Meine kleine Mami.

Die schöne Frau Pan.

Meine kleine Mami gibt es nicht mehr. Meine kleine Mami ist fort. Ein bisschen neide ich ihr mittlerweile ihre Gesellschaft da oben, doch mit jedem Tag der verstreicht rücke ich ihr ja wieder ein Stückchen näher, bis wir uns schließlich eines Tages wiedersehen werden. Und wenn wir uns dann wiedersehen wünsche ich mir, dass sie wieder ganz wie damals, streichelnd meine Hand halten und durch die Dunkelheit hindurch von fernen Schlössern, kleinen garstigen Zwergen und tapferen Prinzen erzählen wird, bis ich eingeschlafen bin und loslasse.

Meine kleine Mami ist die Frau, die eigentlich nicht mich sondern meine richtige Mami geboren hat. Sie ist die Frau auf dem Blog-Titelbild.

Sie war meine Oma. Vor ein paar Jahren ging sie fort. Sie, die schöne Frau aus Wattenscheid, verheiratet mit dem alten Opa Franz. Der kam aus Bayern, wurde in Freising geboren, wanderte als junger Mann ins Ruhrgebiet ab, ursprünglich nicht der Liebe wegen sondern wegen der gut bezahlten Arbeit unter Tage. Der Opa war nämlich ein Bergmann, ein stattlicher Kerl, ein ganz Fescher und ein eher ruhiger Gesell, der gern wanderte. In der Kneipe auf der Bickernstraße wusste jeder, wenn der Franz in der Ecke sitzt und seine Zeitung liest, dann will er nicht gestört werden. Dann lässt man ihn lieber in Ruhe. Und sie ließen ihn, bis er ausgelesen hatte und sich wieder zu ihnen gesellte.

Ich liebte ihn sehr, obwohl er trotz aller Ruhe oder vielleicht gerade deshalb eine natürliche Autorität ausstrahlte. Wenn der Opa wortlos seinen Pantoffel hob, schwiegen wir Kinder sofort. Benutzt hat der den Pantoffel glaube ich nie, genau so wenig wie die Oma den erhobenen Kochlöffel, der uns vielleicht nicht ganz so viel Angst einjagte. Doch später erfuhr ich von meiner großen Mama, dass der Opa auch anders konnte.Er war ein Patriarch, nicht immer ein Gerechter, wie wohl einige Männer damals. Doch ich weiß, er liebte seine Frau, seine sechs Kinder, von denen meine Mama die Drittgeborene war und seine vielen Enkelkinder. Mir wollte er ja stets „die langen Zotteln“ abschneiden aber als ich es schließlich mit dreizehn tat war er, glaube ich, ein bisschen traurig.

Dass er sich ausgerechnet in meine Oma verliebte wundert mich gar nicht, denn auch sie war eine stattliche und besonders fesche Frau, gesegnet mit einer guten Portion Humor und der nötigen Prise Verträumtheit. Wenn die kleine Mama lachte wackelten die Wände vor lauter Begeisterung und krümmten sich mit uns vor lachen um die Wette. Spaghetti Bolognese nannte sie gerne „Chappi“, einen Ausdruck den ich heute, wo ich mich rein pflanzlich ernähre ungleich lustiger finde als damals, wo das Gericht a la „Chappi“ so selbstverständlich und geläufig war wie ein Pfannkuchen.

Ein bisschen verrückt war sie schon, die kleine Mami. Sie liebte Elizabeth Taylor, kleidete und frisierte sich ähnlich. Nie sah ich an ihr auch nur ein graues Haar. Sie wurde älter, doch ihr Haar blieb stets jung, duftete nach frischer, schwarzer Farbe und nach der Wärme, die ihre aufblasbare Trocken-Haube produzierte – der Astronautenhelm, den ich, egal wir trocken die Haare auch waren, nur zu gerne aufsetzte und mich damit in andere Sphären röhrte, während die Oma zu den WDR 4 Klängen von Roy Black und Co. im Wohnzimmer schunkelte und summte. Einen Hang zum theatralischen besaß sie, doch das lässt sich ja bereits auf meinem Blog-Bild erahnen. Ich schätze sie und der Opa ergänzten sich ganz gut. Er war erwachsen, arbeitete hart unter Tage, war schweigsam über Tage. Sie war unser Captain Pan, arbeitete auf ihr Weise, was vielleicht auch manchmal ein bisschen hart für sie war, denn niemand ist ja nur…

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Trotzdem, die Geschichten sprudelten meist nur so aus ihr heraus, phantastische Geschichten die unsere Träumen das Fliegen lehrten. Und sie besaß sicherlich den best-gefüllten Süßigkeiten Schrank von ganz Wanne Eickel! Die große Mami hätte uns ja nie mit fünf Mark in der Hosentasche zum Kiosk geschickt, um kleine Schlümpfe, Saure Bänder und Brause in allen Farben zu kaufen…

Rezepte haben wir von ihr leider keine geerbt, denn die einzigen Maßeinheiten die sie kannte waren ihre Hand und ihr Gefühl. Die große Mami versucht bis heute Omas Semmelknödel genau so hinzubekommen wie damals, als wir uns mit zwanzig Kindern, Geschwistern und Enkelkindern um den schweren Wohnzimmertisch versammelten, aßen, tranken und umher zappelten. Bis wir irgendwann gesättigt an oder unter der Ledergarnitur festklebten, während wir den Geschichten der Erwachsenen lauschten. Doch Omas Hand fehlt immer, egal wie gut das Rezept ist.

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Happy Birthday kleine Mami.


