Archiv der Kategorie: Schriftverkehr.

– Shades of pancake – Linsenpfannkuchen. Vegan, Low Fat, Glutenfrei – ohne Altersbeschränkung.

Werter Leser,

Solltest du ein Kunde, vielleicht sogar Stammkunde des durchweg Familien-freundlichen Biohof Bursch sein und mir regelmäßig auf unseren Wochenmärkten begegnen, würde ich dich freundlichst darum bitten, die nun folgenden Textzeilen einfach zu überspringen und direkt zum Rezept weiter zu scrollen. Der folgende Text kann unabhängig vom Rezept gelesen werden, garantiert. Es ist nicht nötig, dass du deine sicherlich kostbare Zeit, an eine Marktfrau mit… Dieser Text ist einfach nicht für deinen zarten Augen, deine äußerst feinsinnigen Synapsenverästelungen, bestimmt. Normalerweise duze ich Kunden auch nicht ungefragt aber, ein distanziertes Sie scheint mir hier in Anbetracht der geplanten Zusammenführung von Erotik und Linsen unangemessen. Gegen die eigenen Gedanken ist man häufig eben doch machtlos.

Zeitüberschuss, angeborene Neugierde und ein bestimmter Grad an Wahn, in Folge fiebriger Erkältungstrunkenheit, plus Freundin Uschi bewaffnet mit einem du kannst hier nicht weg Grinsen und facettenreicher DVD, plus ein harmlos aussehender ebook-Reader, führten an jenen unbestimmten point of no return, den Punkt, an dem es kein zurück mehr gab, an dem die Worte  ein paar Wochen später ungefiltert durch das Hirn hindurch direkt in Hand strömten, nur um kurz darauf hart. kratzend auf das blanke Papier aufzuschlagen. Es war so:

Lieber Kunde, Dies ist deine letzte Chance einfach bis zum Rezept weiter zu scrollen. Ich sags ja nur.


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Meine kleine Mami.

Die schöne Frau Pan.

Meine kleine Mami gibt es nicht mehr. Meine kleine Mami ist fort. Ein bisschen neide ich ihr mittlerweile ihre Gesellschaft da oben, doch mit jedem Tag der verstreicht rücke ich ihr ja wieder ein Stückchen näher, bis wir uns schließlich eines Tages wiedersehen werden. Und wenn wir uns dann wiedersehen wünsche ich mir, dass sie wieder ganz wie damals, streichelnd meine Hand halten und durch die Dunkelheit hindurch von fernen Schlössern, kleinen garstigen Zwergen und tapferen Prinzen erzählen wird, bis ich eingeschlafen bin und loslasse.

Meine kleine Mami ist die Frau, die eigentlich nicht mich sondern meine richtige Mami geboren hat. Sie ist die Frau auf dem Blog-Titelbild.

Sie war meine Oma. Vor ein paar Jahren ging sie fort. Sie, die schöne Frau aus Wattenscheid, verheiratet mit dem alten Opa Franz. Der kam aus Bayern, wurde in Freising geboren, wanderte als junger Mann ins Ruhrgebiet ab, ursprünglich nicht der Liebe wegen sondern wegen der gut bezahlten Arbeit unter Tage. Der Opa war nämlich ein Bergmann, ein stattlicher Kerl, ein ganz Fescher und ein eher ruhiger Gesell, der gern wanderte. In der Kneipe auf der Bickernstraße wusste jeder, wenn der Franz in der Ecke sitzt und seine Zeitung liest, dann will er nicht gestört werden. Dann lässt man ihn lieber in Ruhe. Und sie ließen ihn, bis er ausgelesen hatte und sich wieder zu ihnen gesellte.

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John.

Der Tag ging hart gegen mich
und Du. John.
Du erinnerst mich an Ole.

Der Kopf fällt schwer gegen das Kissen.

Das Klavier erklingt und der Regen bricht los.
Der verdammte Regen.
Seine Hände rinnen meinen Körper entlang, tasten sich über meine Wangen, mein Kinn.
Ein bitter süßer Geschmack perlt auf meinen Lippen.
Seine Hände spielen eine längst vergangene Melodie in meinem Herzen. Wieso tust du das John?
Wieso drehst du an meiner Welt oder drehe ich mich? Nein, du bist es. John.
Du drehst mich zurück an den Ort, an dem er meine Tränen wegwischte und mir still zuflüsterte, ich sei perfekt. Sogar wenn ich weine. Solange ich atme, sei ich perfekt.
Ich atme.
Der Regen weicht die Erde auf. In ihrem Schlamm drohen die Blumen allmählich zu ersticken.
Nichts ist perfekt.

