Gefüllte Paprika mit Walnussreis, Zaziki und Ofen-Bete.

Ein komplizierter Esser war ich nie, doch seit ich als Marktfrau arbeite und ein bisschen nachjustiert habe, was die Ernährung betrifft, hat sich mein Geschmacksempfinden doch ein wenig verändert bzw. sensibilisiert. Vor einigen Jahren bekam ich einmal eine Präsentkorb geschenkt, so groß wie ein Wäschekorb, voll mit Keksen, Schokolade und Pralinen. Das Ergebnis eines Geburts-Tages, denn ich hatte einen gewissen ruf. Wie Pipi Langstrumpf im Süßigkeiten Laden, genau so fühlte so dieser Korb an, den ich fest umschlossen auf meinem Schoss hielt, während die Augen wie Sterne leuchteten. Meine einstige Mitbewohnerin nannte mich gerne das Trap – Trap Monster, ein kleines Monster in Adiletten das vorzugsweise Nachts, durch die Flure schlurfte und schnurr-stracks auf den Nutellaschrank zu trippelte, bewaffnet mit einem Löffeln und der losen Absicht zu vernichten, meist restlos, was schließlich dazu führte, dass das Monster eines nachts den Schrank öffnete und statt des Nutellas einen Post-it mit der Aufschrift: „Hier stand mal ein Nutella Glas.“ vorfand, während die Mitbewohnerin wahrscheinlich gerade selig schlummernd ein Glas im Arm hielt…

Und auch einer meiner Ehemaligen wurde es nicht müde Freunden und Familie die gruselige Geschichte einer unvergesslichen Nacht zu erzählen, in der er aufwachte und sich, statt neben seiner Freundin, neben einem Monster wiederfand, das an der Bettkante sitzend, leffzende und knisternde Geräusche von sich gab, während es sich vorgebeugt, im Schutze der Dunkelheit, über eine Packung Celebrations her machte. Schmatzend…Kauend… Was machst du da? … Hm. Essen? Seitdem sprach er von mir als  I am Legend, der Infizierten… Schon peinlich. Irgendwie. Das Positive an der Sache war, dass sich danach eine Art Allianz zwischen meiner Mitbewohnerin und meinem Freund bildete, obwohl die beiden sich eigentlich gar nicht ausstehen konnten. Essen verbindet eben doch. Schön.

Solche nächtlichen Vorfälle gehören der Vergangenheit an. Die meisten dieser Süßigkeiten schmecken mir heute entweder nicht mehr oder sie sind nicht vegan oder ich habe einfach für mich begriffen, dass meinem allgemeinen mentalen Befinden nicht allzu förderlich sind und schlafe statt dessen lieber durch und esse dann morgens mehr. Aber, wenn heute jemand an mich heran tritt, beinahe widerwillig drei Aprikosen kauft und dabei sagt er oder sie sei ja so eine Süße/r,  beim Fruchtzucker müsse man ein wenig aufpassen, dann muss ich gelegentlich (schmunzelnd) den Kopf schütteln, denke an vergangene Nächte und frage mich und manchmal auch den Kunden ob es nicht mehr Sinn machen würde jetzt ein Kilo Aprikosen, als später dann ein Glas Nutella zu essen. Aber gut, jeder Jeck ist anders und jeder Jeck hat seinen eigenen Weg beziehungsweise seinen eigenen Ernährungsguru mit wissenschaftlich untermauerter These, mit der jener seinen nächsten Jamaica Urlaub gut finanziert sieht…

So, und eigentlich wollte ich auf Paprika und Zaziki zu sprechen kommen und frage mich kurz wie ich auf die Süßigkeiten kam…Endet es nicht immer im Dessert…Ach, ja. Es ging um die sensibilisierten Geschmacksempfindungen. Seit ich als Marktfrau arbeite esse ich ein beinahe jedes Obst und Gemüse, was ich zwar vorher auch schon tat aber nun richte ich mich mehr nach dem Jahreszeitenrad. Wenn’s auf den Punkt gereift und auf die persönlich richtige Art zubereitet ist schmeckt es gleich viel besser und aromatischer. Sogar Gurken. Ich sagte es schon vor einiger Zeit: Gurken erinnern mich geschmacklich immer ein bisschen an unreife Melonen und gehören nicht zu meinen Lieblingssorten, doch gepaart mit Erdbeeren und einem süßen Agaven-Senf Dressing

oder wie heute in Form von Zaziki sieht die Sache ganz anders und zudem viel appetitlicher aus. Lecker! Das Zaziki Rezept ist heute mal eine Art Familienrezept, nach Mutti und war ursprünglich ein Salatdressing, ohne Gurke. Danke Mama. Die Gurkenwelt fürchtet dich nun.

