Wurzelgemüse in cremiger Tahin-Senfsoße

Eintopf Crossover: Schwarzwurzel, Pastinake und Co. in cremiger Tahin-Senfsoße.

Ungewöhnlich kalte Wetterlagen und Ernteausfälle in Südeuropa führen zu steigenden Obst- und Gemüsepreisen hier zu Lande, im heimischen Gemüseregal, am Biostand. Spitzenreiter sind Paprika, Zucchini und Auberginen mit Preisen von bis zu 10 Euro das Kilo und auch die Tomaten reißen mit ihren 7 Euro pro Kilo ein ganz hübsches, kleines Loch in den mit Knickergeld gefüllten Geldbeutel.

Meine Lippen sind mittlerweile blutig geknabbert, von all dem, was ich nicht sage. Ich schweige und kaue, schweige und kaue. Ich höre – Irgendwie gibts ja im Moment ja nichts…Man, ist das alles teuer…Wer soll das bezahlen?…Wer hat soviel Geld?…

Ja, soviel pinke pinke muss man erst mal haben, sich über zu teure Paprika, fehlende Zucchini und die schlechte Auswahl zu beschweren. Früher… sind ja viele ärmere Menschen zu Beginn des neuen Jahres gestorben. Im Januar, im Februar, sind sie schlicht verhungert, weil die Vorräte nicht reichten oder weil sie nicht wussten wie man Vorräte für den Winter anlegt. Weil sie es nicht konnten. Und nun stehen wir hier, im Jahre 2017. Mit einem Bein stehen wir mitten in der ungewöhnlich kalten Wetterlage, mit dem anderen schleppen wir uns in den Supermarkt oder an den Marktstand. Doch es gibt ja nichts außer Notstand. Es gibt nichts außer spanischer Süßkartoffeln, französischer Walnüssen, peruanischer Bananen, italienischer Tomaten, Paprika, Gurken, Kohl, Salat, Wurzeln, Beten und Rüben. Rettichen, Sauerkraut, Pilzen, eingelegte Gurken…Zwei traurige Ananas aus Costa Rica sehnen sich nach etwas mehr Herzenswärme.

Die Wurzeln liegen in ihren Kisten, ganz ruhig und voller Erwartung, warten sie auf ihren großen Moment. Sie schielen über die Theke und recken ihre kleinen Ärmchen, während Menschen weinend über teuren Auberginen und zu kleinen Salatköpfen zusammenbrechen und sie nicht einmal bemerken. Klein ist hier sicherlich nicht die Auswahl…

Du willst was frisches? Du willst den Salat mit sonniger Gurke und süßer Paprika? Fein, dann kauf das. Dann zahl aber auch den Preis dafür, ohne zu murren und ohne zu behaupten, es gebe ja gerade nichts. –

Doch dann denke ich mir: Was nützt all das Gejammere einer Marktfrau in Gedanken? Am besten ist doch, man kocht es vor und gibt fleißig Rezepte weiter und deshalb gibt es jetzt ein cremiges Wintertöpfchen mit Schwarzwurzeln, Pastinaken und Möhren, Rosenkohl und Austernpilzen.

Einfach mal Danke sagen und dankbar sein für das was da ist. Das ist nicht wenig.


Winter Schlemmertöpfchen

…in Tahin-Senfsoße.

…Ich verwende hier Senf und Sesammus anstelle von Sahne. Beides bindet die Sauce und macht sie schön cremig. Der leicht herbe Geschmack des Sesams passt toll zur natürlichen Süße des Gemüses.

Die Pastinaken und den Rosenkohl fand ich in Kombination mit der Sauce einfach Göttlich.


Zutaten für 2-4 Personen:

  • 4 dünnere Schwarzwurzeln (aromatischer als die Dicken)
  • 2 mittlere Pastinaken
  • 2 dicke Möhren
  • 250g Rosenkohl
  • 10 Austernpilze
  • 1 1/2 EL Sesam
  • Öl zum anbraten
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 kleine Peperoni
  • 1 Zitrone
  • 1 EL Agavendicksaft
  • 500ml Gemüsebrühe
  • 3 -4 EL Senf mittel-scharf
  • 4-5 EL Tahin (Sesammus)
  • Salz, Muskat

Zubereitung:

Pastinake eventuell schälen, dann würfeln. Möhren in Fingerdicke Scheiben schneiden, Schwarzwurzeln unter fließendem Wasser mit dem Sparschäler schälen, in Mundgerechte Stücke schneiden und in kaltes Zitronenwasser legen (damit sie nicht oxidieren und braun werden).

Knoblauch fein würfeln.