Ich konnte es nicht sagen.
Bereits damals, als ich dich zum ersten Mal sah.  Damals, als du dich ungefragt neben mich gesetzt hast und mich frech,
über dein Buch hinweg angegrinst hast…
Die Luft geriet knapp. Keiner von uns sagte etwas.
Ich konnte dich bloß immerzu ansehen, während die Übelkeit sich unaufhaltsam ihren Weg, durch mich hindurch, bahnte.
Es hat mir Angst gemacht. Verstehst du das? Es zerriss mich. Niemand, der noch ganz bei Verstand ist, kann so etwas freiwillig fühlen wollen.
Ich wollte, dass du gehst.
Ich wusste, ich würde nie wieder ohne dich sein wollen.
Ich habe nichts gesagt.

Jeder, geht allein.

Ich wollte es dich nicht sagen hören. Ich kannte die Antwort, doch ich wollte sie nicht hören, denn das hätte alles verändert. Nein, es hat alles verändert.
Wir hatten unsere Karten nie ganz auf den Tisch gelegt. Wir waren wie Nichts. Nichts war ernst. Doch du, du hast es einfach zerstört.
Ich musste dich dafür hassen. Verstehst du das nicht?
Du hättest es nicht sagen dürfen. Ich hatte dich nicht darum gebeten. Nicht DARUM…
Warum nur liebst du mich? Mich, die ich nicht perfekt bin, solange ich atme…
Da hast du mich an dich gezogen, mich fest gehalten und keiner von uns musste noch etwas sagen…

Ich liebe dich.
Du hast mich nicht einmal angesehen.
Ich hielt dich doch so fest in meinen Armen.
Ich schrie es dir entgegen. Doch dir war es egal.
Du hast bloß hinaus gestarrt und zugelassen, dass sie mich von dir wegzogen.
Ich habe meinen Verstand verloren, so wie du deinen.

Und du. John. Du spielst die alte Melodie.
Ich höre sie.
Fremden Stimmen. Unwirklich und fern,
kaum mehr als ein Wispern.
Sie drängen in mein Herz.
Sie greifen nach meiner Hand. – Ich mag es nicht, dass sie mich ungefragt berühren.
Der Regen weicht die Erde auf.
Das Klavier verklingt.
Bitte, mach dir keine Sorgen. Ich bleibe.
Selbst wenn der Regen fällt.

Morgen werde ich dir frische Blumen bringen.


geschrieben zu: John Legend „All of me“

Liebe Omi, Tschüss, bis Bald…

Der Tag beginnt mit wirren Haaren und einem verschlafenen Lächeln. Heute wäre die Frau oben auf meinem Titelbild 81 Jahre alt geworden. Noch während ich mich ausgiebig im Bett räkle und alle Viere von mir strecke, blitzen Erinnerungen auf, die mein verschlafenes Lächeln zu einem Dauergrinsen anschwellen lassen.

Da tanzt ausgelassen der Rücken-Schubberer aus Holz auf und ab, während das Kind verschwindend klein, hinter der Oma hockt und angefeuert von inbrünstigen „Oh. Ja. Weiter Links, Kind. Links.“ Rufen, alles gibt. Zewa Tücher verschwinden wie selbstverständlich unter viel zu großen, schweren Brüste, Nur zur Sicherheit, als Reserve, falls das Kind sich später mal wieder schmutzig machen sollte. Allzeit bereit. Als Oma ist man vorbereitet. Da stemmt die Oma, auf dem Balkon stehend, die Hände in die Hüften und kreischt: „Ja, lasst ihr euch denn etwa von einem kleinen Mädchen verplästern?“, ruft sie den beiden Nachbarsjungen Tino und Nino zu, die ich kampflusitg im Schwitzkasten halte. Ich höre wie sie mich anfeuert, während die Nachbarsfrau einen spitzen Entsetzensschrei ausstößt. „Sofort aufhören!“… Ich höre das hervorbrechende, immer etwas erschrocken klingende Lachen. Ich zucke zusammen, dann lache ich mit. Ich weiß ja manchmal gar nicht worüber wir eigentlich lachen. Wir lachen halt. Das hält jung.

