Veganer nerven!

Kann man Menschen belehren?
In einem gefühlten früheren Leben habe ich mal Soziale Arbeit studiert. Und auch, wenn ich danach nie in diesem Berufsfeld gearbeitet habe (wobei ich das als Marktfrau des Vertrauens mal stark in Frage stelle) etwas entscheidendes hat mich dieses Studium schon gelehrt, nämlich was Toleranz. Wertschätzung. Und Annahme bedeuten.
Der Titel meiner Bachelorarbeit lautete „Das Enneagramm im Dialog mit Martin Buber„. Esoterischer Humbug haben da manche gedacht.
Doch, das ist das Enneagramm nicht. Nicht für mich jedenfalls.
Denn, dieses schnöde etwas hat mich erkennen lassen, dass wir, in unserem Mensch-sein, zwar alle miteinander verbunden aber eben nicht alle gleich sind. Die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, wie wir in ihr fühlen, denken und handeln unterscheidet uns, mal mehr, mal weniger, voneinander. Mittlerweile bin ich lockerer. Im Umgang mit anderen aber auch mit mir selbst. Und ich kann nicht sehen, was DARAN humbug sein soll?
Als Bio-Marktfrau habe ich das Glück mich in einem mehrheitlich toleranten Umfeld bewegen zu dürfen. Doch auch ich kenne natürlich die Blicke und die Sprüche, die kommen, sobald man erzählt, dass man auf tierische Produkte lieber verzichtet. Annodazumal niedergeschrieben in „Spieglein, Spieglein an der Wand – Die vegane Pest zog einst durch unser Land„.
Militante Veganer? Kenn‘ ich auch. Ich durfte mir tatsächlich schon mal einen mehrminütigen Vortrag anhören, einfach nur, weil ich einen Cappuccino mit Milch! getrunken habe. „Ich denk du bist vegan?“ – Nein, ich bin ein Mensch.

Ganz locker aus der zauberhaften Hüfte wirft nun die Liebe Sue von „DER HERBIVOR“ in „Veganer Nerven!“ die Frage auf ob es wirklich die „alternativ Köstler“ sind die mit ihrer militanten Art nerven? Sue’s Beitrag ließ mich schmunzeln und ich danke dir sehr für die kleine Gedankenflut, die dein humoriger aber irgendwie ja auch bewegender Beitrag in mir ausgelöst hat…

Ich sage bewusst „alternativ Köstler“, denn ich denke egal ob Low Carb, High Carb, Vollwert oder „Die Brigitte Diät“ – Anhänger, jeder hat mit Vorurteilen von Außen zu kämpfen und es nervt einfach sich ständig für sich selbst und die eigene Ernährungsweise rechtfertigen zu müssen.
Man kann ja eine Meinung haben. Man kann sie auch kundtun, für sie ein- und aufstehen.
Doch anderen Menschen den eigenen Weg krampfhaft einverleiben zu wollen halte ich für gewaltsam und schlicht falsch.
Is nicht mein Ding. Da knabber ich lieber weiterhin an meinem bösen Sojaschnitzel und sage wie einst Martin Buber:
„Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas.“

Und nun Viel Spaß! mit Sue’s großartigem Beitrag.

Letztes Wochenende war ich auf einem Familienfest, was in mir das Bedürfnis weckt heute mal wieder etwas aus der „what really grinds my gears“ Reihe los zu werden. Nicht, dass es sonderlich schlimm war, aber es war halt wieder total typisch und etwas, dass mir an anderer Stelle ebenfalls verstärkt begegnet – leider.

Denn kaum nahmen wir, also mein Freund und ich, auf der Bierbank platz, da kam auch schon der erste Kommentar: „Wir haben am Wochenende eine Sendung über Veganismus gesehen, die sagen, dass ist total ungesund!!“

Nun muss man bedenken, dass gerade dieser Zweig der Familie in Bezug auf Essen eher nach dem Motto „Fettig, viel, deftig und bitte Alkohol dazu!“ lebt. Aber gut, im Fernsehen heißt es also mal wieder, vegan sei ungesund. Warum genau konnte nicht wiedergegeben werden, das hat man sich dann doch nicht gemerkt, es reicht ja, wenn man bestätigt bekommt, dass vegan nicht…

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10 Kommentare zu “Veganer nerven!”

  1. Dein Statement unterschreibe ich uneingeschränkt, liebe Jenny. Das Missionarische habe ich in der Vergangenheit immer nur bei Fleischessern erlebt. Man glaubte, mich bekehren zu müssen. Inzwischen hat sich die Stimmung verändert. Indem der Verzicht auf tierische Produkte eine häufig anzutreffende Lebenshaltung ist, sind Fronten enstanden. Viele Fleischesser fühlen sich durch die reine Existenz von Veganern moralisch ins Unrecht gesetzt. Die dummen Witze, die man allerorten hören kann, sind eine Form der Selbstverteidigung hinter der Aggression steckt. Wer billigend in Kauf nimmt, dass zu seinem Genuss Tiere unter bestialischen Bedingungen gehalten werden, wem egal ist, dass Blut vergossen wird, wer sein Steak sogar am liebsten blutig verzehrt, kann sich nicht lösen von seiner tierischen Vergangenheit. Es ist müßig, so einen bekehren zu wollen. Skurril wird es, wenn sich solche Leute für Tierfreunde halten, weil sie einen Hund haben.

    Lieben Gruß!

