Knäckebrot , vegan

Knäckebrotsdottir und Die Königin des Fußballs, Heute und vor 30 Jahren.

Eine besonders knusprige Knäckebrotvariante mit Haferflocken, gemahlenen und gehackten Haselnüssen und Tonkabohne. Der kräftig, nussige Geschmack ist ein hervorragender Begleiter zu Süßem, wie Johanisbeermarmelade oder Schokoaufstrichen, passt aber auch sehr gut zu herzhaften Beilagen, wie veganem Käse, Ofengemüse oder einem leckeren (Kräuter)Dip.

Es gibt eine Zeit, die liegt so viele Jahrzehnte zurück, dass ich mich nicht an sie erinnern kann. Die Zeit existiert nur noch auf Fotos. Sie zeigen ein kleines Würmchen, mit Windel und Sonnenmützchen bepackt, das lachend auf Mamas Knien sitzt, während eine Handvoll verschwitzter Frauen lose im Kreis um die beiden herumsitzt. Sie essen, sie trinken, einige sind ins Gespräche vertieft. Manche beobachten das Würmchen, wie es da so fröhlich in die Kamera gluckst. Die meisten von ihnen tragen dasselbe Kostüm. Ein Shirt, die farblich dazu passenden kurzen Hosen, ein Paar lustiger Kniestrümpfe. Bei manchen blitzt unter den Kniestrümpfen etwas seltsam plastisches hervor. Seltsam genoppte Schuhe, die garantiert keine Highheels sind verteilen sich im Gras. Das einzige, das die Frauen voneinander unterscheidet sind die Zahlen, die sie auf dem Rücken tragen. Sie sind die Frauen des ETuS Gelsenkirchen. Meine Mama war eine von ihnen. Jahrzehnte lang.

Ich selber habe als kleiner Döps ein paar Jahre für den SV Höntrop gekickt, genau wie mein Vater und meine beiden Brüder es taten. Der Fußball spielte immer eine große Rolle in unserer Familie. Er war da von Anfang an. Er begleitete mich als Baby, das die Seitenlinie entlang krabbelte, als Mädchen, das der Papa auf seinen Schultern ins Parkstadion trug, als Frau, die nur noch gelegentlich hinschaut, dann aber unmittelbar in diesen genetisch bedingten Sog gezogen wird, der schwitzige Hände und Herzrasen zur Folge hat, der mich unruhig hin und her tigern und mit dem Kissen die Couch verprügelt lässt, wenn der Ball mal wieder bei Oma auf der Tribüne landet statt im Tor. Ist doch egal, was andere denken.

Das Mädchen stand Jahrelang mit den Jungs auf dem Platz. „Guck mal! Ein Mädchen. Haha!“ Ja, haha, bis das Mädchen ihnen die Bude voll schoss… Manche Tore vergisst man nicht. Nie. Besonders nicht, wenn man eigentlich in der Defensive spielt. In solchen Momenten wurde dann aus dem herzhaften Ha – ha, oftmals ein eher schmerzhaftes und ungläubiges bu-hu- hu! Man darf doch nicht gegen ein Mädchen verlieren!.. Aber wie hätten die kleinen Jungs auch anders reagieren sollen, bei Vätern die sich Bier trinkend um die Seitenlinie versammelten und feixend den Trikottausch forderten? So war das halt vor 30 Jahren. Der Neandertaler existierte lange vor unserer Zeit. Ganz Aussterben wird er wohl nie. Die Damen juckte das herzlich wenig. Sie machten ihr Spiel und hatten ihren eigenen Spaß.

Die Damenmannschaft des ETuS Gelsenkirchen, sie waren das, was die Isländer heute sind. Außenseiter. Nicht viel mehr als ein paar Deppen, die man belächelt. Deppen, die plötzlich im Viertelfinale einer Europameisterschaft stehen…

Und, wenn meine Mama dieser Tage Fingernägel kauend neben mir sitzt. Sie, die noch nie in ihrem ganzen Leben, einen Gegner vermöppt hat, egal ob nüchtern oder betrunken. Sie, die statt eines Trikottauschs lieber genauere Pässe fordert, da huscht ein kleines nostalgisches Lächeln über meine Lippen und die Gedanken schweifen zurück. „Mensch, die müssen doch mal den Ball mehr laufen lassen!“ Das fordert fünf Sekunden nach meiner Mutter auch der Kommentator.

Ja, wir wissen, wer die wahren Deppen von König Fußball sind und, wo sie sich ihre Meinung getrost hinstecken können. Ob sie dabei ihre Trikots tauschen ist uns eher herzlich egal. Für uns zählen letztendlich nur der Fußball und der Spaß an der Sache. Ob König oder Königin, wen interessiert das schon?

Doch, das ist nur die Meinung einer Frau die nie gelernt hat, auf High Heels zu gehen und eines Mädchens, das mit dem Geruch von Holzkohle, Zitronentee und roter Asche eine Kindheit verbindet.

Zum Rezept:


-Knäckebrotsdóttir-

…mit Haselnüssen und Tonkabohne

Zutaten für ein ganzes Backblech:

  • 100g Haferflocken
  • 100g Mehl (Hier Dinkelmehl Typ 630)
  • 80g gemahlene Haselnüsse
  • 100g gemischte Nüsse und Saaten (gehackte Haselnüsse, Sesam, Leinsamen)
  • ½ TL Salz
  • 3EL Öl
  • 1EL Rohrohrzucker oder Süße nach Wahl
  • 250ml Reismilch, 150ml Wasser
  • Eine halbe geriebene Tonkabohne (oder Vanille)

Zubereitung:

Alle Zutaten, bis auf die gemischten Nüsse und Saaten miteinander vermengen, mindestens 30Min. quellen lassen. Nüsse und Saaten unterheben und verrühren. Teig möglichst dünn und gleichmäßig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen, im vorgeheizten Ofen knusprig ausbacken. Nach ca. 15Min. kurz rausnehmen und vorschneiden, sonst kann man die Scheiben hinterher nicht mehr auseinander brechen.

Zwischendurch ruhig mal die Ofentür öffnen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.

Zubereitungszeit:

 Mittlere Schiene bei 175ºC Umluft, ca. 30 -45Min.

11 Kommentare zu „Knäckebrotsdottir und Die Königin des Fußballs, Heute und vor 30 Jahren.“

    1. Danke dir wertes Fräulein Blume. Das sind ein paar ganz kostbare Erinnerungen für mich. Das letzte Foto könnte ich mir stundenlang ansehen. Das Schlafende. Danke dir fürs lesen.- Ich hab insgeheim auch auf die Isländer gehofft, bin aber nach dem Nervenaufreibenden Deutschland Spiel ganz froh, dass es gestern etwas weniger dramatisch von statten ging. 😉

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