Ihr Lachen ist einnehmend. Es ist groß, genau wie ihre Mimik und Gestik, genau wie die Geschichten die sie erzählt. Niemand lässt den kleinen Peter schelmischer fliegen. Niemand scheucht das arme Rotkäppchen argloser durch den dunklen Wald…Nein, man will den Blick nicht von ihr abwenden, selbst, wenn man zusammen gekauert, nur mit einem Augen unter der Bettdecke hervorlugt. Zuerst war da eine Schönheit, eine die an eine junge Elizabeth Taylor erinnerte, die sie stets sehr verehrt hat. Ja, sie ähnelten sich. Auch äußerlich. Später zeichnet sich dann, eine andere Schönheit ab, eine reifere, eine vom Leben gezeichnete. Den Patriarchen, den kannte sie sehr wohl. Abhängigkeiten. Vergangene Zeiten…

Ich stelle die Kaffeemaschine an, fahre den Laptop hoch, rauche eine Zigarette auf dem Balkon. Der lieblich herbe Duft steigt mir in die Nase und dann finde ich sie. Ich sitze im Schneidersitz vor dem Laptop und da erscheint sie plötzlich, eine gereifte, füllige Frau von Format. Eine Frau, die sich das Lächeln nicht nehmen lässt. Eine Frau, die für ihr Publikum glänzt.

Der Frust und die Traurigkeit verschwanden in ihrem Magen, wurden dort sicher verschlossen, so wie sie sich zunehmend in ihrer Wohnung verschloss. Die Wohung gab ihr eine Sicherheit, die sie draußen nicht finden konnte. In ihren Vier Wänden war sie den Dingen gewachsen. Die Außenwelt überforderte sie zunehmens. Draußen. Panikattacken, Schwindelgefühle und Überforderung, lauerten dort. Dem setzte sie sich nicht gerne aus. Lieber schickte sie die Kinder, später die Enkelkinder zum einkaufen… Flüchtige Erinnerungen, die von einer andere Seite, doch von derselben Oma künden. Um sich nach draußen zu begeben, da brauchte es schon wenigstens einen Kinderwagen, an den sie sich klammern konnte. Mit Enkelchen und Kinderwagen bewaffnet spazierte sie runter zum Friedhof. Da gab es eine Bank, auf die sie sich setzen konnte. Sie sah den Kindern beim spielen zu, hing ihren Gedanken nach. Winkte ab und zu. Auf dem Friedhof gab es nichts um das sie sich hätte sorgen müssen. Es herrschte Ruhe. Die Kinder konnten dort frei umhertollen. Da gab es keine Autos, keinen Verkehr, auf den sie hätte achten müssen. Sie mochte die Ruhe dort wirklich sehr gern.

Die Familie gab ihr Halt. Die Familie bildete das Zentrum, bot ihr einen Fixpunkt, den sie in sich selbst nur schwer fand. Da war der Opa. Den musste man respektieren, auch ohne das er halb drohend den Pantoffel hob. Da waren die sechs Kinder, die sie großzogen hatte. Dann kamen die Enkelkinder, die plötzlich wie Pilze, unaufhörlich, aus dem Boden schossen. Um die Enkelchen kümmerte sie sich mit Hingabe und Leidenschaft. Von Zeit zu Zeit wurde es ihr zu viel. Was man als Oma einer ganzen Heerschar an Enkelkindern alles leisten müsse und das, nachdem man ja bereits sechs Kinder großgezogen hätte. So viele Enkel! und es würden ja immer mehr! Wann höre das denn mal auf? Man müsse doch irgendwann einmal zur Ruhe kommen… Sie verkündete es. Mehrfach, vehement, lautstark, mit großer Mimik und Gestik. Doch wehe die Ruhe währte länger als Drei Tage, dann wurde das Drama um so größer. „ Was habe ich euch getan? Ich sehe meine Enkel ja kaum noch? Die erkennen ja bald ihre eigene Oma nicht mehr! Warum kommt ihr denn gar nicht mehr vorbei?“ Die Familie. Auf dieser Bühne konnte sie glänzen, strahlend schön und hell, mit ihrem lachenden Herzen aus „zwanzig Karat“, das wohl so manches Mal das ein oder andere Kopfschütteln bei uns hervorrief. Die andere Seite verschwand in ihr, wurde sorgsam unter Tabletten und Frankfurter Kränzen begraben,  bis das ganze Sammelsurium letztendlich doch noch hervor- und ihr den schwermütig gewordenen Kopf zerbrach…

