Bauernfrikadelle vegan

Wenn der Klaus mit die Uschi schick Essen geht, beim Heiner: Bauerfrikadelle auf geröstetem Schwarzbrot – mit Krautsalat aus Spitzkohl, Kürbishumus und Gürkchen.

Also, dieses Rezept war lange mal überfällig. Nein, nicht dieses Rezept aber solch ein Rezept. Ein Ruhrpott Rezept. Denn da komm ich her, aus dem Ruhrgebiet. Geboren wurde ich unterm Mond von Wanne-Eickel, aufgewachsen bin ich später in Wattenscheid. Die meisten kennen lustigerweise eher den Vorort von Wattenscheid. Bochum… Einmal lief im Zug die Durchsage „Nächster Halt Bochum-Wattenscheid-Höntrop“ Ich kann sie sagen! Da hatte der Arsch von den VFL Bahnschaffner aber ordentlich Kirmes bei die Fahrgäste von den RE1. Denn dat heißt Wat-tenscheid! Ohne den VFLer Zusatz…

Heute gibts jedenfalls ne Bauernfrikadelle, nicht ganz klassisch, dafür mit ein bisschen schischi. Dem Rheinländischen Einfluss sei’s geschuldet. Ich hoffe, ihr könnt nach diesem Text ein wenig bisschen verstehen warum ich meinen Blog-Namen gändert habe. Außerdem gibt es heute mal einen konkreten Grund für diese gustatorische Verbindung von Westfalen hin zu Nordrhein.

Denn, erstaunt war ich, als ich vor ein paar Tagen, abermals im RE1 sitzend, das DB Mobil Heftchen aufschlug: „Nordrhein-Westfalen feiert 70 Geburtstag“ hieß es da. Das sogenannte Bindestrich Bundesland sei im August 1946 von den Alliierten errichtet worden. Ich lese weiter und einer meiner ersten Gedanken ist: „Ach, spannend. Köln gehört auch zu NRW.“

Das Ruhrgebiet. Das ist da, wo man sich morgens nach dem Sportunterricht erstmal ne ordentliche Currywurst- Pommes holen geht, anne Bude. Im Wattenscheid, da kannste mit den 389er zum August-Bebel Platz fahren. Ein Stückchen weiter siehste dann den renaturierten Förderturm der stillgelegte Zeche Holland. Industriekultur! Von Wattenscheid aus steigste um inne 302. Die fährt vorbei anne Glück auf Kampfbahn, direkt nache Arena auf Schalke und unterwegs auffe Kurt-Schuhmacher Straße kannste dich schon mal warm singen mit die Kumpels vom Papa. Der Oppa darf leider nicht mehr mit, wegen sein hohen Blutdruck, hat der Arzt gesagt. Der andere Opa kann leider nicht mehr mit. Der war Bergmann. Er kam in jungen Jahren als Gastarbeiter in dieses Land, um unter Tage zu arbeiten. Er kam aus Bayern.

Hier, in Wattenscheid im Ruhrgebiet hatten der Papa und die Mama einst eine Kneipe. Hier, saßen die süße Moni und die Malocher von Opel und Thyssen gemeinsam, mit die Anhänger von den Fußballclubs, anne Theke. Manchmal auch auffe Theke. Seltenst waren sie dabei jedoch nackt. Sie meierten und feierten. Sie stritten und philosophierten. Sie hielten sich im Arm. Sie zitterten gemeinsam und manchmal konnten sie gar nicht hinsehen… Sie schimpften auf die da oben und sie aßen Bauernfrikadellen, Gulaschsuppe und Bockwurst. Dazu tranken sie ein Schnäpsken, ein Pils oder ein Altbier, egal, hauptsache kein Pippiwasser… Und Hauptsache nich ausse Verbotene Stadt! Ab und an brachte der Klaus seine Uschi mit, besonders wenn der Elvis von Wanne Eickel inne Kneipe vorbei schaute und die holden Damen ein kleines Ständchen sang…

Und getz fährste mal mit den RE1 von Wattenscheid nach Köln. Plötzlich ist die Welt greller, bunter und noch viel, viel lauter. Die Farben blenden dich, du verstehst kein Wort von der Sprache, die man hier spricht und die Musik ist auch irgendwie komisch. Von nun an darf ich kein Altbier mehr bestellen, die verbotene Stadt heißt auf einmal Düsseldorf und ständig werde ich für die Art und Weise ausgelacht wie ich herrlich und gerne sage. Man lacht! über mich, wenn ich erkläre, dass ich mal kurz nach Rossmann oder anne Bude gehe und ich verstehe einfach nicht, was daran so witzig ist!? Einkaufen muss man doch oder? Dauernd nennt man mich Liebchen und Mädsche. Echt komige Leute hier! Als Rheinländer ist man entweder Frohnatur und Höhner Fan, man ist derbe Cool und Individuell oder man ist reich… oder schwul… oder alles zusammen, dann ist man voll angesagt. Crange oder Herbert Knebel kennt dafür keine Sau! Ich sach ja, echt komige Leute hier. Ohne Papa hat der Fußball seinen Reiz nach und nach verloren. Curry-Wurst Pommes mag ich auch nicht mehr… Aber ich mag das Rheinland, denn es hat Charme. Sehr viel sogar. Es ist irgendwie fröhlich und bunt und es hat einen Biohof Bursch. Den Biohof Bursch. Ich bin damals der Liebe wegen hergezogen und weil mich die offene und lebenslustige Art der Menschen fasziniert hat. Ich wollte raus, raus aus dem kleinen Wattenscheid. Was neues erleben. Das habe ich und ich lebe nach wie vor gerne hier, am beschaulichen Rande des Epizentrums.