Was am Ende des Tages übrig bleibt ist die arme Petersilie. Weit abgeschlagen und allein zurückgelassen. Die fasse ich nicht an, denn da wird mir allein vom Geruch schon übel. Ich hungere, derweil ein kleines Monster, eigentlich schlummernd, träge ein Auge öffnet. Etwas überlebt ja immer…

Zum Monsterfreien Rezept:


Gefüllte Paprika mit Walnussreis Zaziki  und Ofen-Bete

dazu kleine Kartöffelchen

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Für eine hungrige oder zwei Personen

Zutaten Zaziki:

1 Landgurke ca. 200g (die wässern weniger als Schlangengurken, dadurch wird das Zaziki fester)

8 EL ungezuckerter Pflanzenjoghurt (Hier mal Soja-Mandel aus dem Reformhaus)

2 EL vegane Mayonnaise

2 EL Weißweinessig

1 EL Reissirup oder etwas weniger andere Süße nach Wahl

2 kleinere Zehen gepresster Knoblauch

ca. 10 Stängel Dill, gehackt

Meersalz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung:

Die Gurke über einem Sieb fein raspeln, mit der Hand ein wenig von der Flüssigkeit herausdrücken, zur Seite stellen und abtropfen lassen. Alle anderen Zutaten miteinander verquirlen, zum Schluss die Gurke unterheben, mit Salz, Pfeffer und ein wenig Muskat abschmecken. Im Kühlschrank ziehen lassen.

Zutaten gefüllte Paprika mit Ofengemüse:

4 Paprika

1 Tasse (Jasmin) Reis ca. 125g

4 Rote Bete Knollen, mittlere

10 kleinere Kartoffeln

1/2 Tasse Walnüsse

Meersalz, Pfeffer, Hefeflocken

Semmelbrösel

Zubereitung:

Den Reis nach Anleitung kochen. Die Walnüsse hacken und in einer beschichteten Pfanne trocken anrösten.

Den Backofen auf 200°C Umluft vorheizen.

Kartoffeln und Rote Bete putzen und halbieren, auf ein mit Backpapier ausgelegtes und leicht mit Salz bestreutes Backblech legen. (Rote Bete mit ein wenig Reissirup beträufeln.)

Den Deckel von den Paprika abschneiden, Paprika entkernen.

Den fertigen Reis mit den Walnüssen mischen (1 EL für das Topping übrig lassen), 2 EL von dem Zaziki unterheben, mit einem Schuss Weißwein fein süß-säuerlich abschmecken. Den Reis in die Paprika Schoten füllen.

3 EL von dem Zaziki mit 1 EL Hefeflocken, 3 EL Semmelbrösel und den restlichen Walnüssen mischen und jeweils einen Klecks oben auf die gefüllten Paprika geben, auf das Backblech setzen, die Paprika-Deckel separat auf das Blech legen.

In ca. 35 Min. fertig backen. Mit einem Klecks Zaziki servieren.

 

 

18 Kommentare zu “Gefüllte Paprika mit Walnussreis, Zaziki und Ofen-Bete.”

  1. Du kennst mich oder du bist mir ähnlich – das mit dem Nutellaglas könnte ich sein. Im Gegensatz zu dir, aber noch heute. Da ich aber ein kleiner Moppel bin und meinen Körper recht lieb habe, stehen die Gläser nicht mehr bei mir rum. Fällt mir aber eines in die Finger, dann wird es gnadenlos vernichtet.
    Vieles, das mir früher schmeckt und eigentlich industrieller Schrott ist, bereitet mir heute keine Freude mehr. Viel lieber schnappe ich mir Frisches und bereite daraus feine Kleinigkeiten zu. So hübsch wie bei dir sehen sie selten aus. Aber Zaziki gibt es bei mir auch oft – ebenfalls nach Mamas Rezept. Unseres ist spartanischer. Vollfetter Joghurt, eine schöne Gurke, Knoblauch, Salz, Pfeffer, ein Spritzer Zitronensaft und nix weiter. Deine Variante werde ich aber sicher mal testen.