Oma Lehner. Heute wäre sie 81 Jahre alt geworden und irgendwie ist sie es auch. In unseren Herzen ist sie es. Sie lacht uns schallend zu, stämmt dabei ausladend die Hände in die Hüften. Ich sehe hinauf. Da steht eine große Frau von Format, eine mit einem Herzen aus Zwanzig Karat. Eine authentische Frau. Eine Frau mit vielen Seiten. Eine besondere. Eine, wie du und ich.

Happy Birthday.

 

 

 

ZeitWellen…Ein Klang Text

Zuerst ist die Dunkelheit.

Panik.

Darauf folgt die Kälte.

Mit dem Augenaufschlag entlädt sich die Panik, entflieht in den Raum. Etwas bleibt. Bewegungslos klingt Dunkelheit. Herein.

Es folgt der Atem. Er ist warm, flach und er kommt stoßweise. Angestrengt lausche ich über meinen Atem hinweg. Ein Rohr ächzt. Draußen brechen sich Windböen an den Bäumen. Knarzen. Ein zweiter Atem. Ich halte inne, traue mich nicht den Kopf zu wenden. Sekunden verstreichen. Ruckartig wende ich den Kopf. Da ist nichts, doch etwas wiegt nun schwer auf meiner Brust. Der Kater, dieses Vieh. Schwer liegt dieses Vieh auf meiner Brust. Ich schlage nach ihm, will ihn verscheuchen. Doch, da ist kein Kater. Da ist nichts. Da ist nichts außer einem leeren und düsteren Raum, in dem nun die Panik wild umher streunt. Es ist zu dunkel. Panik.Wenn sie zurückkommt, werde ich sie nicht kommen sehen. Ich kann nichts tun. Vielleicht zittere ich deshalb.

Meine Finger sind eisig. Kälte klebt an meinem Körper. Es ist der Schweiß. Kalter Schweiß klebt schwer und nass auf meiner Haut. Der Pullover saugt sich genüsslich an mir fest. Der Schweiß hat ihn zur Last gemacht. Er droht mich hinab zu ziehen. Umständlich setze ich mich auf. Ich ziehe das nasse Ding von meinem Körper ab, versuche etwas Luft zwischen Haut und Schweiß zu treiben. Das Ding schnellt zurück, also wische ich damit über mein Gesicht, meinen Bauch, meinen Rücken. Klebrige Nässe. Die Bettdecke, das Kopfkissen, die Couch. Überall. Ich versinke darin. Ich bin ekelhaft.

Zieh dich um! Ein schwacher Befehl. Er verebbt in irgendwo in der Dunkelheit. Den Pullover ziehe ich mir über die Nase, hoch über mein Gesicht. Ich vergrabe meine Hände tief in ihm. Angestrengt rieche ich durch den Schweiß hindurch. Dort. Dahinter…Der Geruch ist noch da. Hinter dem Schweiß kann ich ihn riechen. Ja. Er ist da.  Er hat sich fest mit dem Stoff verwoben. Er ist da. Genauso wie all die Nächte zuvor. Genau wie all die Nächte zuvor brauche ich ein paar Minuten. Regungslos verharre ich in der Dunkelheit, versuche möglichst tief und gleichmäßig ein und auszuatmen. Ich warte auf das Gefühl. Ich weiß, dass es kommt. Dann kommt es. Nichts hat sich geändert. Wohlige Zufriedenheit strömt durch meine Nase, direkt in meinen Körper hinein. Wärme breitet sich aus. Ich genieße. Wenigstens einen Moment lang vergesse ich und lasse mich von der Wärme widerstandslos einlullen.

