀
        Ich kann durchweg nachvollziehen, was du sagst. Ein Smoothie ist lecker, schnell gemacht und der Körper muss einfach nicht so viel Energie aufwenden, um ihn zu verarbeiten. Da bleibt mehr Kraft für Körper und Geist übrig. Um so mehr zelebriere ich dann das Abendessen. Schön lang und ausgiebig.
        Diese nach 19.00Uhr nichts mehr Essen Regel, der manche anhängen, ist mir da eher suspekt…
        Schön, wenn ich dir was gutes tun konnte. ❤

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s