Zwiebeln und Peperoni fein würfeln, zusammen mit dem Sesam und etwas Öl in einem großen Topf anschwitzen. Möhren, Pastinaken, Schwarzwurzeln und ganzen Rosenkohl dazu geben, kurz mit rösten. Mit Agavendicksaft beträufeln und das Gemüse kurz karamellisieren lassen, Zitrone, Abrieb und Knoblauch dazu geben, den Senf unterrühren und mit Gemüsebrühe ablöschen (das Gemüse muss nicht komplett bedeckt sein).

Hitze auf kleine Flamme reduzieren. Deckel schräg auflegen und ca. 8 Min. köcheln lassen, bis das Gemüse bissfest gegart ist.

Zum Schluss die Austernpilze unterheben und das Tahin einrühren, Eintopf vom Herd ziehen und mit groben Salz und einer kräftigen Prise Muskatnuss abschmecken.

J.K.

17 Kommentare zu “Eintopf Crossover: Schwarzwurzel, Pastinake und Co. in cremiger Tahin-Senfsoße.”

  1. Ein ❤ für wurzeliges! Recht haste Marktfrau.

    Und zu Zeiten, in denen ich in Vegan-Gruppen lese, dass man täglich eine Avocado verzehren müsse, aber Paprika grade so unverschämt teuer wären fällt einem zum Thema "Notstand in Deutschland" eh nix mehr ein…

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    1. …Boah, tut mir leid aber dieses ganze Gelabere über angebliche Super-Foods und die Dinge die man „sollte“ geht mir sowieso total auf die Nerven. Wir sind in unserer Ernährung echt verwöhnt und kennen einen richtigen Notstand oftmals gar nicht. Ich bin ja wirklich keine gute Christin aber beim Essen kurz inne zu halten und sich für EIN Essen zu bedanken halte ich für eine feine Sache, die nicht nur den Körper sondern auch den Charakter nährt. 😉 ❤
      Danke für das Herz. ❤

      Gefällt 3 Personen

  2. Meine Omi hat früher immer gesagt, Jedem Tierchen sein Pläsierchen!“ Ja, es ist etwas teurer geworden, aber Deutschland ist immer noch Schlusslicht bei den Ausgaben für Lebensmittel, selbst im Vergleich zu den 50er Jahren geben wir derzeit viel weniger aus und müssen sehr viel weniger für unser täglich Brot schuften, also woran hängt der Deutsche nun so fest? Meistens an der Gewohnheit, gerne in Verbindung mit leichter Halsstarrigkeit und erhöhter Unflexibilität. Ich bezahle den Preis, greife aber lieber zu saisonaler Ware, die oft günstig ist, weil sie nicht aus fernen Ländern kommen muss. Tomaten sind im Winter meistens schnittfestes Wasser, weshalb diese selten in meiner Küche vorkommen, außer die in Dosen 😉 Doch wir neigen gerne zur Billigvariante wie z.B. beim Kaffee. Alle mal Hand aufs Herz. Das Kilo kostet 8,99 Euro und daneben das Markenprodukt für 13,99 Euro. Wo geht die Hand automatisch hin? Eben. Doch rechnet euch mal aus, wieviel das pro Tasse ausmacht. Dazu kommt, dass der Preisunterschied an erster Stelle an der Reinheit der Bohnen liegt. Im billigen Kaffee ist ein Anteil von 15 % Dreckklümpchen und kleine Zweige enthalten und natürlich gammelige Bohnen, unreife Bohnen, verbrannte Bohnen. Mit einem Wort. Ausschuss. Nach dem Rösten sind diese gesundheitlich unbedenkich, aber den Geschmack von Erde und Gammel möchte ich nicht in meiner Tasse haben. Natürlich gibt es viele Menschen in Deutschland die sich nicht jede Qualität leisten können, doch persönlich verzichte ich lieber auf eine Autowäsche, Kino oder Essen gehen, bevor ich an der Qualität meiner Lebensmittel spare. Ich stehe damit 100 % hinter unserer allerbesten, allerliebsten und talentiertesten Marktfee aller Zeiten 🙂 ❤

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    1. So ein schöner und intelligenter Kommentar zum Thema, Danke Arno. Ich unterzeichne das zu 100% ❤
      Was du am Anfang sagst, ist genau das, worüber wir uns seit Tagen auf der Arbeit untereinander unterhalten. Die Lebensmittel -Kosten in Deutschland sind im internationalen Vergleich eher gering, wobei man das natürlich nicht verallgemeinern kann, denn in manchen Ländern sind die Lebenshaltungskosten ja dann auch höher. Nichts desto trotz unsere Lebensmittel sind günstig und genau wie bei dir ist Essen bei mir das letzte woran ich sparen würde. Leider macht es ja manchmal gerade im konventionellen Bereich keinen Unterschied ob man zur Marke oder zum No-name Produkt gleicht, ich gehe da einfach nach dem Geschmack. Generell lohnt es sich aber meist im Bio-Qualität und möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu investieren. Gammel möchte ich auch nicht in meinem Essen habe. Insbesondere Kaffee ist da ja auch ein Reizthema, wie man an deinen Ausführungen gut erkennen kann. Da lohnt es sich definitiv, für die eigene Gesundheit und die der Arbeiter einen Euro mehr zu investieren, genau wie beim Obst-und Gemüse, bei Schokolade…Die Liste ist lang. Ich selber kaufe nicht alles in Bio-Qualität aber den größten Teil und ich verdiene ja wirklich nicht die Welt und kann trotzdem ganz gut Leben…Alles eine Frage der Einstellung und der Prioritäten. 😉
      Danke für deine Bereichernden Worte, die das Kleinhirn mal ein bisschen in Wallung bringen. ❤
      Schniefend und Hustend,
      eingerollt
      Rohnifer 😉 ❤