Schließlich habe ich mich soweit beruhigt, dass ich ins den dunklen Raum zurückkehren kann. Ich schaffe es diese Nacht sogar direkt aufzustehen. Den Weg zum Esstisch kenne ich blind. Widerwillig ziehe ich mir den Pullover über den Kopf und hänge ihn tastend über die Stuhllehne. Ich streiche mit der Hand noch einmal darüber. Bis zur nächsten Nacht wird er getrocknet sein. Daneben liegt bereits ein frisches Shirt. Es muss dort liegen. Hier im Wohnzimmer muss es liegen. Das Schlafzimmer. Als es Anfing, in der ersten Nacht…Es muss wirklich hier liegen. Hier. Ich nehme es. Ziehe es an. Es riecht nach frischer Wäsche, sonst riecht es nach nichts. Zeitlose Frische. Ein Schmerz. Unwillkürlich fasse ich mir an den Hals. Ich kann nicht atmen. Ich ersticke. Ich weiß, ich werde ersticken. Ich kralle mich an die Stuhllehne, vergrabe meine Hand in dem nassen Fetzen. Die Dunkelheit schreit mich an. Nein. Ich schreie. ZeitWellen…Ein Klang Text weiterlesen

The sound of music…Eine Liebeserklärung mit Playlist.

 

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Sonntag. 03.14Uhr. Es könnte genauso gut 23.12Uhr sein. Es könnte Regnen oder auch nicht. Die Waschmaschine könnte im temporären Stakkato immer wieder, an das Fenster trommeln. Erst laut, wieder still. Nichts könnte geschehen. Dem Fenster wäre es schnurz. Ob 05.18Uhr oder 18.10Uhr. Sonntags. Zeit misst sich hier nicht. Hier misst sich nur der träge Geruch von Kaffee, an der gähnenden Leere der Straßen. Vögel singen in das Blau der Stunde hinein. Wohlige Geräusche erklingen. Kein Geplärre. Kein Gehupe. Stattdessen. Der Klang von Farbe. Blau. Eine ruhige Farbe. Kühl und doch einladend. Weit und Raum gebend. Die Gedanken, hier haben sie Platz. Sie können sich beliebig strecken und ausdehnen oder sie können still da sitzen und lauschen. Nun ist es Herbst. Das leise Singen der Vögel erhebt sich. Es mischt sich mit den letzten Klängen der herabschwingenden Blätter. Vertrocknetes Laub, der Wind und ein paar verirrte Vögel. Ein Tageskonzert im Herbst, denn ansonsten bleibt es ruhig. Ob 03.14Uhr oder 14.03Uhr. An einem Sonntag im Herbt bleibt’s einerlei.

Die ruhigen Klänge locken mich an diesem Sonntagmorgen. Ich gehe laufen. Tatsächlich. Ich tue es zum ersten Mal, seit langer Zeit und ich tue es ohne Player. Ich mag die Stille dieses Morgens nicht durchbrechen. Der Lauf fällt natürlich unsagbar schwer, nach so langer Drückebergerei . Mein keuchender und fluchender Atem stört alsbald das Stimmungs- Konzert. Sei’s drum. Ich laufe einfach immer weiter. Der Gesang der Vögel, das plätschern des Baches, meine raschelnden Schritte auf dem trockenen Laubboden. Das Konzert wird lauter. Es fängt mich ein. Volltönend überdeckt es das Ächzen und Keuchen. Ein Paukenschlag. Dann das große Finale. Schwer asthmatisch breche ich schließlich vor meiner Haustür zusammen doch ich bin glücklich und auch ein bisschen stolz. Nun gut. Jeden Sonntag brauche ich diese Erfahrung jetzt nicht. Aber an diesem Morgen hab ich mich halt packen lassen, von den Herbst Klängen.