Ich danke euch allen, die ihr hier mitlest und die ihr dazu betragt etwas zu schaffen das  bleibt.

Vorgestern feierte der Blog seinen ersten Jahrestag.

Seit einem Jahr bin auch ich eine stolze Mami,

eine Blogmama,

die dankbar ist für all die Inspiration und lieben Worte, die sich wie ein Regenbogen über diesen Blog legen und ihn leuchten lassen.

Danke,

Ihr seid meine fliegenden Pans  ❤

24 Kommentare zu “Meine kleine Mami.”

  1. Meine liebe Jenny, Du kleine Blog-Mama! Deine Geschichten wie diese oder auch die von der Knäckebrotsdottir berühren mich sehr. Du schreibst so, dass man alles vor sich sehen, das Schwarz der Haarfarbe und des Haartrockners fast riechen kann. Deine Oma – die kleine Mami – ein Steinbock 😉 mit viel Herz ❤️! Aber was sage ich – Geschichten… Es ist Dein Erlebtes, Echtes, Empfundenes, das Du mit uns hier auf so zauberhafte Weise teilst. Dafür danke ich Dir! Und für all Deine lieben Worte! Auch für die zu meinem Geburtstag 🎉 – da habe ich mich besonders drüber gefreut, als ich wetterbedingt auf meinem Sofa lag und einen sehr gemütlichen Geburtstag hatte (wir hatten Blitzeis und Eisregen…).
    Danke, dass Du da bist 💕🍄
    😘

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    1. Oha – Das viel zitierte Glatteis! Letzte Woche durfte ich das auch endlich mal erleben. Ich bin morgens kaum den Berg hochgekommen!^^ Mittlerweile herrschen aber fast schon wieder suptropische Temperaturen. Schade eigentlich. Ich dachte es würde noch ein bisschen schneien…Lumi lumi, Ich freue mich, wenn du zufrieden bist und einen schönen Geburtstag hattest. Gab es denn auch einen Kleine Aufmerksamkeit für das liebe Fräulein, seitens des Vorzeigemodells? – Ja, meine Omi war auch ein Steinbock und was für einer…Genau wie du.^^ Ich freue mich, dass dir der Beitrag gefällt und hoffe die kleine Mami und der Opa lesen gerade mit. 😉 ❤
      Hab noch eine schöne und muckelige Woche Lumi Lumi Tausendschön. ❤

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      1. Guten Abend Schlitterqueen! Ich hoffe, Du bist gut gewappnet für die bevorstehenden Markttage und mummelst Dich gut ein! Es wird klirrend kalt, sagen die Meteorologen und Dein Lumi Lumi ❄️❄️!
        Ich muss sagen, ich bin reich beschenkt worden vom Vorzeigemodell (und allen anderen auch). Wir gehen zu Depeche Mode!!!!!!!!!! Ich Dreh durch!!! Und es gab meine Lieblingsblumen: Ranunkeln! Allein schon der Name! Als Kind wurde ich oft Runkelrübe genannt. Das erinnert mich immer daran. Und eine Light Box, erworben im Laden einer lieben Freundin. Ach Jenny, es war wunderbar! Aber das wäre es auch ohne Geschenke gewesen, denn es sind so wunderbare Menschen um mich rum. Dafür bin ich so dankbar! Liebste Marktfee! Ich wünsche Dir morgen einen tollen Markttag und wenn eine kleine Schneeflocke auf Deinem Ärmel landet und die aussieht, wie ein Eiskristall, dann ist das ein kleiner Gruß von Deinem Lumi Lumi ❄️

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  2. Liebe Blogmama, wie gerne habe ich deine Erinnerungen gelesen gerade heute, wo ich selbst über einen Text der über meine Oma handelt, sitze. Ich verschieb ihn. Mein Kopf ist von einer anderen Oma besetzt und das ist gut so…zu schön sind deine Erinnerungen.
    Allerliebste Grüße

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  3. Danke für diesen wundervollen Beitrag ❤ Um so mehr habe ich Lust, selbst so einen dieser Art zu schreiben, man wird automatisch ganz sehnsüchtig nach den eigenen Großeltern… Und es ist so schön von deinen zu lesen! Dass wir da eine Liebe teilen durften wir ja schon fesstellen 🙂

    Ich gratulieren von Herzen zum Geburts- und Jahrestag!

    (PS: Dein Freund Herr Winter leistet mir grade wieder Gesellschaft und verteilt ordentlich Puderzucker vor meinem Fenster – ein Träumchen!)

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    1. Bei euch schnei-ert es? Das ist ja eine Frechheit! Hier ist er fort, der Winter. Der Himmel heult und das nicht zu knapp.^^ Danke für die Glückwünsche. Ich war total überrascht als die Benachrichtigung kam. Es kommt mir echt nicht wie ein Jahr vor.
      – Ich musste einfach wieder was über meine Omi schreiben. Es ist zu schön sich an die Zeit zu erinnern und die Erinnerungen neu aufleben zu lassen. Um so schöner, wenn mir das gelungen ist… Ich würde mich freuen bald wieder etwas über deine Omi zu lesen, dass dann in mir ein bisschen Nostalgie auslöst.^^

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      1. Zumindest hats bis gestern geschneiert, und das ordentlich. Heut wars wieder nur Regen 😦 Mal abwarten, ich bin mir ziemlich sicher, dass es das noch nicht war ^^

        Das mit dem Jahr ging mir heute ähnlich, hatte ja Jahrestag auf der Arbeit… kaum zu glauben, dass ich da schon 365 Tage arbeite, das letzte Jahr flog echt nur so dahin!

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