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    1. Lieber Jules, Dein intelligenter Kommentar ist eine große Bereicherung und für diesen Beitrag. Vielen lieben Dank dafür. Ob deiner blutigen Wortwahl bekomme ich eine leichte Gänsehaut aber du hast natürlich recht. Wir haben eine Fleisch-Vergangenheit, von der sich viele (noch) nicht lösen können oder wollen. Fleisch hat Tradition. Echte Männer grillen und mögen ihr Fleisch schön blutig, tragen dann aber nachmittags den Mops durch die Gegend (Ein Phänomen, das mir zur Zeit häufiger begegnet. Sind Schoßhündchen das neue Holzfäller-Hemd???) Doch der Trend, der ja hoffentlich mehr ein Umdenken, als einen Trend bedeutet, zeigt in Richtung Pflanzen basierte Ernährung.
      Neben den Individuen, die sich durch Pflanzenfresser moralisch ins Unrecht gesetzt fühlen, existiert in vielen Köpfen ja leider noch immer der Irrglaube, dass Fleisch und tierische Produkte zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung dazu gehören. Dabei hat ja gerade der Vegetarismus ebenfalls eine lange Tradition.
      Es fehlt da meiner Meinung nach einfach an Aufklärungsarbeit, um ein moralisches Umdenken voranzutreiben. Ich schrieb es bereits Elena. Warum läuft eine Doku wie „Earthlings“ nicht einfach mal in der Prime Time von RTL? Wir werden täglich mit so viel Mist beschallt…
      Glaub mal, mir wär die Lust auf Fleisch schon wesentlich früher vergangen, hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß! Dieses langjährige nicht-Wissen macht mich heute richtig ein bisschen wütend…
      Ach, es ist einfach das ganze System, das kränkelt, in welchem polnische Erdbeeren und importierte Textilien ungleich billiger sind als heimische Produkte…
      Es gibt einfach viel zu tun.
      Liebe Grüße, Jenny

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    1. Ich will es hoffen, du liebes Blumenmädchen. 🙂 Dankeschön. Es hapert da doch arg an der aktiven Aufklärungsarbeit von Regierung und öffentlichen Medien, die Alternativen aufzeigen und anbieten…In den Medien werden vegetarisch- und vegan Lebende Menschen ja vorzugsweise als querulantische Stolpersteine in früh-abendliche Kochsendungen eingebaut. Der ernsthaft-ethische Hintergrund wird da seltenst aufgetischt und schon gar nicht zur besten Sendezeit. 😉

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  2. Wie recht du hast! Ich bin mittlerweile an gar keinen Gesprächen mehr interessiert, da die Argumente immer die selben sind und dieses „Wir essen nur noch ganz selten Fleisch und dann auch nur vom Bauern um die Ecke“ nicht mehr hören kann. Habe auf der Hochzeit meines Bruders ein wenig von der Torte probiert (ich meine es ist die Hochzeit meines Bruders!!!!), dann kamen sie gleich alle um die Ecke, „Kannst ja auch mal das Steak essen bla bla bla…..“ :/

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    1. Hallo Elena, Ich weiß genau was du meinst. Diese Sätze begegnen mir auch immer wieder und ich lasse sie mittlerweile meist einfach an mir vorbeirauschen. Was soll man zu diesem „Ich esse auch nur ganz wenig Fleisch auch sagen.“ Wobei ich mir schon denke, dass, falls der Satz zu trifft, es ein Schritt in die richtige Richtung ist. Es gibt ja wirklich Menschen, die zu jeder Tages- und Uhrzeit, hauptsächlich Fleisch, Wurst etc. essen. Wie gesagt, jeder hat ja sein eigenes Tempo. Ich halte da einfach die Aufklärungsarbeit für das entscheidene. Wie ungesund Zucker und industriell gefertigte Produkte sind weiß mittlerweile fast jeder. Unter welchen Bedingungen Wurst und Fleisch produziert werden wissen die wenigsten. Warum eigentlich? Warum läuft eine Doku wie „Earthlings“ nicht mal in der Prime Time von RTL, statt irgendwelche Hüpfdohlen?
      Lieben Gruß, Jenny
      PS: Ich hätte die Torte auch probiert! 😉

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  3. Mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen! Ich schließe mich an, auch wenn ich kein Veganer, aber Teilzeit-Vegetarier, Zöli und Teilzeitraucherin bin – und vor allem eins: Mensch! Es gibt viele Möglichkeiten! Und ja: Belehren ist genau das, was unsere Gesellschaft und auch unser Schulsystem (DANKE liebste Blumenfee!!!) krankt! Zwei Semester Lehramt haben mich eigentlich stets positiv gestimmten Menschen echt demotiviert. Aber ich schweife ab: Achtsamkeit und Respekt, sanfte Aufklärung, Toleranz!! Und -Hey – manchmal ist der Hals auch echt so dick (Du glaubst gar nicht, wie oft ich mir anhören muss: „Glutenfrei? Aber die klugen Menschen sagen, dass das gar nicht nötig ist. Du kannst dich ruhig mal probieren…“) „Die klugen Menschen…“ – soso! Und innerlich reckt sich mein Mittelfinger aber sowas von himmelwärts… – äh, ja – also, der Hals ist wie gesagt sooooo dick, da muss ich dann echt nur schreien und sagen: „Ja! And where’s your f***ing problem?“ So – ommmm – darauf eine Runde Yoga! Oder kriegt man da auch gleich noch einen Stempel aufgedrückt?
    Aber ich will nicht so negativ enden: ❤️-liche Grüße an Dich, liebe Rohniffer (ich hab mal Arnos Spitznamen für Dich aufgegriffen, erschien mir gerade so passend!)

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