Musik. Dieses seltsam zeitlos, schöne Ding. Sie bewegt, sprichwörtlich, wortwörtlich. Bei einem guten Song, da kann man nicht lange still sitzen. Der Fuß beginnt zu wippen, da, ein leichtes Nicken. Ein kleines Fingerschnippen. Es folgt, nichts weiter. Doch oftmals, hat sie ihre energetischen, kleinen Fingerchen erst einmal nach einem ausgestreckt, packt sie  sogleich kraftvoll zu und wirbelt einen gehörig durcheinander. Entweder packt einen der Rhythmus oder der Text, die Stimme, manchmal elektrisiert alles zusammen und dann folgt die ganz große Tanznummer, ein Staubsauger Duett. Ein, im Supermarkt, unauffällig, nach rechts und links spinksender Blätterteig Tango… oder eine herzzerreißende Bügelbrett Arie. Das Spülbürstenphon, da ist es wieder. „Keep talking, whoa, keep talking“. Die Küchenschaft rastet aus. Tosender Applaus. Grande Finale und dann, ist es so plötzlich vorbei, wie es begonnen hat. Die Musik verebbt und das Bürstenphon verwandelt sich  wieder in einen ollen Putzlappen. Nur das Lächeln, das bleibt noch einige Zeit… Den Thekenhockern mag das gar fremd klingen, den Thekentänzer hingegen wohlbekannt. The sound of music…Eine Liebeserklärung mit Playlist. weiterlesen

Halten.

Früher.

Ich sitze auf der Couch und mümmle an meinem Frühstücksbrötchen. Der Mann liegt neben mir und streckt seine hundert-vierundneunzig Zentimeter Glieder von sich. „Komm her.“ gähnt er und zeigt auf die dreißig Zentimeter Fläche neben sich. Ich muss lachen, weil er es mit dieser schrecklich näselnden Kinderstimme sagt und dabei wild die Augen rollen lässt. „Ich ess‘ doch gerade.“ stoße ich hüstelnd hervor. „Egal.“ Er winkt ab und klopft auf die freie Stelle neben sich.  „ Komm schon Specki. Bevor, du nicht mehr hinpasst.“ Das ist mein Stichwort. Ich lasse ich das Brötchen auf den Teller fallen und stürze mich mit voller Wucht auf diesen Mistkerl. Ich halte mich nicht zurück. Muss ich auch nicht, denn ich weiß, selbst wenn ich mich mit geballter Wut gegen ihn werfe, ist es eher als würde eine Fliege versuchen einen Berg zu verrücken.  Die Fliege verliert. Arme Fliege. Ich kämpfe tapfer. Wenige Sekunden später bin ich bewegungsunfähig und bettle kreischend um Luft. Ja, ich ergebe mich. Der hundert Kilo Brocken klebt auf mir und leckt mir triumphierend über die Nasenspitze. “Ach, bitte! Das ist doch ekelhaft.“ Sein Griff entspannt sich. Meine Arme brennen. Ich schnelle nach oben, presse meine Lippen ganz fest auf seine. Seine Augen lächeln mich dabei so unbekümmert an, dass jeder Schmerz sofort vergessen ist. Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal so albern miteinander waren. Ich weiß es tatsächlich nicht mehr. Er rollt sich von mir runter. Ich rolle mit, weil ich sonst von der Couch plumpse. Ich rolle weiter bis ich oben, auf dem Berg, angekommen bin. Bis wir auf Augenhöhe sind Nun klebe ich an ihm und begucke ihn neugierig. Hallo, Schöner…  Das hält er nicht lange aus. „Was ist?“ zetert er. Ungeduld. Natürlich. Die Unbekümmertheit droht schon wieder zu verschwinden. Nein. Halten. weiterlesen

Kälte.

Ein Klang Text

 

Ist ihnen nicht kalt? Mensch, das ist aber auch frisch geworden! Mit ihnen würd ich jetzt nicht tauschen wollen. Ich könnte das nicht! Den ganzen Tag hier in der Kälte stehen… Oh, sie Ärmste. Sie sehen ganz verfroren aus. Nun ist Winter! Wie halten Sie das nur aus? Was macht der Zahn…?

Sätze, die von kalten Jahreszeiten und warmen Gefühlen künden. Ja, es ist tatsächlich kalt geworden in den vergangenen Tagen. Der erste Schnee fiel gestern. Meine kleine Dachgeschoss Wohnung hat sich in ein gemütliches schneebedecktes Iglu verwandelt. Die Wohnung wandert mit den Jahreszeiten. Im Sommer ist das Licht. Das Licht ist die Brücke. Nun ist der Schnee. Der Schnee ist die Hülle. Der Schnee liegt nun Zentimeter dick auf den großen, schrägen Dachfenstern. Ich liege auf der Couch und  starre auf  Schnee. Sätze wandern hin und her. Die Bettdecke schmiegt sich eng an mich, kriecht an mir hinauf, zieht sich bis zum Hals. Kälte. Ich sehe das schützende Glas, das zwischen mir und dem Schnee liegt. Ich höre das leise Surren des Kühlschranks. Ich muss den Blick abwenden. Scham. Kälte. weiterlesen