Mein Herz allerdings schlägt für den anderen Ort, den der einen viel zurückhaltenderen, bodenständigeren Charme ausstrahlt, der schön und schmutzig zugleich ist… Ich lese das Ruhrgebiet habe sich gewandelt und wandle sich fortwährend. Es fallen Worte wie Industriekultur, Kunst und Renaturierung. Schalke. Ich denke an das Schauspielhaus, verschlinge den Artikel geradezu. Mir wird’s ganz warm ums HeimatHerz.

Sie nennen Nordrhein-Westfalen das Bindestrichland. Es stimmt. Zwischen Klimmbimm und Cocktail Kölle und dem Malocherpott ist dieses Land verbunden durch einen Strich, der auf einem Blatt Papier gezogen wurde. Aber vielleicht ist es ja gerade das, was uns NRWler ausmacht und, das Besucher aus aller Welt hierher zieht. Der kulturelle Gegensatz, die Ergänzung und die Diversität. NRW ist bunt und schmutzig und schön.

Bevor ich nun zum Rezept komme, hier noch meine liebsten Funfacts aus 70 Jahren NRW. Die Auflistung aller 70 Fakten findet ihr in der aktuellen Ausgabe des DB Mobil Magazins, das ihr genau hier runter laden könnt.

  1. NRW ist das Bundesland mit den meisten Staus.
  2. In einigen Kölner Computergeschäften kann man Tastaturen kaufen, bei denen die „Alt“ -Taste durch eine „Kölsch“ -Taste ersetzt ist.
  3. In Gelsenkirchen gibt es einen Friedhof für Schalke Fans.
  4. Köln hat 2km mehr vom Rhein als Düsseldorf.
  5. Papst Johannes Paul II. war Ehrenmitglied bei Schalke 04
  6. Der Fanshop des Fußballbundesligisten FC Lüdenscheid 😉 bietet einen BVB Rollator an.
  7.  Rund 10 Prozent der Kölner sind schwul oder lesbisch. Das sind prozentual gesehen mehr als in Berlin.
  8. 1949, zu der Zeit, als Deutschland noch keine Nationalhymne hatte, wurde bei offiziellen Anlässen, zeitweise das Kölner Karnevalslied „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ gespielt, in dem es unter anderem die Zeile „Wir sind zwar keine Menschenfresser/Doch wir küssen um so besser“ vorkam.

Zum Rezept:  


Bauernfrikadelle an geröstetem Schwarzbrot und Pommes 

– Mit Krautsalat aus Spitzkohl, Kürbis Hummus und Gürkchen –

Die Frikadellen: Habe ich nach dem Rezept von Jerome Eckmeier zubereitet. Deshalb poste ich es nicht. Das genaue Rezept gibt es auf seinem Blog. Ich habe das Rezept halbiert und große Frikadellen gemacht. Deshalb kam ich nur auf 5 Frikadellen.

Fazit: Geschmacklich waren die Frikadellen ok und für Effekt und Zweck ganz nett. Sie sahen auch wirklich sehr Frikadellig aus und zusammen mit den würzigen Beilagen waren sie richtig lecker. Beim perfekten Dinner würde ich so etwas allerdings nicht servieren. Da würde ich eher einen Grünkern-Nuss Burger oder ähnliches zubereiten… Ersatz Produkt bleibt halt irgendwie Ersatz-Produkt.

Für den Krautsalat benötigt man:

Einen kleineren Spitzkohl (ca. 450g), 1 rote Zwiebel, 6 EL Apfelessig + 1 1/2EL Zitronensaft,  2EL Öl, Salz + Pfeffer und Agavendicksaft nach belieben (hier 1 1/2 TL).

Die Zubereitung ist Kinderleicht, erfordert lediglich ein bisschen Muskelkraft.