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebste Mitzi, da weiß ich ja womit ich dir eine kleine Freude bereiten könnte. Zwei Löffel, du und ich und das Glas. Dazu ein schönes Wein 😉
      Seit ich blogge hat sich auch bei mir um den Bauch herum eine kleine Moppelschicht gebildet aber was soll’s, der nächste Winter kommt bestimmt. Dein spartanisches Rezept gefällt mir ebenfalls sehr gut. Vegane Mayo habe ich so selten im Haus, da gibt es bei mir oft die abgespeckte Variante. Die Tafel Schokolade nach dem Essen schaffe ich noch locker. An Nervennahrung sollte man nicht sparen!
      Liebe Grüße 😉 ❤

      Gefällt 3 Personen

  2. Danke für das sehr nette Vorgespräch, ich habe aufmerksam zugehört 😀 Rote Beete habe ich schon mehrmals versucht, aber nur als Gemüseeinlage zu Dingens (du weißt schon) ist es als spätere Saucengrundlage gut, sonst geht es nicht so an mich. Die gefüllten Paprika finde ich wirklich klasse und Kartöffelchen mit Zaziki ist einfach nur lecker 🙂 ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. Zu Dingens 😀 Ja, vielen Dank. Rote Bete gehört auch nicht zu meinen Lieblingsgemüse-Sorten, doch mittlerweile esse ich sie ab und an, was ich früher fast nie getan habe. Da kannte ich aber auch nur sie vorgekochte Variante. Gebacken oder noch besser frisch und geraspelt, als Salat angemacht, schmeckt sie mir am besten.
      Als Smoothie Zutat, in Kombi mit Orange oder Mango kann ich sie ebenfalls sehr empfehlen, dann aber ohne Bananenzugabe, weil beides sonst sehr dominant durchschmeckt. Das Rote Bete Grün habe ich gerade im Kühlschrank. Es schmeckt ein bisschen wie milder Mangold. Ich gerate ins Schwärmen… 😉
      Vielen Dank du lieber, aufmerksamer Arno 😉
      Leckere Grüße, 😀
      Jenny ❤

      Gefällt 1 Person

    1. Ach, ja Lieber Jules,
      Man hat ja auch soviel im Kopf. Ich vergesse auch ständig, allerdings eher wichtiges, weil meine Gedanken sich ständig in Kleinigkeiten verlieren…Für dich wäre es wahrscheinlich sinnvoller gewesen einen Cartoon vom Rezept zu zeichnen, doch leider kann ich nicht annähernd so gut zeichnen wie du. 😉
      Welch Glück, dass es hier eine Druck-Funktion gibt. Das rettet uns beiden den Tag und die Mahlzeit.
      Danke für’s Kompliment und
      Guten Appetit, Jenny 😉

      Gefällt 2 Personen

  3. Ein fröhliches Hej von der Sofa-Katze!!! Und nun wieder im Büro. Ach war Dein Beitrag wieder schön 😃 meine Mittagslektüre! Ich sehe Dich vor meinem inneren Auge: mit zwei Zöpfen und dem kleinen Onkel, einen großen Sack Süßes und von einem Ohr zum anderen grinsend😊. Ich hätte früher auch locker abends zwei Tafeln Schoki vertilgen können, monstermäßig! Rote Bete find ich übrigens gebacken auch köstlich! Auch dann gehobelt über Salat mit einem OrangenDressing…jamm!!!
    Aber was ich eigentlich sagen wollte: You made my day! 😊 Grüße aus dem sonnigen Hannover!!!

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    1. Danke dir kleine Sofa-Katze 🙂
      Schokolade bleibt ein Grundnahrungsmittel, auch wenn ich da heute mehr Maß halte und ziemlich wählerisch geworden bin, was die Qualität betrifft. Es ist wirklich faszinierend, wie die Sinne sich verfeinern, sobald man mal ein paar Wochen auf weißen Zucker verzichtet hat…Das mit dem Orangen Dressing klingt super lecker. Das probier ich mal, wenn es wieder Orangen gibt, doch bis dahin haben wir ja Gott sei Dank noch ein paar Wochen 😉
      Ich drück dich und wünsche dir ein sonniges Wochenende. Hier gießt es wie aus Badewannen aber das ist ok. Kakaohaltiges Kuschelwetter ist was feines. 😉
      Lieben Gruß, Jenny

      Gefällt 2 Personen

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