      Gefällt 3 Personen

      1. Hohe Preise bei Lebensmitteln bin ich hier in der Schweiz leider gewöhnt. Wie sehr, wird mir bewusst, sobald ich im Ausland Ferien mache oder zu Hause in München bin und dort einkaufe. Aber: mein Bäuchlein ist mir wichtiger, als das Preisschild.

        Gefällt 2 Personen

      2. Hallo Erika,
        Sorry ich war ein wenig Verkältet! 😉 Danke für das Rezept. Ich werd da mal reinschauen…
        Es ist ja allgemein bekannt, dass wir Deutschen recht wenig Geld in unsere Lebensmittel investieren und der Staat unterstützt es. Neulich habe ich sogar einen Bericht darüber gesehen, dass Fleisch in gar nicht mal allzuferner Zukunft gezüchtet, aus der Petri-Schale kommen könnte, weil dies billiger sein würde als die Massentierhaltung. – Zum Wohle der Tiere wäre das natürlich toll aber künstlich hochgezüchtetes Fleisch, nur damit der Preis niedrig bleibt? Lecker ist anders…Obst und Gemüse wird ja heute schon zum Teil in Nährlösungen gezüchtet…Also, ich weiß nicht. Manchmal verstehe ich das alles einfach nicht, wie wir leben und was wir tun und warum. Ich hoffe einfach, dass „wir“ mit unseren alternativen kleinen Blogs zeigen, dass es auch anders geht und das eine Nachfrage da ist es anders und natürlicher zu machen.
        Ich freue mich, dass dir mein Eintopf gefällt und hoffe, dass er deinen Bäuclein genau so schmecken wird.
        Viele liebe Grüße in die Schweiz, Jenny 🙂

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    1. Waas? Kein Senf im Haus? – Ja, das Drama kenne ich…Gott sei Dank nur sehr selten. 😀
      Tatsächlich fällt es in Anbetracht der Südschönheiten manchmal schwer bei den unterirdischen Wurzeln zu bleiben. Doch es sind ja bekanntlich die inneren Werte die langfristig zählen, und die sind auch bei heimischen Knollen und Wurzeln nicht zu verachten. 😉

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  3. Liebe Jenny,
    du sprichst mir aus der Seele. Ich kann dieses ganze Gequatsche über Superfoods auch nicht mehr hören, d. h. eigentlich hab ich nichts gegen Superfoods, ich verstehe nur etwas anderes darunter, wie z.B. Grünkohl, Leinsamen, usw.
    Ich bin ein großer Fan von heimischen Produkten und als ich deinen Beitrag gelesen habe, da musste ich ganz schnell diesen Erbseneintopf mit Steckrübe kochen: https://natuerlichschmeckts.com/2017/03/01/erbseneintopf-mit-steckruebe/
    Dein Rezept hört sich sehr lecker an, das werde ich bestimmt auch mal ausprobieren.
    Liebe Grüße, Zorica

    Gefällt 2 Personen

  4. Und ich sage einfach „Danke“ für Ehrlichkeit, Wertschätzung (auch wenn dieses Wort meiner Meinung nach etwas zu inflationär gebraucht wird) und für Dich! Es gibt immer mehr Leute – wie uns! Wir zaubern aus dem saisonalen Angebot auch etwas Schmackhaftes! Fertig!!! Eigenlob – jaaaa – aber ich fühle mich gut, wenn ich meinen „local dealer supporte“ und dabei noch dafür sorge, dass die schnackhafte Schwarzwurzel in einem Kartoffelomelett den Weg auf meinen Teller findet, dazu ein knackiger Salat aus Postelein und Feldsalat mit Chicorée und Orangen (übrigens gerade am Bio-Marktstand im Angebot). Ich könnte mich über soviel Hohlgesülze echt aufregen. Und eben: DANN ZAHLT DEN PREIS!!!! 😡😤
    Oder geht in den nächsten Discounter und kauft Euer KZ-Huhn mit den Käfighaltungseiern und dem eingeschweißten Eisbergsalat, wohl bekomm’s! 🤢

    Gefällt 1 Person

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