Die grünen Außenblätter entfernen und bitte nicht wegschmeißen. Den Spitzkohl halbieren und den Strunk herausschneiden. Eine Hälfte vom Spitzkohl fein hobeln/raspeln, die andere in feine Streifen schneiden. Die Außenblätter ebenfalls in feine Streifen schneiden. Zwiebel fein hacken, dazu geben. Mit einem TL Salz und etwas Pfeffer würzen alle übrigen Zutaten hinzufügen. Die Marinade nun mit den Händen richtig schön in den Spitzkohl hinein kneten. Alternativ dazu kann man einen Stampfer nehmen aber wo bleibt denn da der Spaß? Fertigen Krautsalat für ein paar Stunden im Kühlschrank ziehen lassen oder halt auch nicht. 😉 Zwischendurch immer mal wieder durchrühren, damit die Marinade sich gut verteilt. Hinterher gegebenenfalls noch einmal nachwürzen.

Für den Kürbis-Hummus. Man nehme:

Ein Stück Hokkaido Kürbis (ca. 100g), eine halbe Dose Kichererbsen (ca. 125g), 2 EL Tahin, 1 EL Öl, 1 1/2 EL Zitronensaft, 2 große Knobizehen 2 Nelken, Salz + Chiliflocken und wieder ein bisschen Agavendicksaft ca. 1 guten TL 😉

Für die Zubereitung braucht man einen Pürierstab und eine Reibe und wieder ein wenig Muskelkraft, denn zuerst wird der Kürbis, der hier roh verwendet wird, mit der Reibe fein geraspelt. Die Raspeln gibt man in ein hohes Rührgefäß. Den Kürbis mit dem Pürierstab zu Mus verarbeiten. Kichererbsen gut abwaschen und mit dazu geben, wieder pürieren. Tahin zufügen. Die Nelken mörsern. Den Knoblauch hacken. Salz, Knoblauch, Chiliflocken, Nelken und Zitronensaft zum Mus geben, ebenso wie einen kleinen Schuss Agavendicksaft. Abermals gut durch-pürieren, zum Ende hin soviel Öl hinzugeben bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist, bei mir war es ca. 1 EL.

Das Schwarzbrot: Habe ich gekauft und im Backofen, auf dem Blech geröstet. Bei 220°C Umluft, auf mittlerer Schiene. Ca. 8 Minuten von jeder Seite.

Ich hab für einen Burger vier Scheiben Schwarzbrot verwendet, zwei unten, zwei oben. Das was, sehr…sehr sättigend war.

Für die Pommes habe ich 500g vorwiegend-festkochende Kartoffeln verwendet. Diese werden abgebürstet, die Schale darf dran bleiben und in Pommes Form geschnitten. Anschließend brause ich sie in der Spüle einmal kurz ab, gebe etwas Salz und Öl dazu, mische alles mit den Händen gut durch und verteile sie anschließend auf ein leicht gefettetes und mit Backpapier ausgelegtes Blech. Dieses wandert dann für ca. 30Min. in den vorgeheizten Ofen, eins über dem mittleren Einschub. Nach der Hälfte der Zeit wende ich die Pommes, sofern man es wenden nennen kann, was ich da mit dem Pfannenwender veranstalte.

Backtemperatur: 200°C

Um die Bauerfrikadelle zusammen zu basteln lege ich zwei Scheiben Schwarzbrot auf einen Teller, Schichte etwas Krautsalat darauf. Auf den Krautsalat setze ich die Frikadelle, darüber lege ich eine Scheibe von dem gerösteten Schwarzbrot, diese bestreiche ich mit viel Hummus und setze anschließend eine zweite Schwarbrot-Scheibe darüber.

Zu der Bauerfrikadelle gebe ich nun die Pommes und damit es ein bisschen netter Aussieht dekoriere ich die obere Schwarzbrot-Scheibe noch mit einem halben Gewürz-Gürkchen, einem Klecks Hummus und ein wenig Kresse. Der Zahnstocher darf natürlich nicht fehlen.

Dazu empfehle ich Ketchup, Majo und Senf und ein eisgekühltes Pils. 😉

Guten Appetit.


Für Papa.

 

 

 

 

6 Kommentare zu „Wenn der Klaus mit die Uschi schick Essen geht, beim Heiner: Bauerfrikadelle auf geröstetem Schwarzbrot – mit Krautsalat aus Spitzkohl, Kürbishumus und Gürkchen.“

  1. Irgendwie hat mich Dein Beitrag gerade sehr gerührt, liebe Heimatlose und doch Heimathabende. Soviel Heimat! Soviel Jenny! Ich musste schon meine Äuglein wischen: „Für Papa“ steht da. Mehr nicht. Mehr braucht es auch nicht. Es ist alles gesagt!
    Meine tiefste Anerkennung!
    Ist es bei Dir auch gerade so schön sonnig? Ich bin so herrlich träge gerade. Kaputt von der Arbeit, ein bisschen faul und ein wenig hungrig. Es gibt was mit Kohlrabi. Mal schauen. Einen wunderbaren Abend wünsche ich Dir, liebe Heimatlose.

    Gefällt 1 Person

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