Der Geist der Geschenke

 

Winter 1988. Draußen bricht sich leise der Schnee durch den Himmel. Er fällt seit Stunden unaufhörlich, in dicken, herabschwebenden Flocken. Die Spuren des Tages, längst hat er sie mühelos beiseite gewischt. Zappelige Kinderfüßen, schwere Tritte, emsiges Treiben…Der Tag hat sich die Decke über den Kopf gezogen. Nun liegt er versteckt unter der rieselnden Hoheit des Himmels. Ja, der Abend  flüstert dem Tag  Gut‘ Nacht. Seine weißen Hände hat er zart um ihn gewebt. Bald wiegt er ihn sanft in seinen Armen und so gleitet der Tag allmählich bereitwillig hinab, in die Ferne. In den Traum. Auch was bleibt ist Traum. Der Schnee ist weiß, doch die Welt taucht er in einen unwirklich scheinenden, silbrig blauen Glanz, der, obwohl er sich durch den Nebel brechen muss unendlich viel klarer noch scheint, als die Kälte. Es ist der kühle Tanz des Abends. Der Schnee. Er fällt. Leichtfüßig und mühelos. Ruhig. Was bleibt ist Zauber. Schön und still.  Der Schnee fällt. Schlicht. Und so schweigt man hier draußen, während hinter den leuchtenden Fenstern der Siedlung, das Leben neu erwacht. Der Geist der Geschenke weiterlesen

Liebe.

Essen ist Liebe.

Essen ist ein Grundbedürfnis. Doch es stillt nicht bloß unseren Hunger. Es bringt uns an einen Tisch. Es verbindet uns. Gemeinsame Gespräche werden geführt, manchmal bis tief in die Nacht hinein. Entscheidungen werden getroffen. Es wird herzhaft gelacht, getrunken, neue Ideen entspinnen sich zwischen drei Gängen und Espresso danach. Manchmal wird leise geweint oder hartnäckig starrend, in das Rotweinglas, geschwiegen. Oft genießt man mit rot glühenden Wangen das trubelige Geschehen, während man ein andermal vielleicht lieber ganz für sich allein in der Küche steht, den Löffel im Takt der Musik schwingt, sich an den Klängen zischender Töpfe erwärmt, sich schweigend im Schneiden der Zwiebel verliert. Der Duft der Küche, beruhigend, still, manchmal auch schrill. Vielfältig. So, wie das Leben. So, wie die Liebe. Kochen ist Liebe.

 Und nun, da ich es formuliert habe stelle ich erstaunt fest, dass es sich mit meiner Arbeit auf dem Wochenmarkt und dem Schreiben genauso verhält. Ich versinke darin. Ich verliere die Zeit. Ich bin glücklich. Das ist es, wonach ich so lange gesucht habe. Hier versuche ich diese drei, für mich so wichtigen Lebensbereiche miteinander zu verbinden.

Vor sechs Jahren, als meine letzte Beziehung so dramatisch zerbrach wie sie begonnen hatte, da hatte ich plötzlich nichts mehr, das mich von mir selbst ablenkte und so dachte ich plötzlich, während ich in einem letzten dramatischen Akt, unser gemeinsames Bett in seine Einzelteile zerlegte, ich versuche jetzt zur Abwechslung mal das Glück in mir selbst zu finden, statt es dauernd im Außen zu suchen. Wo ist die Liebe in mir? Was kann ich denn eigentlich? Was will ich? Wie schaffe ich es das Ding im Spiegel wieder in eine lächelnde, zufriedene Frau zu verwandeln? All das künstlich geschaffene Leiden und der maßlose Konsum. All die Betäubungen. Schluss damit! Es muss einen anderen Weg geben. Glück. Ja, es ist verführerisch, die Verantwortung für das eigene Glück an etwas oder jemand anderen zu übertragen, sich abzulenken. Man muss dann halt nur die die kurze Halbwertszeit solch einer Art von Glück mit einberechnen. Aber was ist schon sicher im Leben… Liebe. weiterlesen